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Auf leisen Rädern durch Europa

Überzeugte Eloktromobil-Fahrer bei ihrem Zwischenstopp an der BTU. Viele von ihnen waren auch in den Vorjahren schon auf Europatour.
Überzeugte Eloktromobil-Fahrer bei ihrem Zwischenstopp an der BTU. Viele von ihnen waren auch in den Vorjahren schon auf Europatour. FOTO: BTU
Cottbus. Jedes ankommende Auto wird bejubelt wie ein Sieger, dabei sieht man die Fahrzeuge eher, als man sie hört: Zehn Teams der längsten Elektromobiltour Europas machten gestern Halt an der BTU Cottbus-Senftenberg. Andrea Hilscher

Sie waren die Ersten beim Ladestopp an der BTU: Stefan Krüger kletterte gut gelaunt aus seinem Elektro-Auto, einem Renault Zoe, und dockte routiniert an der Ladestation an. Sein Sohn und sein Vater assistierten ihm und gerieten schnell mit neugierigen Zuschauern ins Fachsimpeln. "Ich bin überzeugter E-Fahrer", erzählt der Baden-Württemberger Krüger. Seit 18 Monaten ist er im Großraum Stuttgart mit dem Renault unterwegs. "Inzwischen haben wir 40 000 Kilometer auf dem Tacho und sind absolut zufrieden." Das "Herrenauto" der Familie, ein konventioneller Benziner, steht fast ungenutzt in der Garage.

Auch Sohn Malte Valentin Krüger (14) ist vom E-Car begeistert. Neugier hat ihn dazu gebracht, seinen Vater auf der Tour durch Europa zu begleiten. "Das ist schließlich die Zukunft meiner Generation, da will ich wissen, worauf ich mich einstellen kann." Morgens ist das Drei-Generationen-Team in Berlin gestartet, will weiter über Dresden nach Prag. Alle 120 bis 160 Kilometer muss das Auto an die Steckdose, ein Stündchen nachladen.

"Als wir die erste Europarallye mit Elektromobilen organisiert haben, mussten wir noch viel improvisieren, erinnert sich Werner Hillebrand. "Damals gab es an der Strecke noch nicht genügend Ladestationen." Heute ist das Netz dichter gespannt. Im Großraum Berlin-Brandenburg gibt es 300 Stationen, innerhalb der Energieregion Lausitz 83.

Mit Kosten von rund drei Euro für hundert Kilometer müssen E-Fahrer rechnen, bezahlt wird über verschiedene Karten- und Abrechnungssysteme. "Aber meistens laden die Fahrer ohnehin nachts in der Garage", sagt Werner Hillebrand.

Ziel der "eTourEurope" ist es nach seinen Worten, das Elek troauto ins Gespräch zu bringen und zu zeigen, wie zuverlässig und alltagstauglich es ist. In diesem Jahr nehmen 15 Teams aus Europa und Asien teil, zehn Teams haben auf Einladung der Energieregion Lausitz in Cottbus "nachgetankt". Die längste Elektromobilrallye Europas, die "eTourEurope", macht bereits zum dritten Mal in der Energieregion Lausitz halt.

Der Startschuss ist am 29. April in München gefallen. In neun Tagen durchqueren die Fahrer neun europäische Hauptstädte und legen dabei 4000 Kilometer zurück - alles rein elektrisch. Am 8. Mai findet die Tour ihren Abschluss in Salzburg. "Wir freuen uns wieder ein aktiver Teil der Tour zu sein", so Siegurd Heinze, Sprecher der Energieregion Lausitz. "Mit dem Ladestopp am Campus wird die Aufmerksamkeit auf unsere Region gelenkt, was auch einen Impuls für die Entwicklung der hiesigen Elektromobilität setzt." Einer, der mit besonders großer Neugier auf die Teilnehmer der Tour wartet, ist Prof. Harald Schwarz vom Lehrstuhl Energieverteilung und Hochspannungstechnik. Er erklärte neugierigen Besuchern, wie das Projekt "Smart Capital Region" funktioniert, in dem Elektroautos als steuerbare Verbraucher zum Einsatz kommen.

"So können zum Beispiel regenerative Stromüberschüsse aus dem Netz genommen und Selbiges entlastet werden", sagt Schwarz. "Das ist gerade für unsere Region wichtig, denn schon heute hat in einigen Netzgebieten Brandenburgs der Anteil an regenerativer Energie hundert Prozent der Stromabnahme erreicht."

Zum Thema:
Im Projekt "Smart Capital Region" zeigt die BTU, wie regenerative Überschüsse aus Brandenburg in der Hauptstadtregion genutzt werden können. Dazu werden verschiedene Stromerzeuger, -speicher und -verbraucher aus ganz Berlin und Brandenburg messtechnisch erfasst und ausgewertet. Diese Daten werden anschließend im Besucherzentrum Intelligente Energie Netze (BIENe) auf dem Zentralcampus veranschaulicht.

Adrian und Jana Krajnak aus Slowakien freuten sich über die Begeisterung, die ihr Kommen in Cottbus auslöste.
Adrian und Jana Krajnak aus Slowakien freuten sich über die Begeisterung, die ihr Kommen in Cottbus auslöste. FOTO: hil