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| 19:47 Uhr

Aufzug ganz oben auf der Wunschliste

Pförtner Hartmut Groß zeigt den Aufzug in dem sanierten Wohnhaus in der Hüfnerstraße in Sandow.
Pförtner Hartmut Groß zeigt den Aufzug in dem sanierten Wohnhaus in der Hüfnerstraße in Sandow. FOTO: Michael Helbig/mih1
Cottbus. Die Cottbuser Mieter hängen an ihren Wohnungen. Viele leben schon seit Jahrzehnten in ihren Quartieren – und wollen dort gern alt werden. Doch nicht alle Häuser sind barrierefrei. So wird der Wunsch nach Aufzügen immer lauter. Sven Hering

Sie sind vor 30 Jahren nach Sandow gezogen. Damals war die Freude über die Neubauwohnung groß. Vierte Etage - kein Problem. Das funktionierte auch ohne Aufzug. In den Jahren danach wurde die Wohnung oder sogar das gesamte Haus rekonstruiert. Es gab neue Fenster, frische Farben. Keinen Fahrstuhl. Jetzt wollen viele Sandower ihren Lebensabend in ihrem Domizil verbringen. Der fehlende Aufzug wird für einige von ihnen dabei zum echten Problem.

Ein Fahrstuhl, nachträglich installiert, steht bei den Sandowern deshalb ganz oben auf ihrer Wunschliste. Das wurde am Montagabend während einer Gesprächsrunde deutlich. Die Volkssolidarität hatte Vertreter der Stadt und der beiden großen Wohnungsvermieter eingeladen. "Ein Drittel der Sandower Einwohner ist schon heute über 60 Jahre alt, die Zahl der Senioren wird zunehmen", sagte Moderatorin Gudrun Hibsch. "Wir wollen heute erkunden, wie sich die Stadt auf diese Entwicklung vorbereitet." Ein selbstbestimmtes Leben im Alter sei besonders wichtig, erklärte Sozialdezernent Berndt Weiße (parteilos). Die Menschen dürften nicht durch Barrieren oder fehlende Einkaufsmöglichkeiten eingeschränkt sein.

Die Großvermieter GWC und eG Wohnen haben auf diese Entwicklung reagiert. In den vergangenen Jahren sind einige Wohnungen barrierefrei gestaltet worden, sagte Monika Elias von der GWC. Musterbeispiel sei die Hüfnerstraße 14/15. "Diese Wohnungen werden sehr gut angenommen." Auch in der Franz-Mehring-Straße seien viele Barrieren abgebaut worden. "Das betrifft die Höhe von Fenstern oder Steckdosen, aber auch die Badeinrichtung", erklärte sie. Sieben behindertengerechte Wohnungen sind dort neu entstanden.

Ähnlich sieht es bei der eG Wohnen aus. Vorstand Arved Hartlich: "In Sandow verfügen wir schon über einige Gebäude, die mit Aufzügen ausgestattet sind." Ein nachträglicher Einbau sei technisch zwar meist möglich. Doch oft scheitert dieser an der Finanzierung. "Wir sind auf Fördermittel angewiesen", erklärt Hartlich. Diese wiederum gibt es nur für komplett barrierefreie Häuser. P2-Wohnungen fallen dabei aus dem Raster. Dort muss immer zunächst eine Treppe bewältigt werden, um zu den Erdgeschosswohnungen zu gelangen. Das ist für eine mögliche Förderung ein K.O-Kriterium.

Rund 100 000 Euro kostet laut Hartlich die günstigste Variante, soll ein Fahrstuhl nachträglich eingebaut werden. Diese Investition muss wieder eingespielt werden. Die Miete kann dadurch schnell mal um 70 Euro im Monat steigen. "Außerdem müssen diese Häuser noch mindestens 20 bis 30 Jahre stehen", erklärt Hartlich. Deshalb kommen nur Häuser, die grundhaft saniert werden, für eine Nachrüstung in Frage. Eine Alternative sei der Umzug in eine Erdgeschosswohnung. Das bedeutet aber mitunter auch Abschied vom lieb gewonnenen Quartier.