ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:30 Uhr

Heimatgeschichte
Kirche für die Spremberger Vorstadt

Die Lutherkirche ziert kurz nach ihrer Einweihung natürlich auch eine Postkarte.
Die Lutherkirche ziert kurz nach ihrer Einweihung natürlich auch eine Postkarte. FOTO: Sammlung Hans Krause
Cottbus. Dora Liersch erzählt die Geschichte der Cottbuser Lutherkirche anhand einer Postkarte aus der Sammlung von Hans Krause. Von Dora Liersch

Die Entwicklung der Stadt Cottbus nahm nach 1871 einen rasanten Aufschwung. Im Norden wurden zwei Teile von Brunschwig zur Stadt eingemeindet, im Südosten das Dorf Ostrow. Nach Süden erfolgte der Ausbau der Spremberger Vorstadt. Die Einwohnerzahlen nahmen zu. Eine eigene Schule wurde 1886 eingeweiht. Kirchlich gesehen gehörten die evangelischen Bewohner zur Oberkirche und wurde von deren Geistlichen betreut.

Für manches Kirchenmitglied war aber der Weg bis zur Oberkirche zu weit, zumal nach dem Bau der Eisenbahnstrecken in den 1860er-Jahren ein großer Teil der Spremberger Vorstadt regelrecht vom Stadtzentrum abgetrennt worden war, da es zunächst keine Brücken oder Unterführungen gab. Der sehr tüchtige, aber auch strenge Superintendent Heinrich Christian Ebeling hatte bereits seit 1854 sogenannte Erbauungsstunden in einem kleinen Gebäude, der Kontumaz in der Spremberger Vorstadt, abgehalten. Nach der Fertigstellung des Schulhauses und des ersten Erweiterungsbaus bat der Gemeindekirchenrat der Ober- und Klosterkirche 1890, die Aula der Schule in der Dresdener Straße als Gottesdienstraum zu nutzen, was vom Magistrat genehmigt wurde.

In der immer größer werdenden Gemeinde regte sich bald der Wunsch nach einem eigenen Kirchengebäude. Erste Spenden für einen Kirchenbau gab es seit 1893, dazu kamen Benefizkonzerte und Basare zum „Besten des Kirchenbaus in der Spremberger Vorstadt“ und auch „Lutherfestspiele“. Am 1. Juni 1898 kam die gewählte Kommission zur Vorbereitung des Kirchbaus erstmals zusammen. Sie sichtete die Angebote der Bauplätze. Obwohl die Dresdener Straße die Hauptverkehrsader in der Spremberger Vorstadt war, wählte man die Feldstraße, an der nur einige kleinere Häuser und das 1887 eingeweihte Diakonissenhaus „Salem“ standen. An ein Krankenhaus oder gar an eine Straßenbahn war noch lange nicht zu denken.

Seit 1902 gab es die vierte Pfarrstelle an der Oberkirche, geschaffen für den Geistlichen der Spremberger Vorstadt, den Hilfsprediger Rudolf Rauh. Wenn man im „Cottbuser Anzeiger“ aus jener Zeit blättert, staunt man nur, wie viele Aktivitäten es gab, um das Geld für den Kirchenbau zusammenzubekommen, aber auch wie viele Menschen sich mit persönlichen Spenden beteiligten.

Am 2. Februar 1906 erfolgte die Ausschreibung zur Anfertigung von Skizzen für die Erbauung der „Lutherkirche zu Cottbus“. Dr. Christian Lehm hat Auszüge daraus in der Broschüre „Streiflichter aus der bewegten Geschichte zum 100. Jubiläum des Kirchbaus 1912 – 2012“ veröffentlicht. Darin heißt es unter anderem: „Der Bauplatz ist bestimmt zur Aufnahme der Lutherkirche und eines Pfarrhauses, in welchem die Dienstwohnung für den geistlichen nebst geräumigen Konfirmandenzimmer (etwa 100-110 qm groß) untergebracht werden sollen und für welches ein ausreichender Wirtschaftshof sowie ein besonderer Garten in Aussicht zu nehmen sind. Gegenstand dieser Ausschreibung ist zwar nur die Kirche allein, doch ist auf dem Lageplan darzustellen, wie das später zu errichtende Pfarrhaus mit der Kirche in Zusammenhang gebracht werden soll. Gewünscht wird, dass die Kirche gegenüber angrenzenden Straßen etwas hervorgehoben wird. Ob dies durch Aufhöhen des Bauplatzes oder durch eine Terrassenanlage bewirkt wird, bleibt dem freien Ermessen des Architekten überlassen. Auf eine Orientierung des Kirchengebäudes wird kein Gewicht gelegt.“ Es folgen dann weitere Vorstellungen, wie auch der Innenbereich zu gestalten sei.

Am 2. April 1906 gründete sich der Lutherkirchbauverein. Vorsitzender wurde Pfarrer Rauh. Der Regierungsbaumeister Leibnitz aus Berlin erarbeitete ein überaus gefälliges Projekt, das die Anerkennung aller beteiligten Behörden fand. Bei einem Kostenaufwand von 152 000 Mark kann ein stattliches Gotteshaus mit Turm in Verbindung mit zwei Vereinssälen und eine Pfarrwohnung errichtet werden. Außerdem wird im Parterregeschoss des Pfarrhauses auch eine Küsterwohnung eingerichtet. Am 17. Juni 1911 gab es den ersten Spatenstich, am 25. Juni 1911 erfolgte die Grundsteinlegung. Die Baupläne hatte der Regierungsbaumeister Leibnitz gefertigt, die Bauaufsicht führte die Baufirma Michaelis & Dietrich aus Cottbus, Aufträge erhielten Maurermeister Gustav Klammer und die hiesigen Zimmermeister Alfred Kisse und Hermann Wust. Am 4. Dezember 1911 konnte die Richtkrone gesetzt und wie geplant am 30. Juni 1912 die Kirche geweiht werden.

Während der Bauzeit wird kaum etwas in der Cottbuser Tageszeitung berichtet, um so mehr dann von der festlichen Einweihung bei sehr regnerischem Wetter. Obwohl am 15. Februar 1945 beim Bombenangriff auf Cottbus die Lutherkirche, Gemeinderäume und das Pfarrhaus völlig ausbrannten und die Ruinen zur Ziegelgewinnung abgerissen werden sollten, kämpfte die Gemeinde mit ihrer Leitung um den Wiederaufbau des Gebäudekomplexes. Was auch unter der Leitung des Architekten Hans Palm und mit Vorgaben, auch des kirchlichen Bauamtes, gelang, nachdem der Brandschutt beseitigt worden war.

Der Bauschein wurde am 16. Juni 1950 von der Baupolizei erteilt. Als erstes wurde der untere Luthersaal zur Nutzung wiederhergestellt. Die große Wiedereinweihungsfeier fand am Pfingstsonntag, 13. Mai 1951, statt. Noch etliche Jahre war das Kirchgebäude von außen von den Brandschäden gezeichnet, ehe es zu einem ersten neuen Außenputz kam. Inzwischen ist das ganze Ensemble gründlich überarbeitet und liebevoll, dem Jugendstil folgend, saniert worden. Jetzt folgt die aufwendige Innensanierung. Am Sonntag wurde hier der vorerst letzte Gottesdienst gefeiert.

Äußerlich wieder schmuck saniert, jetzt folgt der Innenbereich.
Äußerlich wieder schmuck saniert, jetzt folgt der Innenbereich. FOTO: Dora Liersch