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| 14:17 Uhr

Ende des Jahres ist Schluss
Aus für Cottbuser Brauerei Labieratorium

Die Cottbuser Brauerei Labieratorium macht zum Ende des Jahres dicht.
Die Cottbuser Brauerei Labieratorium macht zum Ende des Jahres dicht. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Verschätzt? Das Labieratorium schließt zum Jahresende. Es fehlt an Kunden. Von Daniel Schauff

Es war ein Herzensprojekt von Olaf Wirths und Anja Braun. Nach einem Vierteljahrhundert ohne Cottbuser Bier wollten sie wieder eine Brauerei in die Stadt bringen. Seit Mitte 2017 wird in der Karl-Liebknecht-Straße wieder gebraut – Pils, Helles, Rotbier, mittlerweile preisgekrönte Sorten. Die haben ihre Liebhaber gefunden, in einer ganzen Reihe von Städten in Deutschland, in Österreich, sogar in Schottland. Nur bei den Cottbusern kam das Bier nicht besonders gut an. Zumindest nicht so gut, dass sich Brauerei und Bierbar am Altmarkt noch gelohnt hätten. Das Herzensprojekt, das muss Olaf Wirths am Donnerstag am Telefon bestätigen, ist gescheitert.

Zum Ende des Jahres macht das Labieratorium dicht, das Labyrinth, die kleine Bierbar mitten in der Stadt, hat bereits Mitte November die Türen geschlossen. „Wir haben einfach zu wenig verkauft“, sagt Olaf Wirths. Trotz internationaler Preise für die Braukunst aus dem „Wilden Osten“, trotz fehlender Konkurrenz auf dem lokalen Biermarkt. Überschätzt hätten sie das Potenzial einer regionalen Marke in der Lausitz, sagt Olaf Wirths. Es fehle in der Region, woran es in anderen Teilen Deutschlands nicht mangelt: Am Identifikationsfaktor eines Produkts, das vor Ort hergestellt wird. Ja, sein Bier sei teurer gewesen als herkömmliches Bier aus dem Getränkemarkt. Das sei aber nun einmal so bei Produkten, die in kleineren Mengen mit teureren Zutaten von weniger Mitarbeitern hergestellt werden. Ein 0,33 Liter Labieratorium-Bier aus der Flasche kosten zwischen zwei und drei Euro, Supermarkt-Markenbier gibt es schon ab 50 Cent für einen halben Liter. Und der Preiskampf der großen Brauereien, sagt Wirths, sei riesig.

Mitziehen kann Wirths da nicht – will er aber auch nicht. Kleine Brauereien mit lokaler und regionaler Identität könnten in anderen Ecken des Landes erfolgreich wirtschaften, in Bayern etwa, in Baden-Württemberg. Dort gibt es seit Längerem einen richtigen Craft Beer-Trend. Das Craft Beer (unabhängig und handwerklich gebraute Biere, meist aus kleinen Brauereien) aus Cottbus aber hat keinen Trend in der Lausitz ausgelöst, und das obwohl das Labieratorium Lieferverträge mit Supermarktketten abschließen konnte.

Der Ausschank in Wirtschaften blieb die Ausnahme. Auch dort war der Preis das Argument gegen das regionale Bier und für das preiswertere Industriebier. Mangelnde Kaufkraft in der vergleichsweise strukturschwachen Lausitz will Olaf Wirths nicht als Argument gegen sein Bier gelten lassen. „Welche Prioritäten setzt man?“, fragt er. Wenn der Flachbildschirm, das Auto, der Computer wichtiger seien als das Kulinarische, dann lasse sich das Zögern der Kunden bei Labieratorium-Bier eher so erklären. Ihm selbst sei eine solche Einstellung fremd, sagt der Bier-Experte.

Die einzige Rettung, sagt der Braumeister, sei ein spontaner Investor, sei die Umwandlung des Labieratoriums in eine Genossenschaftsbrauerei. Echte Hoffnung, sagt der Waldbröler, der mit seiner Familie von Nordrhein-Westfalen nach Cottbus gekommen war, um Craft Beer herzustellen, mache er sich da aber nicht. Fakt ist: Was an Bier noch da ist, muss weg. In der kommenden Woche verkauft das Labieratorium Bier ab Brauereirampe für zehn Euro pro Kasten (Montag bis Donnerstag, 13 bis 16 Uhr). Am Freitag kommender Woche gibt es einen Ausverkauf von Mobiliar und Merchandising, ebenfalls von 13 bis 16 Uhr, kündigt Olaf Wirths an.

Wie es für ihn und seine Familie jetzt weitergeht, vermag er noch nicht zu sagen. Vorerst bleibe er in der Gegend, sagt er. Und er hoffe, dass auch seine Mitarbeiter schnell etwas Neues fänden. Sowohl die Mitarbeiter in der Bar als auch die in der Brauerei verlieren mit dem Ende des Labieratoriums ihre Jobs. „Und sie waren zwei Jahre ihres Lebens mit Herzblut dabei“, sagt der Wahl-Cottbuser und schiebt nach: „Aber wenn irgendwo eine Tür zu geht, geht eine andere auf.“