(hil) Mit Hochdruck sucht die Polizei nach dem Täter, der in der Silvesternacht einen jungen Mann an Stadtbrunnen mit mehreren Messerstichen verletzt hat .

„Wir haben am Mittwoch versucht, vor Ort so viele Spuren wie möglich zu sichern“, sagt Polizeisprecher Ralph Meier. Eine eigens gegründete Ermittlungsgruppe der Kriminalpolizei sucht mit Hochdruck nach Hinweisen – bisher stützt sich die Polizei auf eine einzige Zeugenaussage, die den Täter als „Mann mit südländischem Aussehen“ beschreibt. „Daher sind wir mit unserem Zeugenaufruf sehr schnell an die Öffentlichkeit gegangen“, so Meier. Man wolle damit auch Besucher ansprechen, die nur kurz in Cottbus gewesen sind und die Stadt möglicherweise schnell wieder verlassen.

Bisher, so die Auskunft der Polizei, sei das Opfer der Attacke nicht vernehmungsfähig. Der Mann (28) hatte in der Silvesternacht offenbar versucht, einen Streit zu schlichten. Zunächst sei ihm das auch gelungen. Dann aber, so die Polizei, sei die Stimmung urplötzlich umgeschlagen. Der Mann sei, von mehreren Stichen verletzt, auf den Boden gesunken. Er wurde unverzüglich ins Carl-Thiem-Klinikum eingeliefert und wird dort seitdem stationär betreut. Zu seinem Gesundheitszustand wollte sich das Klinikum mit Verweis auf die ärztliche Schweigepflicht nicht äußern.

Unterdessen wird die Stadt Cottbus im Internet heftig wegen einer Stellungnahme zu dem Vorfall kritisiert. In der Pressemitteilung hatte Stadtsprecher Jan Gloßmann zunächst von einem „Gastrecht“ gesprochen, das Flüchtlinge in Cottbus genießen. Ein derartiges Gastrecht aber gibt es nicht: Das Asylrecht ist in der deutschen Verfassung verankert. In der Mitteilung ist weiter davon die Rede, dass straffällig gewordenen Ausländer klargemacht würde, „dass er oder sie ein Ticket in die Heimat zu lösen haben“. Das Image der Stadt solle nicht durch „Typen“ beschädigt werden, „die sich nicht benehmen können“.

In diversen Internetforen werden dem Stadtsprecher Rechtslastigkeit und Populismus vorgeworfen. Andere Leser unterstützen die Art und den Inhalt der Pressemitteilung ausdrücklich. Jan Gloßmann sagte dazu gegenüber der RUNDSCHAU: „Ich stehe zu dieser Erklärung, auch zu der teils drastischen Wortwahl.“ Er habe sich auf ein drastisches Ereignis bezogen. „Und Flüchtlinge sind, unabhängig von der juristischen Bewertung und ihrem jeweiligen Status, im weitesten Sinne auch zu Gast bei uns.“

Welche Konsequenzen die Stadt aus dem Vorfall zieht, sei noch offen. „Wir werden in den nächsten Tagen darüber reden, im Falle einer möglichen Einführung einer Waffenverbotszone auch mit dem Land“, so Gloßmann. Wichtig sei es, den Täter zu identifizieren. „Wir müssen  wissen, ob es tatsächlich ein Ausländer war und welchen Aufenthaltsstatus er hat.“

Update: Die Polizei hat inzwischen auf massive öffentliche Kritik reagiert, weil sie in einem ersten Pressebericht nach einem „unbekannten Ausländer“ gesucht hatte. Jetzt verbreitete die Polizei über Twitter: „Wir stellen uns entschieden gegen Rassismus! Für die unglückliche Formulierung entschuldigen wir uns. Laut Zeugenaussage wurde das Aussehen eines Tatverdächtigen lediglich als "südländisch" beschrieben.“

Die Stadt hat ebenfalls eine Mitteilung veröffentlicht: „Grundsätzlich wollen wir klarstellen, dass wir gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit in unserer Stadt sind. Jeder, der in unserer Stadt leben möchte, soll sich hier wohl und aufgenommen fühlen. Aber wir verurteilen auch jede Gewalttat, unabhängig davon, wer als Tatverdächtiger ermittelt wird. Jeder, der Gesetze missachtet und Straftaten begeht – ganz gleich welcher Herkunft - muss entsprechend die rechtlichen Konsequenzen in Kauf nehmen.“