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| 18:41 Uhr

Arbeitsmarkt
So viele Cottbuser bekommen Hartz IV

 Sven Mochmann vom Jobcenter studiert die Arbeitsmarktdaten bis ins letzte Detail.
Sven Mochmann vom Jobcenter studiert die Arbeitsmarktdaten bis ins letzte Detail. FOTO: LR / René Wappler
Cottbus. Linken-Politiker Gregor Gysi hat gesagt: 17 Prozent der Cottbuser im arbeitsfähigen Alter bezögen Hartz IV. Tatsächlich ist der Anteil geringer. Dennoch bleiben viele Menschen auch mit Jobs auf staatliche Hilfe angewiesen. Von Rene Wappler

Dunkle Flecken ziehen sich über die Großstädte im Osten Deutschlands. Der Geschäftsführer des Cottbuser Jobcenters Sven Mochmann hat eine Landkarte in seinem Büro aufgehängt. Sie zeigt, wo das Risiko besonders hoch ist, für lange Zeit Hartz IV zu beziehen und in einfachen Tätigkeiten keinen Arbeitsplatz zu finden. Cottbus gehört zu diesen Städten.

17 Prozent soll der Hartz-IV-Anteil bei Menschen im arbeitsfähigen Alter in der Stadt betragen. Diese Zahl nennt der Teilhabeatlas vom Berlin-Institut und der Wüstenrot Stiftung, veröffentlicht im August 2019. Von 17 Prozent sprach auch der Politiker Gregor Gysi (Die Linke) als er vor der Landtagswahl 2019 auf dem Cottbuser Altmarkt für seine Partei warb.

Allerdings scheint die Lage nicht mehr ganz so dramatisch zu sein. Darauf deuten Daten hin, die dem Geschäftsführer des Jobcenters vorliegen. Demnach gibt es derzeit knapp 8500 erwerbsfähige Leistungsberechtigte in Cottbus. Zugleich leben in der Stadt 63 789 Menschen, die als erwerbsfähig gelten, also im Alter von 15 bis 65 Jahren. Das bedeutet: Der Anteil der Hartz-IV-Empfänger beträgt nicht mehr 17 Prozent, sondern ungefähr 13 Prozent.

Besserer Abschluss als geplant

Das wirkt sich auf die Finanzen der Stadt Cottbus aus. Sie wird den Ergebnishaushalt in diesem Jahr voraussichtlich deutlich besser abschließen als geplant. Ein Grund dafür sind unter anderem die sinkenden Bedarfsgemeinschaften von Hartz-IV-Empfängern in Cottbus. Das erklärte Petra Ramsch während des jüngsten Finanzausschusses. Laut der Leiterin des Fachbereichs Finanzmanagement wird die Stadt nach ersten Hochrechnungen deshalb voraussichtlich gut 700.000 Euro einsparen.

Fast ein Drittel der Hartz-IV-Empfänger in Cottbus geht laut der Statistik des Jobcenters einer Arbeit nach. Doch sie sind auf die finanzielle Hilfe angewiesen, um über die Runden zu kommen. Geschäftsführer Sven Mochmann erläutert: „Das Einkommen reicht oft nicht aus, um eine Familie zu ernähren.“ Daran habe auch der Mindestlohn nichts geändert.

Trotzdem sinkt die Zahl geringfügig Beschäftigter in Cottbus, und das überdurchschnittlich stark. Das offenbart die Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage aus der Fraktion der Linken. Im August 2019 waren demnach in Cottbus 5576 geringfügig Beschäftigte registriert, 8,3 Prozent weniger als noch im Dezember 2018.

Knapp hinter den deutschen Spitzenplätzen

Nur drei deutsche Städte stechen mit einem noch stärkeren Rückgang hervor, und sie alle liegen im Westen der Bundesrepublik: In Delmenhorst sank die Zahl um 12,9 Prozent, in Mönchengladbach um 11,3 Prozent und in Bamberg um 23,9 Prozent.

Dazu sagt Sven Mochmann vom Cottbuser Jobcenter: „Unser Ziel lautet, möglichst viele Leute aus der Falle des Minijobs herauszuführen.“ In den Daten der Bundesregierung steckt nach seinen Worten das positive Signal, dass weniger Leute als bisher mit einem außerordentlich niedrigen Gehalt auskommen müssen.

Grundsätzlich gilt in Cottbus nach wie vor: Wer im Begriff ist, seinen Arbeitsplatz zu verlieren, sollte alles daran setzen, so schnell wie möglich einen neuen angemessenen Job zu finden. Dazu rät auch der Chef des Jobcenters. Denn je länger jemand arbeitslos bleibt, desto schwieriger gestaltet sich die Suche.

Sven Mochmann sagt: „Dabei stehen die Chancen, schnell eine neue Beschäftigung zu bekommen, derzeit so gut wie nie.“ Das merken nach seinen Worten auch die Mitarbeiter des Jobcenters. So komme es kaum noch vor, dass jemand am Arbeitsmarkt vorbei qualifiziert werde, weil Betriebe in allen möglichen Branchen Fachkräfte benötigen.

Korrektur: In einer früheren Version dieses Beitrags hieß es, fast zwei Drittel der Hartz-IV-Empfänger in Cottbus gingen einer Arbeit nach. Tatsächlich handelt es sich um fast ein Drittel. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.