„Die Deponie in Saspow ist stillgelegt, aber sie ist nicht tot“, betont Marianne Lehmann, die Serviceleiterin Deponietechnik der Stadt Cottbus. Denn im Inneren der Deponie, die bis 2005 betrieben wurde, leisteten Mikroorganismen eine wertvolle Arbeit, die die Betreiber des Abfalllagers sich zunutze machen. Die Bakterien zersetzten den organischen Anteil des Abfalls und erzeugen dabei Deponiegas, das von Blockkraftwerken in Strom umgewandelt wird. So werde die Deponie zur Energiequelle.

Im November 2006 sei zunächst ein Blockheizkraftwerk (BHKW) in Betrieb genommen worden. Es liefere nicht nur Strom, sondern mittels eines Wärmetauschers außerdem noch Wärme, mit der die Funktionsgebäude auf dem Deponiegelände beheizt würden, informiert Martin Böttcher, der Leiter des Amtes für Abfallwirtschaft und Stadtreinigung. „Das zweite Modul, das gestern offiziell in Betrieb genommen wurde, dient ausschließlich der Stromerzeugung“, erklärt Böttcher und erläutert die Funktionsweise: „Auf dem Deponiegelände gibt es zurzeit 32 Gasbrunnen, 13 weitere werden noch in diesem Monat an die Anlage angeschlossen, bis zum kommenden Dezember sollen auch die restlichen 14 Brunnen fertiggestellt sein. Ein Verdichter sorgt für Unterdruck, so dass das Deponiegas, das zu rund 60 Prozent aus Methan besteht, aus dem Deponiekörper gesaugt wird und über vier Gassammelstationen und ein 9,8 Kilometer langes unterirdisches Leitungsnetz zu den beiden Blockkraftwerken geführt wird.“ Dort diene jeweils ein Gas-Otto-Motor als Stromgenerator. „Bei der Verbrennung entstehen keine Abgase, sondern lediglich Wasserdampf“, ergänzt Marianne Lehmann. „Angesichts der großen Menge und der guten Qualität des anfallenden Gases wäre es ein Jammer, es einfach abzufackeln“, ist Martin Böttcher überzeugt. Etwa zehn Jahre lang werde noch ausreichend Deponiegas anfallen, um die beiden Blockkraftwerke zu betreiben, schätzt er. „Wenn das Aufkommen einmal zurückgeht, können wir immer noch ein Modul abbauen und verkaufen“, sagt Böttcher. Nicht zuletzt deshalb habe man die modulare Bauweise gewählt.

„Mit der Inbetriebnahme dieser beiden Blockkraftwerke leistet die Stadt Cottbus einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz. Es geht hier um die so bedeutende Reduzierung des Treibhauseffektes, für den Methangas maßgeblich mitverantwortlich ist“, freut sich der Cottbuser Umweltbeigeordnete Lothar Nicht (Linke). Er drückte gestern gemeinsam mit der Umweltausschussvorsitzenden Karin Kühl (Linke) symbolisch den Startknopf des neuen zweiten Moduls. Auch sie ist begeistert: „Es ist eine gute Sache, die Gase, die ohnehin anfallen, sinnvoll zu nutzen und dafür noch Entgelt zu erhalten, das der Abfallgebühr gegengerechnet wird.“