ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:34 Uhr

Anspannung, Angst, Phobie

Angst vor dem Zahnarzt betrifft Kinder ebenso wie Erwachsene.
Angst vor dem Zahnarzt betrifft Kinder ebenso wie Erwachsene. FOTO: Fotolia
Cottbus. 1500 Zahnärzte unter einem Dach beim 22. Brandenburgischen Zahnärztetag am 23. und 24. November in Cottbus – eine unschöne Vorstellung für alle die, die mit Angst zur Behandlung gehen. Und das tun die meisten. Daniel Schauff

Durchdringende Bohrergeräusche, schmerzhafte Wurzelbehandlungen, unangenehmes Zähne ziehen - beim Stichwort "Zahnarzt" denken viele an Schmerzen. Etwa 60 bis 80 Prozent der Patienten in Deutschland leiden laut Landeszahnärztekammer Brandenburg unter Zahnarztangst, von der normalen Anspannung bis hin zur krankhaften Zahnarztphobie.

Kein leichter Stand für die Dentalmediziner, wenn die meisten ihrer Patienten nur mit Furcht und nicht selten nur in den äußersten Notfällen die Praxis betreten.

Ilse Körber, Zahnärztin aus dem brandenburgischen Pritzwalk, kann von einem besonders extremen Fall berichten: "Eine Patientin von mir hat solche Angst vor der Behandlung, dass sie schon tausend Tode stirbt, wenn ich nur in ihre Nähe komme." Da helfe dann auch kein gutes Zureden mehr. Narkose, Oralchirurgie und Krankenhaus - das sei in diesem Fall die einzige Lösung, sagt Ilse Körber.

Ansonsten setzt sie auf die Nähe zu ihren Patienten. "In einer kleinen Stadt wie Pritzwalk, wo eigentlich jeder jeden kennt, funktioniert das besser als in einer Großstadt wie Cottbus", vermutet sie und bemüht sich, dass sich ihre teils langjährigen Patienten schon beim Betreten der Praxis gut aufgehoben fühlen. "Das fängst schon mit meinen höflichen und hilfsbereiten Helferinnen an", sagt sie.

Der Trebbiner Zahnarzt Thorsten Schwede versucht es mit professioneller Sachlichkeit: "Man muss den Patienten dazu motivieren, sich behandeln zu lassen." Er hat kein Problem mit der Anspannung derjenigen, die auf seinem Behandlungsstuhl landen: "Die leicht ängstlichen Patienten sind am einfachsten. Schwierig sind die Lehrer-Typen, die sich eigentlich gar nicht behandeln lassen wollen."

Schwede informiert sich regelmäßig über Kommunikationstheorien und psychologische Methoden. Auch für die Behandlung unter Hypnose interessiert er sich. Es sei ihm aber noch nie gelungen, einen hypnotisierten Patienten schmerzfrei zu behandeln, gibt er zu. Und für ausführliche Seminare fehle ihm einfach die Zeit.

Für den Cottbuser Zahnarzt Dr. Oliver Treuner sind es vor allem die Patientengespräche, die den Angstgeplagten die Anspannung nehmen soll. "Das ist auch Aufgabe eines Arztes", findet er.

Und was, wenn die Behandlungsangst dennoch bleibt und so groß ist, dass der Gang zum Zahnarzt so schwierig ist, dass man lieber die Schmerzen erträgt?

Lokalanästhesie, Psychotherapie, Hypnose, Konfrontationstherapie, Sedierung (Behandlung mit Beruhigungsmitteln) und, im äußersten Notfall, auch Narkose - die Landeszahnärztekammern nennen viele Wege, extreme Angst vor dem Zahnarzt zu mindern oder zeitweise auszuschalten. Zudem wird empfohlen, Kinder schon früh an den regelmäßigen Kontrollbesuch beim Zahnarzt zu gewöhnen, so dass sich die Angst erst gar nicht entwickelt. Um den ersten Geburtstag herum, wenn das Kind bereits alleine auf dem Schoß sitzen kann und die ersten Zähne da sind, sei der richtige Zeitpunkt, so der Tipp der Landeszahnärztekammern.

Den richtigen Zahnarzt zu finden, das ist für die meisten Patienten - ob angespannt, ängstlich oder phobisch - besonders wichtig. Und das bleibt am Ende für jeden eine ganz persönliche Entscheidung.

Zum Thema:
Die Landeszahnärztekammer Brandenburg bietet in Zusammenarbeit mit der Verbraucherberatung Patientenberatungen an. Die Beratungsstellen werden von einem Zahnarzt geleitet und bieten allgemeine Informationen zur Zahnbehandlung sowie Tipps bei Zahnproblemen. In Cottbus können sich Patienten an jedem ersten Dienstag im Monat von 15 bis 17 Uhr in der Verbraucherberatungsstelle (Am Turm 14) informieren. Infos und Anmeldung unter Telefon 0180/5004049 (14 Ct/min a. d. dt. Festnetz, mobil max. 42 Ct/min).