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| 17:32 Uhr

Stadtentwicklung
Aus Blechen Carré wird City Mall

So soll die neue City Mall nach aktuellen Plkänen aussehen. Grafik: pps architekten
So soll die neue City Mall nach aktuellen Plkänen aussehen. Grafik: pps architekten FOTO: pps architekten
Cottbus. Seit Jahren ringen Stadt und Investor um den Bau des neuen Einkaufszentrums an der Stadtpromenade. Jetzt soll es endlich losgehen. René Becker, Geschäftsführer der EKZ Stadtpromenade Cottbus GmbH, erläutert im RUNDSCHAU-Interview seine Pläne.

Herr Becker, Sie halten endlich eine Baugenehmigung für den Erweiterungsbau des Blechen Carrés in den Händen. Wann rollen die ersten Bagger an?

Becker: Bevor wir über den Baubeginn sprechen, sollten wir uns klarmachen, welche Erfolgsgeschichte wir mit dem Blechen Carré geschrieben haben. Als wir dort  angefangen haben, lag der erste volle Jahresumsatz bei 38,4 Millionen Euro. Das war unterirdisch. Heute machen unsere Mieter rund 55 Millionen Euro Jahresumsatz. Wir erwirtschaften auf einer Fläche von 20 400 Quadratmetern 4,7 Millionen Euro Miete im Jahr, die Durchschnitts-Nettokaltmiete im Center liegt stabil bei 19 Euro. Auch die regionale Wirtschaft profitiert von unserem Erfolg. Wir haben jährliche Nebenkosten von 1,6 Millionen Euro – Geld, das in zahlreiche hiesige Firmen fließt. Und weil Blechen I so erfolgreich ist, haben wir vor sieben Jahren angefangen, über die Erweiterung nachzudenken.

Ein Prozess mit Hindernissen.

Becker: Stimmt. Als wir das erste Mal Baurecht hatten, haben wir den nötigen Finanzierungsnachweis nicht zum vorgeschriebenen Termin geschafft. Und als wir den Nachweis hatten, war der erste Bebauungsplan schon gekippt. 2013 haben wir dann das Vorhaben neu aufgerollt, mit dem bekannten Wettbewerb und einem zweiten vorhabenbezogenen Bebauungsplan.  Jetzt, fünf Jahre später, haben wir eine Baugenehmigung bekommen. Ich denke, in einer strukturschwachen Gegend sollte man sich eine solche Verzögerung eigentlich nicht leisten.

Trotzdem wollen Sie den Erweiterungsbau?

Becker: Ja. Um ein Einkaufszentrum auf Dauer wirtschaftlich führen zu können, braucht es eine gewisse kritische Masse. Mit weniger als 100 Mietern und weniger Fläche als 27 000 Quadratmetern wird es schwierig. Im Blechen Carré haben wir 86 Mieter. Das reicht auf Dauen nicht aus. Wir müssen uns also erweitern, um auch in den nächsten Jahren gut bestehen zu können.

Aber wann geht es denn nun wirklich los?

Becker: Wir haben mit der Stadt eine Vorbereitungsphase von vier Monaten ab Baugenehmigung besprochen. Das ist sportlich. Aber wenn alles klappt, könnten wir im September anfangen.

Was passiert in dieser Phase?

Becker: Seit den ersten Planungen hat sich in der Welt des Handels einiges verändert. Wir müssen prüfen, ob unser altes Konstrukt auch unter den jetzigen Bedingungen funktioniert. Schon jetzt haben wir mit der Stadt abgesprochen, dass die ursprünglich geplanten Wohnungen auf dem Dach des Centers wegfallen, sie lassen sich nicht wirtschaftlich vermieten.    Die Außenhülle bleibt wie geplant, hinter der Fassade des oberen Stockwerks werden aber keine Räume erstellt. Auch die Innenaufteilung wird leicht verändert. Shops mit 70 oder 80 Quadratmetern machen heutzutage keinen Sinn mehr. Die Läden werden also größer. Das Konzept der Mittel-Mall mit Shops links und rechts bleibt aber.

Wer wird in den Neubau einziehen?

Becker: Zur Zeit der ersten Bauge-
nehmigung hatten wir 67 Prozent der Flächen vermietet. Die Verträge sind nach so vielen Jahren natürlich ausgelaufen. Aber viele der damaligen Interessenten wollen weiterhin bei uns einziehen. Mit denen verhandeln wir. Wir brauchen zwei große Ankermieter, dann fällt die Vermarktung leichter. Sicher werden kaum regionale Mieter einziehen – die halten das Geschäft in einem Center nicht mehr durch.

Wird es Unterschiede zwischen Blechen I und Blechen II geben?

Becker: Für die Kunden wie für unsere Mieter ist es ganz wichtig, die beiden Gebäude als Einheit wahrzunehmen. Daher wollen wir unbedingt eine optische Verbindung schaffen, eventuell mit einer Überdachung, sodass die Menschen trockenen Fußes von einem ins nächste Gebäude wechseln können. Wichtig ist für uns auch der Name. „Blechen Carré“ ist rechtlich geschützt und an den jetzigen Bau und die Objektgesellschaft gebunden. Es kann also sein, dass wir den Namen komplett ad acta legen. Vielleicht nennen wir den Komplex „City Mall“, um die Gemeinsamkeiten der Zentren deutlich zu machen.

Viele Cottbuser haben in den vergangenen Jahren über die Brachfläche geklagt. Hätte man die nicht etwas schöner gestalten können?

Becker: Das Bild ist wirklich unschön. Aber kein Investor der Welt nimmt Geld in die Hand, wenn er nicht weiß, ob es sich vermehrt. Heißt: Ohne Baugenehmigung kein Investment. Ohnehin haben sich die Projektkosten von damals 14 Millionen Euro zwischenzeitlich durch gestiegene Baukosten und den – sicherlich sehr lohnenswerten – Wettbewerb auf 24,5 Millionen Euro erhöht. Unsere Einnahmen werden aber nicht adäquat steigen, wir müssen also gut rechnen. Um unseren guten Willen zu zeigen, wollen wir eventuell die unterirdischen Abrissarbeiten vorziehen, das heißt im Untergeschoss ehemals tragende Wände einreißen und entkernen. Da unter dem Gelände wichtige Versorgungsleitungen der Stadt liegen, brauchen wir hoch spezialisierte Firmen und eine aufwendige Technik. Es braucht Zeit, solche Arbeiten auf den Weg zu bringen.

Die Händler auf der Spremberger Straße sehen Ihre Pläne mit Skepsis.

Becker: Die Handelsflächen auf der Sprem entsprechen etwa denen des Blechen Carrés. Für uns, das haben wir immer gesagt, sind die Wechselbeziehungen mit der Sprem enorm wichtig. Wir brauchen eine funktionierende Symbiose. Leider wurde unser Angebot, die Läden in der Sprem gemeinsam professionell zu vermarkten, nicht angenommen. Wir hätten das gern übernommen, denn ohne ein professionelles Management geht im Handel heute nichts mehr.

Das Gespräch mit René Becker
führte Andrea Hilscher

(hil)