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| 18:30 Uhr

Valentinstag
Auch die Liebe muss mal in die Werkstatt

Wenn es Streit gibt in der Beziehung brauchen die Partner manchmal Hilfe.
Wenn es Streit gibt in der Beziehung brauchen die Partner manchmal Hilfe. FOTO: Fotolia
Cottbus. Heute ist Valentinstag, Tag der Verliebten, Tag der Paare. Doch was tun, wenn die Beziehung nicht so rosig ist, wie sie sein soll. Eine Paartherapeutin weiß Rat. Von Bodo Baumert

Bei Frisch-Verliebten ist die Welt noch rosa-rot. Der neue Partner ist aufregend, jede Eigenart interessant. Man will jede Minute mit ihm verbringen, ihn gar nicht mehr loslassen.

Das bleibt aber nicht immer so. Wenn aus Verliebtsein Partnerschaft wird, wachsen die Erwartungen, die Schwierigkeiten – und manchmal auch die Probleme.

FOTO: privat

Sie ist immer so nachtragend, er nicht so einfühlsam, wie er oder sie es sich erhofft. „Unser Bild von Partnerschaft hat sich gewandelt“, sagt Paartherapeutin Manuela Werner. Männlein, Weiblein, auf ewig verheiratet – das ist nur noch eine von zahllosen Möglichkeiten, wie Partnerschaft aussehen kann. „Uns fehlen die Vorbilder. Wir wollen nicht so sein, wie unsere Eltern, greifen aber trotzdem auf bekannte Muster zurück.“

Dass es dabei zu Problemen kommt, sei keine Schande, versichert die Paartherapeutin. Wichtig sei nur, dass sich die Paare Hilfe suchen, wenn es zu Streit und Missverständnissen kommt. „Wenn das Auto kaputt geht, fahren wir selbstverständlich in die Werkstatt. Wenn eine Beziehung leidet, denken wir: Wenn wir uns genug lieben, bekommen wir das schon hin“, sagt Manuela Werner.

Eine erwachsene Partnerschaft sei aber etwas anderes als Verliebtsein. Und auch eine Beziehung brauche mal Hilfe. „In Berlin ist man da weiter. Hier sind wir oft noch nicht so weit“, fügt die Therapeutin bedauernd hinzu.

Dabei sei es gar nicht schlimm, sich Hilfe zu suchen. Den meisten Paaren, die bei ihr in der Beratungsstelle der Caritas in Cottbus landen, kann Manuela Werner mit zwei bis vier Treffen helfen. Oft geht es darum, Missverständnisse zu klären, Kommunikation zu überdenken, Verhaltensweisen zu hinterfragen. Manuela Werner greift zum Schwert, um zu verdeutlichen, was sie meint. Die Spitze zielt auf meine Brust. „Das ist der Vorwurf. Den spüren wir“, sagt sie.

Wichtig sei es aber, ans andere Ende des Schwertes zu blicken. Dort ist eine Hand, die vielleicht gar nicht verletzen will. „Ein Vorwurf ist oft nur eine ärgerlich formulierte Bitte“, erklärt Manuela Werner. Wenn man es schaffe, den Ärger vorbeigehen zu lassen, könne man das eigentliche Anliegen erkennen – und statt eines Streits eine Lösung finden.  Junge Paare sind oft aufgeschlossener, hat die Beraterin festgestellt. Sie trauen sich auch in Cottbus immer häufiger in die Beratung. Wenn aus Verliebtsein eine Beziehung wird, sei das meist die erste Hürde, die es zu überwinden gilt. Partnerschaft braucht dann Regeln, Absprachen. Zu hoffen, der Partner könne einem jeden Wunsch von den Augen ablesen, führe nicht zum Ziel. Einen ganz praktischen Tipp für den Valentinstag hat Manuela Werner auch parat: „Wenn Sie sich Blumen wünschen, sollten Sie das Ihrem Partner sagen.“ Wer hingegen den ganzen Kommerz rund um den Valentinstag ablehnt, sollte auch darüber reden

Denn auch im späteren Verlauf einer Beziehung lauern Hindernisse: wenn die Kinder geboren werden und aus Partnerschaft eine stressige Elternzeit wird, wenn die Kinder das Haus verlassen und das leere Nest übrig bleibt, wenn die Partner in Rente gehen und plötzlich mehr Zeit füreinander haben, als sie vielleicht wollten. Reden hilft, in all diesen Phasen. Miteinander reden – und wenn das nicht klappt, mit einem Dritten, der professionelle Hilfe geben kann. Psychotherapeutin, Paarberater, Beratungsstellen – auch in der Lausitz gibt es zahlreiche Angebote.

Manchmal kann ein solcher Helfer auch Übersetzer sein. Denn auch das Zuhören will in einer Partnerschaft gelernt sein. Sie sagt beispielsweise: Mit ist kalt. Er rennt los und dreht die Heizung auf. „Die sachliche Botschaft hat er verstanden. Aber vielleicht gab es ja auch eine emotionale Botschaft. Sie hat sich gewünscht, dass er näher an sie heranrückt“, gibt Manuela Werner zu bedenken. In solchen Situationen helfe es allerdings auch, ein wenig Gelassenheit und Humor an den Tag zu legen – auf beiden Seiten.

Und noch einen Tipp für den Valentinstag hält sie bereit: Vielleicht wäre es mal wieder Zeit, dem Partner zu zeigen und zu sagen, was man für ihn empfindet. Routine sei eine häufige Unfallursache in der Beziehung.  Wer dem Partner zeigen will, wie wichtig er ist, sollte ihm Zeit schenken, ihn respektieren und bereit sein, auf seine Bedürfnisse einzugehen – vielleicht auch dadurch, dass man sich bereit erklärt, Hilfe zu suchen, wenn es wieder einmal kriselt.