ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 13:59 Uhr

Leihgaben für die Artothek
Bilder mit Seele und erstaunliche Verwandlungen

Thomas Richert (l.) mit „Tanzstunden mitternachts“ und Steffen Mertens mit „Archäologische Bestandsaufnahme einer Bücherwurmpopulation“.
Thomas Richert (l.) mit „Tanzstunden mitternachts“ und Steffen Mertens mit „Archäologische Bestandsaufnahme einer Bücherwurmpopulation“. FOTO: Elsner / LR
Cottbus. Leihgaben des Bildhauers Steffen Mertens und des Fotografen Thomas Richert bereichern die Artothek.

Frisch Gerahmtes für die Artothek haben Bibliotheksleiterin Anette Korneck und Mitarbeiterin Uta Jacob in dieser Woche vorgestellt. Der Bildhauer und Zeichner Steffen Mertens und der Fotograf Thomas Richert haben der Artothek in der Stadt- und Regionalbibliothek insgesamt acht Kunstwerke als Leihgaben zur Verfügung gestellt. Die kann sich ab sofort jeder zu Hause übers Sofa hängen. „Damit bereichern beide Künstler auf Zeit die Sammlung mit Arbeiten, die bestens zu einer Bibliothek passen“, stellt Uta Jacob fest.

Steffen Mertens ist unter anderem mit dem Objekt „Bibliophile Ausgrabung“ aus dem Jahr 2004 vertreten. „Ausgangspunkt war eigentlich ein Entsorgungsproblem“ erinnert sich der Künstler. Zeitungen stapelten sich und wurden zum Ausgangsstoff  für Papiermaschee. Dabei entstand Erstaunliches. Steffen Mertens: „Das zum Aufreger neigende Material Zeitung wird plötzlich zur Meditationstafel. Und bei „Naturpapier, unbeschreiblich“ aus dem Jahr 2016 wird aus Zellulose ein überaus schönes, fast plastisches Objekt.

Einer der seltenen Ankäufe für die Artothek ermöglicht den ständigen Verleih eines weiteren Buchobjektes mit Augenzwinkern, der „Archäologischen Bestandsaufnahme einer Bücherwurmpopulation“ aus dem Jahr 2017. Mit Holzbüchern habe er begonnen, so Mertens, als die erste Pisastudie den Deutschen große Schwächen beim Lesen bescheinigt hat. Die Idee dahinter war, eine Bibliothek zu bauen, durch die jeder seine Gäste führen kann, ohne jemals etwas lesen zu müssen. „Doch das schlug beim Machen um“, erinnert sich der Künstler. Aus der Satire wurde etwas sehr Anrührendes.

Thomas Richert, der sich in Cottbus unter anderem als Filmfestival-Manager, Galerist und „Hermann“-Chefredakteur einen Namen gemacht hat, hat sich vor fünf Jahren der künstlerischen Fotografie zugewandt. Sein Interesse dafür sei schon im Alter von zehn Jahren in der AG Foto der Station Junger Naturforscher geweckt worden, gesteht der 44-Jährige.

Richert hat unter anderem analog fotografierte und per Hand abgezogene Schwarz/Weiß-Fotografien ausgewählt, die für den Gedicht-Fotografie-Band „Tanzstunden mitternachts“ entstanden sind, den er gemeinsam mit dem Lyriker Steve Sabor im vergangenen Jahr veröffentlicht hat. Das Buch ist ebenfalls im Bibliotheksbestand zu finden.

Aufgenommen hat Richert die Bilder mit einer Mittelformatkamera, einer 40 Jahre alten Hasselblad, die nur zwölf Aufnahmen pro Film ermöglicht. „Im Gegensatz zur Digitalkamera habe ich nur einen Versuch“, sagt  der Fotograf, „das fokussiert und macht die Freude beim Entwickeln umso größer.“

Auf die Frage nach der besonderen Qualität der Analogfotos gerät Thomas Richert ins Schwärmen: „Das Schwarz ist ein Schwarz, das Weiß ist ein Weiß. Die Bilder haben eine Seele.“ Handarbeit eben.

Berührt ist auch der Betrachter. „Man  hat das Gefühl, man könnte gleich in den Schuh hineinschlüpfen“, sagt Anette Kornek beim Betrachten des Bildes zum Gedicht, das dem Buch den Titel gab.

Uta Jacob hat sowohl in den Arbeitsmethoden beider Künstler als auch im Prinzip, das der Artothek zugrunde liegt, „ein Zukunftsdenken“ ausgemacht. Dazu gehöre auch, mal einen Schritt zurückzugehen, sich auf vermeintlich vergangene Kulturtechniken zu besinnen. Und: Nicht alles besitzen zu müssen.

Wer sein Zuhause mit Original-Kunst bereichern will, muss nicht unbedingt tief in die Tasche greifen. Drei Euro pro Kunstwerk werden bei der Ausleihe fällig und das für volle zwei Monate. Wer dann noch nicht reif für einen Bilderwechsel überm Sofa ist, kann bis zu acht Monate verlängern.

Die Auswahl ist beachtlich. „Insgesamt umfasst die Sammlung jetzt 302 Arbeiten von 92 Künstlern“, berichtet Uta Jacob. Im vergangenen Jahr gab es 300 Entleihungen. „Die Renner waren Künstler der Region“, stellt die Artotheksleiterin fest: Irmhild Baron, Matthias Körner, Thomas Kläber und Günther Rechn sowie der Thüringer Gerd Mackensen.

((ue))