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| 19:00 Uhr

Arbeitswelt
Trotz Schmerzen ins Büro

Die Zahl der Menschen mit Rückenproblemen ist in Deutschland deutlich gestiegen.
Die Zahl der Menschen mit Rückenproblemen ist in Deutschland deutlich gestiegen. FOTO: dpa / Arno Burgi
Cottbus/Spree-Neiße. Der Gesundheitsreport der DAK zeigt: Der Krankenstand in Cottbus und Spree-Neiße steigt. Von Andrea Hilscher

Sie sind wahrhaftig keine Jammerlappen: Obwohl der Krankenstand in Cottbus und Spree-Neiße im vergangenen Jahr gestiegen ist, versuchen die meisten Menschen zunächst, eine Krankschreibung zu vermeiden. Wie der jüngste Gesundheitsreport der Krankenkasse DAK belegt, gehen beispielsweise 84 Prozent aller Menschen, die unter Rückenbeschwerden leiden, trotz ihrer Schmerzen zur Arbeit.

Die Wahrscheinlichkeit, sich dennoch krankschreiben zu lassen, steigt allerdings mit der Stärke der empfundenen Schmerzen und dem Chronifizierungsgrad. Muss der Betroffene dann auch noch häufig in unbequemer Körperhaltung arbeiten und ist Termin- oder Leistungsdruck ausgesetzt, wird eine Krankschreibung immer wahrscheinlicher. Andreas Preuß, Chef der DAK-Gesundheit in Cottbus sagt: „Unsere Ergebnisse zeigen, dass eher der Beschäftigte im Büro unter Rückenbeschwerden leidet, weniger der Maurer auf der Baustelle.“ Das falsche Sitzen ist offenbar schädlicher als harte körperliche Arbeit.

Laut Gesundheitsreport der DAK, die in Cottbus und Spree-Neiße rund 30 000 Mitglieder zählt, gab es in der Stadt im vergangenen Jahr einen Krankenstand von fünf Prozent (0,7 Prozent mehr als 2016). Im Kreis dagegen wuchs er nur um 0,1 auf 4,8 Prozent – den zweitniedrigsten Krankenstand in der Region.  Den Unterschied zwischen Cottbus und Spree-Neiße erklärt Andreas Preuß vor allem damit, dass der Erholungsfaktor bei Krankschreibungen in ländlichen Gegenden eventuell höher ist als in der Stadt.  Außerdem gebe es in der Stadt deutlich mehr größere Firmen, in denen Vertretungen besser organisiert sind.  In Familienbetrieben, die den großen Teil der Unternehmerschaft in ländlicheren Gegenden ausmacht, geht man eher schneller wieder arbeiten.

Die Fehltage bei den Muskel-Skelett-Erkrankungen haben gegenüber dem Vorjahr um 30 Prozent zugelegt, sie sind nach wie vor die Nummer eins der Ursachen für einen „gelben Schein“: Bezogen auf 100 Beschäftigte gab es in Cottbus im vergangenen Jahr 138,7 Fehltage aufgrund von Rückenschmerzen. Eine Krankschreibung dauerte 15,8 Tage.

In Spree-Neiße lag die Zahl der Fehltage bei 131,8, eine Krankschreibung dauerte 13,7 Tage. Nach Auswertung der Versicherten-Daten und Befragungen von 5000 Beschäftigten im Alter von 18 bis 65 Jahren kommt der DAK-Report zu dem Ergebnis, dass Präventionskurse und betriebliches Gesundheitsmanagement vorerst nichts an der Situation geändert haben: Rücken ist nach wie vor die Krankheitsursache Nummer eins.

Auf Rang zwei der Ausfalltage lagen Atemwegserkrankungen wie etwa Bronchitis. Hier gab es einen deutlichen Anstieg um 16 Prozent (Spree-Neiße), beziehungsweise 21 Prozent in Cottbus. Die psychischen Erkrankungen machen rund 14 Prozent der Ausfalltage in Cottbus aus und belegen damit Platz drei. Im Landkreis liegen hier Verletzungen und Vergiftungen.