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Apotheker als Forscher und Künstler

Dass Pharmakonzerne ihren Ursprung in Apotheken haben, ist durchaus verständlich. Doch Apotheker haben sich in der Geschichte nicht nur als Entdecker und Erfinder, sondern auch als Literaten einen Namen gemacht. Mit bedeutenden Firmengründern, Forschern und Künstlern aus der Apotheker-Gilde beschäftigt sich die neue Sonderausstellung, die gestern im Brandenburgischen Apothekenmuseum am Cottbuser Altmarkt eröffnet wurde. Ihr Titel: „Berühmte Apotheker“ . Von Ulrike Elsner

Merck, Schering, Bayer und Beiersdorf hätten ihren Ursprung in Apotheken-Laboren, erklärt Museumsleiterin Annette Schiffner. Die Firmengeschichte von Schering sei mit der Herstellung synthetischen Kampfers verbunden. Hinter Bayer stehe der Name Felix Hoffmann und seine Entdeckung des Jahrhundertmedikaments Aspirin, während Beiersdorf das erste Wundpflaster zu verdanken sei. Ihren Ursprung hatte die Firma, so Annette Schiffner, in einer Hamburger Apotheke.
Der Ausstellungsbesucher erfährt auch, dass nicht Böttger der Erfinder des Porzellans war. Vielmehr hatte ihm August der Starke während der Festungshaft einen Mann namens Ehrenfried Walther von Tschirnhaus zur Seite gestellt, der, so die Museumsleiterin, schon vorher an der Herstellung von Porzellan gearbeitet hatte. Und er war Apotheker.
Einem Apotheker, nämlich Andreas Sigismund Marggraf, verdanken die Deutschen auch die Gewinnung von Zucker aus Runkelrüben. Die Ausstellung erinnert auch an Friedrich Wilhelm Adam Sertürner (1783 bis 1841). „Er hat der Menschheit den Schmerz genommen“ , sagt Annette Schiffner über den Entdecker des Morphiums. Auch der Entdecker von Sauerstoff und Stickstoff, Carl Wilhelm Scheele, war Apotheker. Ebenso wie der Maler und Kunstkritiker Karl-Ludwig Fernow (1763-1808), die Dramatiker Henrik Ibsen und Hermann Sudermann sowie der Märchenautor Ludwig Bechstein. „Auch Theodor Fontane war Apotheker“ , weiß Annette Schiffner. Zwar habe er den Beruf ungern ausgeübt, allerdings in seiner „Effi Briest“ später einem sehr liebenswerten Apotheker Gestalt gegeben.
Auch mit Basilius Beslers „Hortus Eystettensis“ beschäftigt sich die Ausstellung. In dem 850 Seiten dicken Buch stellte der Apotheker und Botaniker 1084 Pflanzen in 367 großformatigen Kupferstichen vor.
Im Keller des Galenischen Laboratoriums im Hinterhaus findet der Museumsbesucher ebenfalls seit gestern eine weitere Kostbarkeit. Es handelt sich um zwei Tablettenpressen, eine Kugelpulvermühle und eine Salbenmühle, die dem Museum von der Krankenhaus-Apotheke zur Verfügung gestellt wurde. „Diese Stücke gehören eigentlich zum Sammlungsteil DDR-Pharmazie“ , sagt die Museumsleiterin. Sie hätten der so genannten industriellen Ersatzproduktion im Pharmazeutischen Zentrum Cottbus gedient, von der 22 Apotheken der Region beliefert worden wären.

Service Museumsführungen
  Führungen im Brandenburgischen Apothekenmuseum am Cottbuser Altmarkt gibt es dienstags bis freitags, 11 und 14 Uhr, samstags, sonntags und an Feiertagen 14 und 15 Uhr sowie nach Vereinbarung unter Telefon 0355 23997.