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| 16:17 Uhr

Archäologen legen in Cottbus Skelette frei

Archilogische Grabungen am Ostrower Platz. Legen alten Friedhof mit vielen Skelleten frei. Foto: Peggy Kompalla
Archilogische Grabungen am Ostrower Platz. Legen alten Friedhof mit vielen Skelleten frei. Foto: Peggy Kompalla FOTO: Peggy Kompalla
Cottbus. Die Arbeiten am Ostrower Platz verzögern sich um ein halbes Jahr, nachdem Teile des alten Dorffriedhofs gefunden wurden. Peggy Kompalla

Die Fachleute haben damit gerechnet, dass sie bei der Umgestaltung des Ostrower Platzes neben historischen Siedlungsresten, auch auf den alten Dorffriedhof stoßen würden. Dass die Gräber allerdings so weit reichen, überraschte sie dann doch. Für die neue Straßenentwässerung legten die Mitarbeiter der Cottbuser Firma Archäologische Baubegleitende Untersuchungen (ABBU) allein auf 35 Metern Länge bislang 110 Gräber frei. In den nächsten Wochen wird die Zahl weiter wachsen. Denn die Toten wurden in drei bis vier, in Einzelfällen sogar fünf Lagen übereinander bestattet.

Grabungsleiterin Cathérine Korluß sagt: "Das ist typisch." Sie zeigt auf ein halbes Skelett. Die Totengräber waren wenig zimperlich. Es scherte sie nicht, wenn bei ihrer Arbeit Gebeine im Weg waren. Der alte Friedhof aus dem 15. bis 19. Jahrhundert befand sich auf dem Dorfanger und wurde im Jahr 1893 eingeebnet. Dabei verschwand auch die alte St. Barbara-Kapelle. Dr. Markus Agthe vom Landesamt für Denkmalpflege zeigt eine alte Karte: Die Altstadt von Cottbus ist gut zu erkennen. Ostrow liegt vor den Toren der Stadtmauer wie eine Insel - genau das bedeutet der Name. "Das muss damals richtig romantisch gewesen sein", sagt er und lässt seinen Blick über die Baustelle mit den Steinhaufen und Rohren schweifen.

Eine neue Erkenntnis nehmen die Fachleute von den Grabungen in Ostrow mit. "In fast jedem Grab fanden sich Beigaben. Meist waren es Gefäße, die in den Fußbereich gelegt wurden", sagt Markus Agthe. "Das ist bisher so gut wie nicht beobachtet und in der Fachliteratur niedergeschrieben worden." Für Cottbus sei jedoch überliefert, dass es bis ins frühe 19. Jahrhundert hinein Leichenwäscherinnen gab. "Sie waren sogar bei der Stadt angestellt", erklärt Agthe. Die für diese Arbeit genutzten Gefäße wurden in den Haushalten nicht mehr verwendet, sondern in die Gräber gestellt. Grabungsleiterin Cathérine Korluß ergänzt: "Das waren Tassen, Schüsseln oder Teller. Aber in den Gräbern finden sich auch vereinzelt Schuh- und Kleidungsreste, Medizinfläschchen, Taschenmesser, Bürsten oder Totenkränze." Die Toten wurden in Holzsärgen bestattet. Markus Agthe geht davon aus, dass die Mehrzahl der Toten einfache Bauern waren.

Die freigelegten Gebeine werden in ihrem Fundort genau dokumentiert und schließlich geborgen. Danach gehen die Untersuchungen weiter. "Die Knochen sind für demografische Studien besonders wertvoll", erklärt die Archäologin. Sie verraten viel über die Lebensumstände der Menschen, über Krankheiten, Verletzungen, Alter sogar über ihre Ernährung. Letztendlich kommen die Gebeine ins Fundmagazin des Landesamtes für Denkmalpflege in Wünsdorf.

Die Stadtverwaltung rechnet mit bis zu einem halben Jahr Bauverzögerung. Daran haben nicht nur die Arbeiten der Archäologen einen Anteil, sondern auch die Kampfmittelexperten. Bei ihren Untersuchungen im Bereich des ehemaligen Schützengrabens war im März eine Weltkriegsbombe gefunden und gesprengt worden.