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Cottbus
Apothekerin meldet Messerattacke

Das Blechen-Carré am Montag nach der Attacke von drei jungen Syrern gegen ein Ehepaar in Cottbus. Während der Auseinandersetzung hatte ein 14-Jähriger ein Messer gezogen.
Das Blechen-Carré am Montag nach der Attacke von drei jungen Syrern gegen ein Ehepaar in Cottbus. Während der Auseinandersetzung hatte ein 14-Jähriger ein Messer gezogen. FOTO: Ch. Taubert / LR
Cottbus. Überwachungsvideo erschüttert Center-Managerin. Staatsanwaltschaft ermittelt weiter. Von Christian Taubert

Um das Cottbuser Blechen-Carré weht am Montagvormittag ein eiskalter Ostwind. Die Sonne strahlt vom blauen Himmel. Kunden strömen aus allen Himmelsrichtungen in den Einkaufstempel im Stadtzentrum. Alltag in der belebten und beliebten Shoppingmeile.

Und dennoch ist etwas anders. Am vergangenen Freitagnachmittag hat es eine Messerattacke von drei jungen Syrern auf ein Ehepaar an einer der Eingangstüren gegeben. Die Kunden wissen davon, haben davon gehört oder darüber gelesen. In den sozialen Netzwerken ist das Thema rauf- und runterdiskutiert worden. Auch, wenn der Vorfall noch glimpflich ausging, für Carré-Geschäftsführerin Simone Herrmann „ist die Aufregung weiter da“. Sie ist mit für die Sicherheit der Kunden und des Personals verantwortlich und sagt, dass alles getan werde, dass sich Kunden und Personal sicher fühlen können. „Was bei uns passiert ist, geschieht nicht nur in Cottbus“, sagt Simone Herrmann.

Ohne erkennbaren Grund, so teilte die Polizei mit, hätten drei syrische Jugendliche im Alter von 14, 15 und 17 Jahren ein Ehepaar angegriffen. Der Mann sei von zwei der Angreifer bedrängt worden, letztlich habe der 14-Jährige ein Messer gezogen. Dass nichts Schlimmeres passiert ist, hatte das Paar offenbar einem beherzt eingreifenden Passanten zu verdanken.

Die Centerchefin hat inzwischen das Überwachungsvideo dieses Eingangsbereiches gesehen. „Ich bin fassungslos, mit welcher Brutalität die Tatverdächtigen vorgegangen sind“, erklärt Simone Herrmann. Vor allem wegen des mutmaßlichen Tathergangs, wonach die Syrer von dem Cottbuser Ehepaar Vortritt beim Zugang in das Carré gefordert und von der Frau verlangt hatten, dass sie ihnen Respekt bezeugen solle. Als der Mann dies abgelehnt habe, sei er angegriffen worden.

In der Buchhandlung, beim Bäcker oder im Schmuckladen ist von dem Vorfall nichts wahrgenommen worden. „Wir hatten zu tun und sind erst durch den Wachschutz aufmerksam gemacht worden“, heißt es am Montagvormittag. Dagegen erinnert sich eine Optikerin: „Es wurde plötzlich laut. Ein Mann flog gegen die Scheibe.“ Warum es zu der Attacke gekommen sei, hat die junge Frau nach eigenem Bekunden nicht mitbekommen.

Dagegen haben zwei Apothekerinnen gehört, wie es immer lauter zuging und plötzlich jemand gerufen hat: „Das Messer weg.“ Da habe eine der beiden Frauen zum Telefon gegriffen und den Notruf gewählt. Bis Wachschutz und Polizei vor Ort gewesen seien – „wenn ein Messer im Spiel ist, dauert wahrscheinlich alles immer viel zu lange“, sagt eine der Apothekerinnen. Die Tatverdächtigen sind nach ihren Angaben dann geflohen, wurden aber schnell gefasst. Laut Polizei seien die drei Syrer durch den Wachschutz festgehalten und übergeben worden.

Vor dem Hintergrund dieses Vorfalls will der Golßener Verein „Zukunft Heimat“ am Donnerstag – wie mehrfach in der Vergangenheit – gegen die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung demonstrieren. Der Cottbuser Oberbürgermeister Holger Kelch bezeichnete den Angriff als „abscheulich“. Gewalt sei keine Art, Konflikte anzuheizen oder zu lösen. Er hatte am Montag zuständige Geschäftsbereiche zusammengerufen, um die Situation zu erörtern. „Wenn wir für Vormundschaften zuständig sind, werden wir alles in unserer Macht Stehende tun, um den Jugendlichen klar zu machen, welche Grundwerte und Regeln in Deutschland und in Cottbus gelten, und dass sie sich an diese zu halten haben“, betonte der CDU-Politiker. Den Eltern der Tatverdächtigen solle deutlich gemacht werden, „dass das Verhalten ihrer Kinder nicht ohne Konsequenzen bleibt“. Kelch. „Wir lassen uns die Entwicklung unserer Stadt nicht durch solche Vorfälle kaputtmachen.“