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| 01:25 Uhr

Auf Spurensuche jenseits der Neiße

Polnische und Cottbuser Schüler wollen sich in der kommenden Woche gemeinsam im Wendischen Museum mit Leben und Werk von Carlo Noack vertraut machen. Noack (1873 bis 1959) war einer der bedeutendsten Cottbuser Künstler und wichtigster Vertreter der sorbischen/wendischen Heimatkunst des 20. Jahrhunderts. Bis zum August werden die jungen Polen dann in Tuplice (Teuplitz), wo der Maler als Lehrer gearbeitet hat, nach Spuren seines Wirkens suchen. Die Ergebnisse sollen in eine dreisprachige Internetseite münden, die am Niedersorbischen Gymnasium entsteht. Von Ulrike Elsner

„Beteiligt sind an dem mit Mitteln der Euroregion geförderten Projekt etwa 40 Grundschüler aus Trzebiel, die freundschaftliche Kontakte zur Grundschule Sielow unterhalten“ , erklärt Maria Elikowska-Winkler, Leiterin der Schule für Niedersorbische Sprache und Kultur. Auch Sielower Schüler arbeiteten am Projekt mit, ebenso Mädchen und Jungen der Erich-Kästner-Grundschule Cottbus und der Grundschule Burg.
„Carlo Noack ist in Lieske bei Welzow geboren und stammt aus einer sorbischen/wendischen Familie“ , ist im Wendischen Museum zu erfahren. Sein Vater war Kantor. Nach Abschluss der Schule absolvierte er in Altdöbern das Lehrerseminar. Seine erste Arbeitsstelle von 1895 bis 1898 war Tuplice. Es folgte ein Kunststudium in Kassel und Berlin.
Einige Zeit habe er auch am Realgymnasium in Krosno (Crossen) unterrichtet. „Sein erstes Aquarell aus dem Jahre 1909 trägt den Titel ,See bei Crossen'“ , erklärt Christina Kliem, Kuratorin des Wendischen Museums. Für das Weiterschreiben seiner Biografie sei es wichtig, zu Stationen seines Lebenslaufes auf polnischer Seite zu forschen.
Nach seiner Zeit in Krosno habe Carlo Noack rund 40 Jahre am Cottbuser Friedrich-Wilhelm-Gymnasium (heute Erich-Kästner-Grundschule) gewirkt. „Sein Verdienst dieser Jahre war unter anderem die Mitbegründung des ersten Cottbuser Kunstvereins“ , so Christina Kliem. „Er war auch an der Entstehung der Cottbuser Blechensammlung in den 20er-Jahren maßgeblich beteiligt.“
Im zweiten Teil des Projekts sei eine Zusammenkunft in einer polnischen Schule geplant. Zur Wahl, so Maria Elikowska-Winkler, stünden Tuplice, Trzebiel und Zary. Dort sollen die Recherche-Ergebnisse aus dem Archiv in Zary, von Wirkungsstätten des Malers, Museen und Bibliotheken zusammengetragen werden.
Anliegen des Unternehmens sei es, erklärte die Schulleiterin, „die polnische und sorbische/wendische Jugend auf gemeinsame Wurzeln zu verweisen und einander näherzubringen“ . Durch selbstständige Recherchen und Verarbeitung der Informationen würden Können und Kreativität für das gemeinsame Europa gefordert. Der Veranstalter, die Schule für Niedersorbische Sprache und Kultur, nutze diese Möglichkeit, um „Wissen um die Sorben/Wenden, ihre Kultur und Geschichte beidseits von Oder und Neiße zu verbreiten und so zur Stärkung der Identität dieser Region beizutragen“ .