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Stadtentwicklung
Wasser soll in einem Jahr in den Ostsee fließen

Luftaufnahmen Herbst 2017.Cottbuser Ostsee
Luftaufnahmen Herbst 2017.Cottbuser Ostsee FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Das Bergbauunternehmen Leag beantragt die vorzeitige Flutung zum 1. November 2018. Von Peggy Kompalla

Der Energiekonzern ­Leag will in jedem Fall, im nächsten Jahr den Wasserhahn für den Cottbuser Ostsee aufdrehen. Das erklärt Leag-Vorstandschef Helmar Rendez am Freitag. „Deshalb beantragen wir die vorzeitige Flutung zum 1. November 2018.“ Damit könnte das Wasser in einem Jahr fließen, selbst wenn das wasserrechtliche Planfeststellungsverfahren noch nicht in Gänze abgeschlossen ist. Innerhalb dieses umfangreichen Prozesses, der im Jahr 2014 begann, wird ab Montag die zweite Planergänzung ausgelegt. Bis zum 12. Januar 2018 können die überarbeiteten Unterlagen unter anderem im Cottbuser Rathaus und im Amt Peitz eingesehen werden.

Der Leag-Chefgeologe Ingolf Arnold ergänzt: „Es besteht zu 100 Prozent Übereinstimmung mit allen Behörden und allen Beteiligten, dass der Ostsee mit Spreewasser geflutet wird.“ Deshalb steht dem Beginn der Flutung aus Sicht des Bergbauunternehmens nichts im Weg – selbst wenn noch nicht alle Stempel für den Beschluss des wasserrechtlichen Planfeststellungsverfahrens durch das Landesbergamt gesetzt sind. Denn baulich werde bis zum Termin die Badewanne für den Ostsee fertig. Das unterstreicht der Vorstandschef: „Wir liegen voll im Zeitplan.“

Dagegen könnte es mit dem Planverfahren knapp werden, auch wenn das Landesbergamt daran festhält, im vierten Quartal 2018 zu einem Beschluss zu kommen. Das verkündete Uwe Sell vom Landesbergamt in der vergangenen Woche vorm Braunkohlenausschuss. Dabei musste der Abteilungsleiter aber auch eingestehen, dass der Zeitplan eng gesetzt ist. Offene Zweifel daran hegen die Naturschützer. So erklärte René Schuster vom Umweltverband Grüne Liga als Mitglied im Braunkohlenausschusses: „Das ist sportlich und widerspricht all unseren Erfahrungen mit einem solchen Verfahren.“ Überhaupt sei das Verfahren mit Verzug gestartet – was auch an den Überarbeitungen gelegen habe.

Die Unterlagen für die zweite Planergänzung füllen zwölf Aktenordner, die die Leag beim Landesbergamt eingereicht hat. Ingolf Arnold erklärt: „Sie sind in der Nachbearbeitung des Erörterungstermins im November 2016 entstanden.“ Der wichtigste Unterschied zum Urantrag sei, dass der Auslauf fast um die Hälfte verringert wurde – nämlich von zwei auf 0,8 Kubikmeter je Sekunde in den Schwarzen Graben.

Der Seewasserspiegel soll sich zwischen 61,8 und 63,5 Metern über Normalnull bewegen. Entsprechend werden die Böschungen hergerichtet und gesichert. „Aus Gründen des Hochwasserschutzes haben wir beantragt, dass der Einstau bei maximal 63 Metern liegt“, erklärt der Geologe. „Damit gebe es einen halben Meter als extremen Hochwasserpuffer.“ Das entspreche neun Millionen Kubikmetern Wasser und damit etwa der Hälfte der Stauvermögens der Talsperre Spremberg. Ingolf Arnold betont: „Wir gehen von einem normalen Wasserstand von 62,5 Metern aus mit einer Schwankung von plus/minus einem halben Meter.“

Das Bergbauunternehmen hat einen triftigen Grund, im November mit der Flutung zu beginnen. „Im Winter führt die Spree mehr Wasser und das wollen wir unbedingt nutzen“, betont Arnold. Die Leag rechnet mit einer Flutungszeit von vier bis fünf Jahren – abhängig von der Wasserzufuhr aus dem Fluss. „Die Tagebaue rangieren bei der Bewirtschaftungsfolge der Spree ganz hinten.“ In den Ostsee können Arnold zufolge pro Tag maximal eine halbe Million Kubikmeter Wasser eingeleitet werden. Erst mit 126 Millionen Kubikmetern sei der See gefüllt. Dann passen nochmals rund 100 Millionen Kubikmeter obendrauf, um alle Ränder zu füllen.