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Ansturm auf den Ostsee-Grund

Geduldig warteten die 10 000 Besucher auf die Abfahrt zum Seegrund.
Geduldig warteten die 10 000 Besucher auf die Abfahrt zum Seegrund. FOTO: mih1
Cottbus. So ein Gewusel haben die Tagesanlagen des Tagebaus Jänschwalde des Bergbauunternehmens Leag wohl noch nie gesenen. Fünf Mannschaftstransportwagen und vier angemietete Reisebusse beförderten am Samstag den nicht abreißenden Besucherstrom beim Tag der offenen Baustelle zum Festgelände auf dem Grund des künftigen Ostsees. Michael Helbig / mih1

Er wird mit einer Wasserfläche von 1900 Hektar der größte künstliche See Deutschlands.

Die Menschen kamen aus Interesse und weil es die letzte Chance war, auf dem Seeboden zu laufen. Schon Ende des Jahres 2018 soll Wasser fließen. Von den Dimensionen der derzeit wohl größten Erdbau-Baustelle Europas war Petra Reinhold aus dem benachbarten Teichland beeindruckt. Sie ließ sich an einer Wassersäule am Eingang des Festzeltes fotografieren, die den späteren Wasserstand mit 62,5 Metern über Normal Null symbolisierte. Mit einem Sprung in die Höhe zeigte sie lachend, wie sie später aus dem Wasser auftauchen wird, um Luft zu holen.

Auf der Seebodentour erfuhren die Besucher von Bauleiter Marko Linka, dass derzeit 85 Dumper nach einem strengen Plan und GPS-gesteuert rund 17 Millionen Tonnen Erde für die Uferbestfestigung bewegen. Am See-Einlauf bei Lakoma wird ebenfalls schon gebaut. Um später einen konstanten Wasserpegel zu sichern, werde nach dem Jahr 2020 noch ein Auslauf errichtet.

Bei der Tour ging es auch zur kleinen Insel, die später dem Naturschutz vorbehalten sein wird und dann auch nicht mehr betreten werden darf. Von dort bis zum Aussichtsturm Merzdorf sind es rund 4,5 Kilometer. Samstag war noch einmal alles erlaubt. So begrüßte Inselfürst Ingolf Arnold - im wahren Leben Leiter der Geotechnik bei der Leag - die Besucher und lud in die Strandbar ein. Doreen und Thomas Voß machten es sich mit ihren Zwillingen Katharina und Alexander gleich auf den Liegestühlen bequem. Der Cottbuser Familienvater sagte: "Hier ist es ja wie an der Ostsee. Es war fantastisch und eine einmalige Gelegenheit, die riesige Baustelle zu sehen und den Baufortschritt zu erleben. Ich sehe in dem Ostsee eine große Zukunftschance für unsere Region und freue mich heute schon auf das Anbaden 2025." Am Nachmittag gab es dann auch schon das erste Wasser für den Ostsee. Es kam in Kübeln von oben, tat dem Andrang aber keinen Abbruch. Schließlich war das eine einmalige Chance.

Die Leag war ein aufmerksamer Gastgeber: Es gab schwere Technik zu bestaunen, das Orchester Lausitzer Braunkohle spielte auf, mit dem Schifferklavier konnte schon mal von Ostseewellen geträumt oder auf dem 1,5 Kilometer Trimmpfad der Ostseeboden erkundet werden. Das Erlebnis erinnerte an einen Familienausflug - ganz so wie es sich Cottbuser für die Zukunft für den Ostsee wünschen.