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Auf dem Weg zur digitalen Stadt

In der digitalen Stadt wird das Thema Telemedizin immer wichtiger: So sollen künftig Menschen mit eingeschränkter Mobilität regelmäßig per Computer medizinische Daten – etwa die Blutdruckwerte – direkt an ihren behandelnden Arzt schicken können.
In der digitalen Stadt wird das Thema Telemedizin immer wichtiger: So sollen künftig Menschen mit eingeschränkter Mobilität regelmäßig per Computer medizinische Daten – etwa die Blutdruckwerte – direkt an ihren behandelnden Arzt schicken können. FOTO: dpa
Cottbus. Investitionen der privaten Wirtschaft in zweistelliger Millionenhöhe locken. Cottbus könnte Vorreiter bei der intelligenten, digitalen Stadtentwicklung sein und Modellstadt werden. Mit diesen Aussichten bewirbt sich Cottbus: Sven Hering

Ein intelligentes, sensorgestütztes Parkleitsystem zeigt dem Autofahrer an, wo es noch freie Abstellmöglichkeiten in der Stadt gibt. Bus und Straßenbahn sind komplett miteinander vernetzt. Die Schüler lernen mithilfe von Tablets. Alle Klassenzimmer verfügen über elektronische Tafeln und natürlich Wlan.

Das sind nur einige der Beispiele, die im Rahmen des Wettbewerbs "Digitale Stadt" realisiert werden könnten. Der Digitalverband Bitkom hat in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Städte- und Gemeindebund die Aktion ins Leben gerufen. Beteiligen können sich Städte mit 100 000 bis 150 000 Einwohnern, die über eine gute Verkehrsanbindung und eine Hochschule in der näheren Umgebung verfügen. In der Gewinner-Stadt sollen ab Anfang 2018 wichtige Infrastrukturen in den Bereichen Mobilität, Energie, Gesundheit und Bildung mit neuesten digitalen Technologien ausgestattet werden. Zudem soll die öffentliche Verwaltung innovative Online-Anwendungen anbieten und der Handel intelligente Lieferdienste. Die Bitkom und namhafte Unternehmen haben für die Realisierung dieses Projektes Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe in Aussicht gestellt.

Cottbus hat gute Karten. Davon ist Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) nach ersten Beratungen mit wichtigen Partnern wie Uni, IHK, Handwerkskammer, Unternehmerverband oder Stadtwerken überzeugt. Diese seien sehr konstruktiv und offen verlaufen. Jetzt gehe es darum, eine überzeugende Bewerbung auf den Weg zu bringen. Das muss bis zum 15. März erfolgen. Bis 31. März trifft der Veranstalter des Wettbewerbs eine Vorauswahl. Drei bis fünf Städte werden dann noch im Rennen verbleiben. Am 13. Juni schließlich soll die Gewinnerstadt bekanntgegeben werden.

Cottbus als digitale Modellstadt? "Wir hoffen dabei auf Firmen, die die Stadt pushen", betont der Oberbürgermeister. Prof. Dr. Christiane Hipp, Vizepräsidentin für Forschung an der BTU, verweist auf den Ausstrahlungseffekt. Das Werben um neue Studenten würde erleichtert. Für neue Firmen, die sogenannten Startups, gäbe es stärkere Anreize, sich in Cottbus niederzulassen.

Für die Bewerbung sind mehrere Handlungsfelder definiert worden. Hier einige Beispiele: Bildung: Dabei geht es um eine neue Kultur des vernetzten Lernens. Schüler messen sich zum Beispiel in Kreativwettbewerben für die spannendste App. Datenplattform: Schon heute gibt es ein Kommunales Rechenzentrum, in dem alle wesentlichen IT-Prozesse, welche die Stadt Cottbus und andere Kommunen des Landes benötigen, erbracht werden. Das Universitätsrechenzentrum versorgt Forschung, Studium, Lehre, Weiterbildung und Verwaltung sowie auf dem Campus tätige Firmen mit Dienstleistungen der Informations- und Kommunikationstechnik. Auch LWG und Stadtwerke betreiben eigene Rechenzentren. Denkbar wäre eine Vernetzung dieser Systeme. Energie & Umwelt: Der BTU ist es in der digitalen Stadt gelungen, die Probleme zu lösen, die bei Speicherung und Transport von Energie bestanden. Hohe Wirkungsgrade bei der Erzeugung von Strom aus Wind und Sonne haben die erneuerbaren Energien nicht nur ökologisch zum Erfolgsmodell werden lassen sondern auch ökonomisch.

Der Autoverkehr ist elektrisch. E-Mobile auf den Straßen sind Standard, auch bei Bussen und Nutzfahrzeugen. Gesundheit: Es besteht die Möglichkeit, sich bequem von zu Hause aus mit telemedizinischen Verbindungen ärztlich beraten zu lassen und entsprechend der Empfehlung direkt beim Hausarzt oder Spezialisten online einen Termin zu buchen. Smarte Textilien helfen über Biofeedbackfunktionen mehr über den eigenen Zustand des Körpers zu lernen und so auch bei Schmerzen selbst aktiv zu werden. Verwaltung: In der digitalen Stadt Cottbus sorgt ein persönliches digitales Bürgerkonto, mit dem jeder Bürger Zugriff auf seine Stammdaten, Dokumente und Bescheide hat dafür, dass Wege zur Behörde entfallen. Unterschriften werden digital autorisiert und digitale Signaturen halten zunehmend Einzug im Behördenalltag. Sei es die Anmeldung eines neuen Einwohners, eines neuen Autos oder die Meldung eines Umzugs - alles klappt per Mausklick. Das alles ist nur ein Auszug. Weitere Vorschläge sind gefragt. Diese können bis zum 28. Februar bei der Stadtverwaltung oder der BTU eingereicht werden. Holger Kelch ist überzeugt von der "visionären Kraft" des Projektes. Die Stadt werde selbst dann profitieren, wenn es am Ende nicht für den Zuschlag reiche. Die in den nächsten Wochen gesammelten Ideen sollen jedenfalls nicht in irgendeiner Schublade verschwinden.

Kontakt: Stadtverwaltung Cottbus, Peter Schirrgott, Tel.: 0355 612-2822. BTU, Dr. Astrid Böger, Mobil: 0151-54766553. E-Mail-Adresse: digitalestadt@cottbus.de

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