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| 15:33 Uhr

Cottbus früher und heute
Romantisches Ärztehaus

 Das Haus mit der Augenklinik auf der historischen Postkarte.
Das Haus mit der Augenklinik auf der historischen Postkarte. FOTO: Sammlung Krause
Cottbus. Stadthistorikerin Dora Liersch erzählt die Geschichte der ehemaligen Augenklinik von Sanitätsrat Dr. Cramer in der Feld- / Thiemstraße 41 anhand einer Postkarte aus der Sammlung von Hans Krause.

Ein schlichtes mehrstöckiges Gebäude, dessen Zierde der ziegelsichtige Haussockel und die ebensolchen Fensterumrahmungen darstellen, wie auch der leichte Vorbau (Risalit) des Eingangsbereiches mit dem betonten Giebel. Interessant dabei ist das ausgebaute Dachgeschoss, das mit den roten Dachziegeln mit dem Rot der Mauersteine des Erdgeschosses harmonisiert. Zu dem Haus, das von der Baufirma Hermann Pabel & Co. entworfen und in den Jahren 1907/1908 in der damaligen Feldstraße 41 errichtet wurde, gehörte ein größerer Garten. Nördlich des Zuganges zum Haus standen Obstbäume, darunter Schatten vertragende Kulturen, südlich befanden sich die Gemüsebeete und natürlich durften Blumen nicht fehlen. Einige Laubbäume standen direkt vor dem Haus. Dieser gepflegte Garten war ein Vorgarten, das Haus selbst stand also im Hintergrund.

Auf der alten Ansichtskarte steht „Gruß aus Cottbus Augenklinik des Sanitätsrat Dr. Cramer“. Dr. Cramer war 1859 in Minden in Westfalen geboren und hatte 1887 in Schwerin geheiratet. Über seinen Werdegang ist bisher nichts bekannt. In den Cottbuser Adressbüchern wird Dr. med. Ehrenfried Cramer im Jahre 1893 erstmals und 1895 als Augenarzt genannt. Seine Praxisräume hatte der Augenarzt mit seiner Wohnung zusammen in der Kaiser-Friedrich-Straße 129 (heute Karl-Liebknecht-Straße 129). Natürlich erhoffte sich der tüchtige Augenarzt eine eigene Klinik, um die Patienten umfangreicher und länger betreuen zu können. Räumlichkeiten für eine eigene Klinik fand der Augenarzt zunächst im Gebäude der Evangelischen Diakonissenanstalt, Feldstraße 124 (spätere Bezeichnung Thiemstraße 124/Ecke Finsterwalder Straße). Als das Gebäude in der Feldstraße 41 fertig war, erwarb Dr. Cramer das Haus und richtete sich seine Augenklinik darin ein. Eine Diakonisse, eine Dienstfrau und ein Arbeiter fanden im Hause ihre Arbeit und Unterkunft, außer den zu betreuenden Patienten. Dr. Cramer selber war inzwischen mit seiner Familie und seiner Praxis, wo er die Arztsprechstunden abhielt, in die Spremberger Straße 34 und noch vor 1913 in die Bahnhofstraße 56a umgezogen. Die Cramersche Augenklinik bestand als Privatklinik bis 1923. In dem Jahre verhandelte Dr. Cramer mit dem Cottbuser Krankenhaus, um seine Klinik mit dem Krankenhaus zu vereinen, was auch geschah. Das Krankenhaus übernahm die Privatklinikpatienten zur weiteren Betreuung und Dr. Cramer arbeitete neben seiner Privatpraxis auch als Facharzt der Augenheilkunde am Krankenhaus. Das Haus Thiemstraße 41 wurde zu Mietwohnungen umgebaut. Dr. Cramer erhielt den Titel Geheimer Sanitätsrat verliehen. Er war an der Entwicklung der Stadt Cottbus sehr interessiert und war von 1908 bis 1919 Stadtverordneter. Im Ersten Weltkrieg war er Oberstabsarzt und leitete in Cottbus das Reservelazarett. Dr. Cramer gehörte dem Niederlausitzer Ärzteverein an und leitete diesen ab 1919. Selbstverständlich gehörte er auch zur Vereinigung der Ärzte des Stadt- und Landkreises Cottbus.

 Und so sieht das Gebäude heute aus.
Und so sieht das Gebäude heute aus. FOTO: Dora Liersch

Bis zu seinem Lebensende war er als hervorragender und beliebter Arzt in seinem Beruf tätig. Am 8. September 1929 verstarb der Geheime Sanitätsrat Dr. Ehrenfried Cramer. Die Cottbuser Zeitungen veröffentlichten viele Todesanzeigen, in denen an den Arzt und Menschen erinnert wurde. Seine Privatpraxis in der Bahnhofstraße wurde durch einen Vertreter vorübergehend weiter geführt. Seine Witwe löste dann die Praxis und die Wohnung auf und zog in das eigene Haus, in die ehemalige Augenklinik Thiemstraße 41. Das Haus ist zwar bei dem Bombenangriff am 15. Februar 1945 beschädigt worden, aber es war stehen geblieben. Einige Laubbäume versteckten das Gebäude, sodass es nicht gleich gesehen werden konnte. Heute sieht das Haus wieder wie neu aus. Allerdings gibt es den prächtigen Vorgarten nicht mehr, er musste benötigten Parkflächen weichen.

Nach der zwischenzeitlichen Nutzung der Thiemstraße 41 als Wohnhaus, ist nun überwiegend ein Büro- und Geschäftshaus daraus geworden.