Von Simone Wendler

Frank T. (Name geändert) sucht einen neuen Job. Als sein befristeter Arbeitsvertrag endete, meldete sich der 39-jährige Lausitzer bei der Arbeitsagentur in Cottbus. Die unterbreitete ihm auch einen Bewerbungsvorschlag. Doch Frank T. will keinen Kontakt zur vorgeschlagenen Firma Boxing Security suchen.

Denn diese Cottbuser Sicherheitsfirma ist Frank T. durch Presseveröffentlichungen bekannt. Der Firmenchef kämpfte 2018 bei einem rechtsextremistischen Kampfsportturnier und wird auch anderweitig mit der rechtsextremen Szene in Verbindung gebracht. Als kürzlich bekannt wurde, dass Mitarbeiter seines Unternehmens als Subunternehmer in einer KZ-Gedenkstätte Wache schoben, kündigte die Gedenkstättenstiftung den Bewachungsvertrag. „Für so ein Unternehmen möchte ich nicht tätig sein“, sagt der arbeitssuchende Frank T., der sich wundert, warum die Arbeitsagentur Cottbus überhaupt Arbeitskräfte an Boxing Security vermittelt.

Die Agentur sei dazu verpflichtet, versichert Marion Richter, Geschäftsführerin Operativ: „Wir dürfen eine Vermittlung nur ablehnen, wenn durch eine Firma nachweisbar gegen den allgemeinen Gleichbehandlungsgrundsatz oder die guten Sitten verstoßen wird.“ Das wäre beispielsweise der Fall, wenn ein Arbeitgeber sich von vornherein weigert, Ausländer, Behinderte oder Homosexuelle zu beschäftigen.

Ein anderer Grund, die Vermittlung an ein Unternehmen zu verweigern, wäre die Verbreitung rechtsextremer Propaganda in der Firma zum Beispiel durch Aufkleber. „Unsere Mitarbeiter sind dafür sensibilisiert, bei Firmenbesuchen auf so etwas zu achten“, so Marion Richter.

Falls Arbeitssuchende wie Frank T. sich jedoch nicht bei einer Firma bewerben wollen, weil rechtsextreme Verbindungen des Chefs ihren persönlichen Werten entgegenstehen, werde das akzeptiert, versichert die Geschäftsführerin: „Niemand muss in so einem Fall Nachteile fürchten.“

Nach dem Bekanntwerden des Einsatzes in der KZ-Gedenkstätte im Frühjahr hatte der Cottbuser Inhaber der Boxing Security sich gegenüber der RUNDSCHAU von allen rechtsextremen Aktivitäten distanziert. Bei dem konspirativ organisierten Kampfsportturnier im Juni vorigen Jahres, wo er mit zwei bekannten Rechtsextremisten zusammen für eine „Kampfgemeinschaft Cottbus“ antrat, will er von der politischen Ausrichtung der Veranstaltung vorher nichts gewusst haben.