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| 13:20 Uhr

Telefone bei Verbraucherberatung stehen nicht still
Angst in Region nach Insolvenz von bayerischem Stromversorger

 Betroffenen Stromkunden wird geraten, ihren Zählerstand zu dokumentieren. Die Daten müssen an den insolventen Versorger, an den Anbieter der örtlichen Grundversorgung und an den Netzbetreiber weitergeleitet werden.
Betroffenen Stromkunden wird geraten, ihren Zählerstand zu dokumentieren. Die Daten müssen an den insolventen Versorger, an den Anbieter der örtlichen Grundversorgung und an den Netzbetreiber weitergeleitet werden. FOTO: dpa / Jens Büttner
Cottbus. Die Pleite eines bayrischen Unternehmens sorgt in der Region für Unruhe. Von Andrea Hilscher

Der Mann aus dem Spree-Neiße-Kreis war entsetzt: Ende letzten Jahres erhielt er Post von seinem Stromanbieter, die Ankündigung einer Preiserhöhung. Vier Cent pro Kilowattstunde, das war harmlos. Der Grundpreis aber, der sollte um satte 450 Prozent steigen, auf dann 62 Euro monatlich. „Dabei sind schon zehn Euro pro Monat ganz schön viel“, sagt Wolfgang Baumgarten, Jurist bei der Verbraucherzentrale in Cottbus. Bei ihm hatten sich seit November 2018 zahlreiche Kunden des Anbieters BEV Bayerische Energieversorgungsgesellschaft über drastische Preiserhöhungen beschwert.

„Ich hatte damals schon geahnt, dass mit dem Laden etwas nicht stimmt“, sagt Baumgarten. Die Bestätigung kam vor wenigen Tagen: Die BEV ist insolvent. Seitdem stehen die Telefone der Verbraucherzentrale nicht mehr still. Hunderte von Kunden in der Region haben Angst davor, plötzlich ohne Strom oder Heizung dazustehen.

Darüber, so beruhigt Baumgarten, müssen die Cottbuser sich keine Sorgen machen: „Wenn ein Anbieter ausfällt, springt ganz automatisch der örtliche Grundversorger ein und stellt Strom und Gas“, so der Berater. Ganz wichtig: Sobald der Insolvenzverwalter öffentlich mitteilt, dass er den Betrieb des Unternehmens nicht weiterführen wird – bei der BEV bereits geschehen – sollten Stromkunden ihren Zählerstand dokumentieren, möglichst mit Foto. Diese Daten müssen dann an drei Stellen weitergeleitet werden: an den insolventen Versorger, an den Anbieter der örtlichen Grundversorgung und an den Netzbetreiber. „Wer das im einzelnen ist, steht auf der Jahresrechnung“, sagt Wolfgang Baumgarten.

Betrügerische Anrufe. Neben den Betroffenen der Insolvenz kämpft die Verbraucherzentrale aktuell mit einer Flut von betrügerischen Anrufen. Den Lausitzern wird empfohlen, sie sollen einen vermeintlichen Anwalt in Österreich kontaktieren, da sie eine hohe Summe Geld gewonnen hätten. Die Telefonnummer, die dabei häufig angegeben wird, ist nach Aussage des Juristen folgende: 0043 72034 9812. „Für die Abwicklung wird dann eine Vorauszahlung verlangt“, sagt Wolfgang Baumgarten. „Genauso gut kann man sein Geld verbrennen oder bei Wind zum Fernster herausflattern lassen.“

Widerrufsrecht. Doch auch mit ganz handfesten Problemen werden die Verbraucherschützer konfrontiert: Eine ältere Dame aus Spree-Neiße kauft sich ein Möbelstück und merkt erst zu spät, dass sie es wegen seiner Größe gar nicht durch die Wohnungstür bekommt. Sie will das Möbelstück zurückgeben – und stößt bei dem Geschäftsinhaber auf Widerstand. Der nämlich beruft sich darauf, dass es ein Widerrufsrecht gar nicht gibt – zumindest nicht, wenn ein Objekt innerhalb eines Geschäftes gekauft wird.

Wolfgang Baumgarten: „Leider gibt es immer wieder Kunden, die sich auf ein vermeintliches Umtauschrecht verlassen.“ So sei es auch einer Familie aus Cottbus gegangen, die auf der Grünen Woche eine teure Infrarotsauna gekauft hatte. Am nächsten Tag waren die Käufer mit ihrer 2500 Euro teuren Anschaffung nicht mehr glücklich. Dennoch gab es für sie keine Möglichkeit, aus dem geschlossenen Kaufvertrag herauszukommen. „Messestände gelten beim Gesetzgeber als verlängerte Verkaufsräume“, sagt Wolfgang Baumgarten. Daher gelten die dort geschlossenen Kaufverträge.

Ein Widerrufsrecht gibt es, so erklärt es der Jurist, tatsächlich nur im Internet, bei Telefon- oder bei Haustürgeschäften. Bei anderen Käufen könne man nur auf die Kulanz der Unternehmen hoffen. Doch auch bei Internetkäufen lauern Tücken. „Manchmal schicken Verbraucher Waren in einem Päckchen zurück und wundern sich, warum sie niemals ihr Geld vom Anbieter zurückbekommen.“ Hätten sie ihre Retouren mit einem Paket verschickt, hätte der Kunde einen Beleg in der Hand. „Beim Päckchen fehlt dieser Nachweis, das Unternehmen kann sich vor der Erstattung des Kaufpreises drücken.“