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| 18:10 Uhr

Artenschutz
Cottbuser fordern mehr Schutz

Die Sachsendorfer Wiesen sind ein vom Menschen geformtes Ökosystem. Landwirtschaft ist für den Erhalt nötig, doch es gibt unterschiedliche Auflagen und Beschränkungen für das Gelände, in dem zwei Natur- und ein Wasserschutzgebiet liegen. Foto: Michael Helbig
Die Sachsendorfer Wiesen sind ein vom Menschen geformtes Ökosystem. Landwirtschaft ist für den Erhalt nötig, doch es gibt unterschiedliche Auflagen und Beschränkungen für das Gelände, in dem zwei Natur- und ein Wasserschutzgebiet liegen. Foto: Michael Helbig FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Die Sachsendorfer Wiesen sind ein Landschaftsschutzgebiet, in dem auch Landwirtschaft betrieben wird. Doch aus Sicht der Anwohner ist der Agrarbetrieb zu rücksichtslos. Von Peggy Kompalla

Die Sachsendorfer Wiesen sind ein Naturkleinod in Cottbus, das es ohne die Bewirtschaftung nicht gäbe. Trotzdem sorgt die Arbeit der Landwirte für Unmut. Der Vorwurf: Dieser Vertragsnaturschutz ist rücksichtslos gegenüber Tier und Pflanze geworden. Durch die Vermittlung der RUNDSCHAU hat es nun eine erste Aussprache zwischen den Anwohnern und dem Cottbuser Umweltamt gegeben. Dabei soll es nicht bleiben. Behördenchef Stephan Böttcher will das Anliegen an das zuständige Landwirtschaftsamt Spree-Neiße in Forst weitertragen. „Dort würde ich gern die Hinweise mit allen Beteiligten besprechen und auch die Wünsche der Anwohner vortragen.“

Bärbel Rösler lebt seit elf Jahren am Rande der Sachsendorfer Wiesen. Sie liebt diesen Flecken, ist dort täglich unterwegs. Sie schwärmt: „Wissen Sie, was das für ein Gezwitscher war?“, fragt sie Umweltamtschef Böttcher. „Dort gab es die Feldlerche, die Bekassine, den Kiebitz und den Wachtelkönig.“ Sie spricht bewusst in der Vergangenheitsform. Diese Vogelarten seien verschwunden. Das liegt aus ihrer Sicht auch an der Landwirtschaft. Dabei hat die Cottbuserin generell Verständnis für deren Belange. „Aber wir Anwohner beobachten ein immer rigoroseres Arbeiten“, sagt sie und fragt vorwurfsvoll: „Müssen die Wiesen denn zum Frühlingsanfang zweimal gewalzt werden?“ Sie gibt selbst die Antwort: „Damit sind doch sämtliche Bodenbrüter platt.“ Diese Arbeitsmethode ärgere die Anwohner massiv. „Wenn die Wiesen gemäht sind, ist es erst einmal wochenlang still.“ Auch das Insektenaufkommen habe stark abgenommen.

Diese Beobachtung bestätigt der Umweltamtschef. Das sei allerdings ein bundesweiter Trend, der sich nicht allein auf die Sachsendorfer Wiesen beschränke. Trotzdem fragt Bärbel Rösler: „Ist das nun ein Landschaftsschutzgebiet oder eine landwirtschaftliche Fläche?“ Die Grundschullehrerin betont, dass der Schutz im Kleinen beginnen müsse.

In diesem Jahr sei die Wiesenmahd besonders schlimm gewesen. „Dabei sind sechs Kitze getötet worden. Das war ein schrecklicher Anblick“, erzählt Bärbel Rösler. Das Drama hat sie dokumentiert. Die Fotos liegen der RUNDSCHAU vor. Diesbezüglich habe es mit dem Landwirt bereits eine Aussprache gegeben, erklärt Stephan Böttcher. Er sei seiner Sorgfaltspflicht nachgekommen und habe die Flächen vorab vom Jagdpächter absuchen lassen. Das bezweifelt Bärbel Rösler. „Wir kannten den Standort von fünf Ricken. Wir Anwohner hätten gern beim Markieren geholfen, aber man erfährt ja nicht, wann die Landwirte mähen.“

Genau hier macht Bärbel Rösler auch im Namen ihrer Nachbarn ein Angebot. „Wir würden in Zukunft gern helfen, um das zu verhindern.“ Das hört Umweltamstchef Böttcher gern. Das genügt der Cottbuserin aber nicht. Sie hat weitere Vorschläge für das Landschaftsschutzgebiet. Die Mahd sollte in eine Zeit gelegt werden, in der die Kitze möglichst schon mobil sind. „Das Walzen der Wiesen halten wir für völlig unangebracht.“ Des Weiteren sollten bei der Mahd Streifen stehen gelassen werden. „Sodass es für die Insekten und Vögel einen Rückzugsraum gibt, bis die Wiese wieder nachwächst.“ Stephan Böttcher nimmt die Vorschläge mit. Er hofft auf ein Gespräch mit allen Beteiligten im Herbst. Bärbel Rösler soll auch dabei sein. Sie freut sich. „Wir geben die Wiesen nicht auf.“