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Aufgebrezelt, gesalzen und geknabbert

Die automatischen Backanlagen beeindrucken die Gäste, die sich mit Hygienekleidung aufgebrezelt haben.
Die automatischen Backanlagen beeindrucken die Gäste, die sich mit Hygienekleidung aufgebrezelt haben. FOTO: ik
Krieschow. Wer wissen will, wie knusprige Brezeln entstehen, muss sich erst einmal aufbrezeln. Ohne Häubchen, Hygiene-Jacke und Schuhe, "fremdkörperfrei" versteht sich, ist kein Reinkommen in die heiligen Hallen der Backkunst. Ida Kretzschmar

"Lebensmittelsicherheit ist hier äußerst wichtig", betont Werkleiter Adrian Salomon und verweist auf eine Vielzahl von Zertifikaten, die diese für die Produkte des Werkes bescheinigen. Der 37-Jährige ist gebürtiger Sachse und seit Oktober 2015 Chef der Spreeback GmbH in Krieschow.

Ein junges Führungsteam steht ihm zur Seite, das auch die RUNDSCHAU-Leser auf ihrer Sommertour sachkundig zu führen weiß.

Seit 2013 gehört das vorher mittelständige Unternehmen zur Intersnack-Gruppe, einer der größten Hersteller von Salzsnacks in Europa. ",Gemeinsam brezeln' ist der Slogan der rund 220 Mitarbeiter in Krieschow", verrät Salomon. Hier wird vor allem Salzgebäck hergestellt, das in den Regalen der Supermärkte zu finden ist. Knusprige Brezeln, Sticks und Cracker, auch in XXL-Größen. Immerhin 150 verschiedene Artikel", betont der Technische Leiter, Andreas Frost.

Viele der Besucher wissen auch: Der Lausitzer Salzgebäckhersteller hat eine süße Vorgeschichte. "Die Ursprünge liegen in Burg, wo in den 1920er-Jahren Baumkuchen entstanden", erzählt der Werkleiter. Später waren Kekse von Naco und Konsü aus Cottbus im Osten Deutschlands ein Begriff. Auch unter den Sommertour-Gästen sind nicht wenige dabei, die sich daran erinnern und schauen wollen, wie es heute aussieht. Wie die 65-jährige Cottbuserin Gudrun Gussor, die 15 Jahre bei Naco gearbeitet hat und als Technologin dort eine der letzten Anlagen mit installiert hatte. Es war eine Anlage für Laugengebäck aus dem Westen, und sie wanderte mit nach Krieschow, als dort Mitte der 90er-Jahre das neue Werk gebaut wurde.

Nach der Insolvenz im Jahr 2001 stellt das Unternehmen nur noch gesalzenes Gebäck her. 40 bis 50 Tonnen an einem Tag. Wie, davon können sich die 20 Sommertour-Besucher augenscheinlich überzeugen. Moderne Anlagen haben mühselige Handarbeit weitgehend ersetzt. Mehl, Wasser und Fett verbinden sich automatisch an der Backanlage, mitunter mit anderen Komponenten wie Sesam, Mohn oder Kümmel gemischt. Der Teig, dessen Gärung durch Eis gebremst wird, damit das fertige Gebäck später schön glänzt, wie Andreas Frost erklärt, gerät auf ein Gitterband, einer Nudelpresse ähnlich. Auf acht Backlinien entfalten sich ganz unterschiedliche Formen. Salz obendrauf. Fertig, ab auf Endlosbändern in die Backöfen, die rund um die Uhr tüchtig einheizen. Ein paar Schritte weiter können schon knusperfrische warme Brezeln verkostet werden.

Auch die Verpackungen in verschiedenen Ausführungen laufen automatisch. "Früher bei Konsü haben wir noch die Kekse mit der Hand verpackt", ist eine Cottbuserin beeindruckt. Über den Metalldetektor, den die verpackten Knabbereien passieren müssen, wundert sich keiner. Darüber, dass auf den Verpackungen nichts von Spreeback zu lesen ist, schon.

Stimmen

Hartmut Galow (66), Cottbus: Das war wirklich sehenswert. Ich war schon bei einer anderen Sommertour dabei.

Ich habe 35 Jahre im Bergbau gearbeitet. Und man lernt immer etwas dazu. Beim Salzstangen-Knabbern werde ich mich daran erinnern.

Tim Handröck (11) Laubst: Ich habe diese Sommertour in der RUNDSCHAU entdeckt und freue mich, dass ich sie gemeinsam mit meiner Mutti gemacht habe. Das war wissenswert. Ich habe viel gelernt über die Produktion und könnte mir sogar vorstellen, hier zu arbeiten. Als Verkoster bin ich schon ganz gut.

Jutta Galow (63), Cottbus: Ich habe bei Konsü als Qualitätskontrolleurin gearbeitet. Deshalb hat mich die Tour ganz besonders interessiert. Da hat sich doch inzwischen einiges entwickelt. Ich habe auch ehemalige Kollegen getroffen. Gut, dass die RUNDSCHAU solche Touren organisiert.