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Cottbus früher und heute
Architektur, Tapeten und Lacke

Kaiserhaus Ecke Dresdner StraßeFOTO: Heute: Dora Liersch - Damals: Sammlung Hans Krause
Cottbus. Heimatforscherin Dora Liersch erzählt die Geschichte von Bemmann’s Ecke, Wallstraße im Jahre 1925, basierend auf einer Ansichtskarte, die aus der Sammlung von Hans Krause stammt.

In der Lausitzer Rundschau vom 23. Oktober 2014 wurde das wunderschöne Haus Kaiserstraße 1 (heute Rudolf-Breitscheid-Straße 1) / Ecke Dresdener Straße vorgestellt mit einem Hinweis auf das 1945 zerstörte Gebäude auf der gegenüberliegenden Seite, die alte Dresdener Straße Nummer 4. Diesmal schauen wir uns die Gebäude auf der rechten Seite der Ansichtskarte etwas genauer an. Ganz rechts steht der Altbau Dresdener Straße 5 und links daneben die alte Nummer 4.

Schauen wir uns zunächst das Haus Nummer 5 an, das heute die Straße der Jugend 5 ist. Es ist ein interessantes Gebäude, welches inzwischen von der Sparkasse Spree-Neiße im Innern umgebaut worden ist. Die Hausansicht und die wunderschöne Deckendekoration im Durchgang zur Treppe sind erhalten geblieben.

Das Haus war als Mietswohnhaus mit Gewerbegebäude in den Jahren 1888 / 1889 errichtet worden. Bauherr war der Nähmaschinenfabrikant Wenzel Kos. Die Bauleitung hatte das Architektur- und Baubüro von August Patzelt.

Der Mechanikermeister Paul Winkler hatte zum Anfang des 20. Jahrhunderts die Firma von Wenzel Kos übernommen und wohnte in diesem Gebäude. Somit wurde dieses Haus auch zum Geburtshaus von Dorothea Winkler (1907 – 1997). Vater Winkler zog mit seiner größer werdenden Familie später in die Kaiser-Friedrich-Straße 10 (Karl-Liebknecht-Straße 10 – Nähmaschinen-Winkler). Diese Winklertochter hatte sich mit der Fotografie beschäftigt und vor allem in den 1920er- und 1930er-Jahren viele gute Aufnahmen von Cottbus gemacht.

Nach 1945, Cottbus war arg zerstört worden und viele Cottbuser fanden im Westen Deutschlands eine neue Heimat, war es Dorothea Winkler, die kleine Erinnerungsalben mit ihren Aufnahmen zusammen stellte und den fern der Heimat wohnenden Cottbusem zum Geschenk machte.

Im Jahre 1912 wechselte das Haus in der Dresdener Straße seinen Besitzer. Neuer Eigentümer wurde der Hofbuchdruckereibesitzer Joachim Trowitzsch. Er ließ ein Druckereigebäude auf dem Hof modernisieren und die Hausfassade neu gestalten. Im Erdgeschoss wurden Geschäfte eingerichtet und die Fenster der beiden oberen Stockwerke wurden zusammengefasst, dazu dementsprechende Ornamente, die ein wenig dem Jugendstil entlehnt worden waren. So zeigt sich die Fassade auch noch heute.

Zeitweilig war auch der Buchdruckreibesitzer Otto Enke der Hauseigentümer und die „Lausitzer Landes-Leitung“ hatte eine Zweigstelle im Haus. Noch Anfang der 1940er-Jahre etablierte sich in diesem Haus das Fotoatelier Latussek. Diese Werbung war noch bis zum letzten Umbau an der Fassade zu sehen. Das Haus war 1940 bereits in dem Besitz von Dr. Julius Schultze, dem Fabrikbesitzer aus dem Nachbarhause, der Nr. 6.

Das linke Haus, die Dresdener Straße 4, war ebenfalls ein Wohn- und Geschäftshaus. Es war etwas älter als das Haus Nummer 5 und gehörte dem Kaufmann und Drogisten Gotthilf Kuhnow. Noch vor dem Ersten Weltkrieg war eine Tapetenhandlung im Haus.

In den 1920er-Jahren hatte der Cottbuser Kaufmann Albert Ballier das Haus erworben. Er betrieb die Niederlausitzer Großhandlung für Kontorbedarf. Auch das Blumengeschäft von Paul Koppel befand sich im Hause. 1940 waren Balliers Erben die Eigentümer.

In dem großen Haus mit Hinterhaus wohnten meist 16 Mietsparteien. Ferner gab es die „Flora-Drogerie“, eine Wein- und Spirituosenhandlung, und Balliers Papierhandlung, also drei Geschäfte im Erdgeschoss. All das wurde 1945 zerstört.

Zu DDR-Zeiten ist diese Ruinenstelle neu bebaut worden. Uns in Erinnerung geblieben sind nicht nur die Wohnungen, sondern ganz besonders das Spezialgeschäft für Tapeten, Farben und Lacke, das es einst dort gab.