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| 18:20 Uhr

Cottbus
Traumjob in der Männerdomäne

Anne Hackel (r.) ist eine von zwei hauptberuflichen Feuerwehrfrauen in Cottbus. „Der Beruf ist sehr technisch, aber mit einem breiten Spektrum und das Miteinander mit den Kollegen ist etwas Besonderes. Wir können uns hundertprozentig aufeinander verlassen“, sagt sie.
Anne Hackel (r.) ist eine von zwei hauptberuflichen Feuerwehrfrauen in Cottbus. „Der Beruf ist sehr technisch, aber mit einem breiten Spektrum und das Miteinander mit den Kollegen ist etwas Besonderes. Wir können uns hundertprozentig aufeinander verlassen“, sagt sie. FOTO: Benny Bastisch / Feuerwehr Cottbus
Cottbus. Anne Hackel ist eine von zwei Frauen bei den Einsatzkräften der Berufsfeuerwehr in Cottbus. Von Peggy Kompalla

Anne Hackel misst zwar nur 1,65 Meter. Die fehlenden Zentimeter macht sie aber mit ihrer Energie wett. Selbst in zivil wirkt sie stark und durchtrainiert. Kein Wunder, war sie doch jahrelang Leistungssportlerin. Als moderne Fünfkämpferin nahm sie an Weltcups teil, bis Verletzungen dem Jugendtraum ein Ende bereiteten. Heute kämpft Anne Hackel hauptberuflich für andere Menschen und rettet sie aus der Not. Als Feuerwehrfrau bei der Berufsfeuerwehr in Cottbus hat sie ihren Traumjob gefunden – in einer der letzten Männerdomänen.

Für die 27-Jährige ist ihr Beruf so normal, dass sie an ihre Sonderstellung unter all den Männern keine Gedanken verschwendet. „Ich habe mir den Job wie meine männlichen Kollegen ausgesucht. Wir haben die gleiche Ausbildung. Ich will keine Sonderbehandlung.“ Das ist eine klare Ansage. So einfach war es vor fünf Jahren allerdings nicht immer, als sie im Jahr 2013 ihre Stelle in Cottbus antrat. Einige Kollegen hegten Zweifel. Nicht nur weil sie eine Frau ist, sondern auch vom Sport kommt. Nimmt sie die Arbeit ernst? Schafft sie das? „Ich hatte Glück“, erzählt sie heute mit einem Lachen. „Ich kam gleich zu Beginn zu mehreren Einsätzen, bei denen ich mich beweisen konnte. Die haben schnell gemerkt: Die Kleine kann ja doch was.“

Im Rückblick sieht Anne Hackel das sogar als ganz normale Skepsis. Schließlich muss jeder Neuling erst einmal zeigen, was er oder eben sie drauf hat. Heute löst ihre Arbeit bei der Feuerwehr höchstens noch bei der Bevölkerung Erstaunen aus. In voller Montur mit Atemmaske sehen die Feuerwehrleute alle gleich aus. „Wenn wir uns dann abrüsten, hört man schon mal: Das ist ja eine Frau.“ Sie lacht.

Bei der Feuerwehr ist kein Tag wie der andere. Der Beruf ist technisch anspruchsvoll und extrem vielseitig. Die Feuerwehrleute löschen nicht nur Feuer, sondern werden zu Verkehrsunfällen gerufen, müssen Verletzte befreien oder Sturmschäden beseitigen. Anne Hackel kann Lkw fahren, muss mit der Säge umgehen können, Türen und Tore öffnen, aber auch mal beherzt einen jungen Greifvogel aus seiner misslichen Lage befreien. Die Cottbuser Feuerwehrleute sind zudem alle auch im Rettungsdienst ausgebildet. Sie eilen als Sanitäter zur Erstversorgung von Kranken oder Verletzten.

Weil im Ernstfalll alle Handgriffe sitzen müssen, gehören Weiterbildungen und Übungen zum Berufsalltag. „Ich habe einen Lehrgang zur Absturzsicherung belegt und bilde meine Kollegen in Cottbus darin weiter“, erzählt Anne Hackel. „Der Gruppenführer war gerade zum ABC-Lehrgang und gibt sein Wissen dann an uns weiter.“ Theorie und Praxis werden immer wieder geübt. Bei ihrem jüngsten 24-Stunden-Dienst trainierte ihre Schicht beispielsweise den Umgang mit Lufthebern.

Damit nicht genug. Um bestens vorbereitet zu sein, müssen Feuerwehrleute fit bleiben. Deshalb steht von 16 bis 18 Uhr Sport auf dem Programm – wenn nicht gerade ein Alarmruf eingeht. Die Cottbuser Berufsfeuerwehr ist für ihre sportlichen Erfolge bei Deutschen Meisterschaften, aber auch Europa- und Weltmeisterschaften bekannt. Dabei sind die Männer besonders stark. Das erkennt Anne Hackel neidlos an. Als frühere Leistungssportlerin ist sie natürlich in den Feuerwehrsport eingestiegen. Mit Erfolg: Das Frauenteam mit ihr holte bei den jüngsten Olympischen Spielen im österreichischen Villach im Löschangriff nass eine Silbermedaille. Was ihr als Fünfkämpferin verwehrt blieb, holt sie als Feuerwehrfrau nach.

„Der Job ist sogar besser, als ich dachte“, schwärmt Anne Hackel. Sie ist angekommen.