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| 15:12 Uhr

Streit um Bafög
Kein Geld mehr für Erzieherinnen aus Spree-Neiße

 Celina Kattner, Mandy Puder, Stefanie Klimke und Lena Anspach (v.l.n.r.) absolvieren die Erzieherausbildung beim Deutschen Erwachsenenbildungswerk in Cottbus. Sie wollen in Widerspruch gegen die Ablehnung des Aufstiegs-Bafög gehen.
Celina Kattner, Mandy Puder, Stefanie Klimke und Lena Anspach (v.l.n.r.) absolvieren die Erzieherausbildung beim Deutschen Erwachsenenbildungswerk in Cottbus. Sie wollen in Widerspruch gegen die Ablehnung des Aufstiegs-Bafög gehen. FOTO: LR / Silke Halpick
Cottbus. Ein Cottbuser Bildungsträger hat den gesamten Lehrplan umgestellt, um förderfähig zu bleiben. Durch Bafög-Ablehnungen gibt es jetzt bei Schülern aus Spree-Neiße Ärger. Von Silke Halpick

Manuela Magritz ist sauer: Erstmals fallen einige ihrer Schüler aus der Förderung durch das Aufstiegs-Bafög. Zu Unrecht, wie die Leiterin des Deutschen Erwachsenenbildungswerkes (DEB) in Cottbus berichtet. Ihr Institut habe den Lehrplan auf die neuen Rahmenbedingungen angepasst. Betroffen sind zwischen zehn und 20 Schüler eines jeden Jahrgangs.

Eine mündliche Absage hat Mandy Puder bereits bekommen, wie sie gegenüber der RUNDSCHAU erzählt. Die alleinerziehende Mutter von zwei Kindern, die ein weiteres Pflegekind betreut, muss die Ausbildung ohne den staatlichen Zuschuss abbrechen. „Dann sitze ich zu Hause“, sagt die Neuhausenerin.

Warum werden uns Steine in den Weg gelegt, fragt Stafanie Klimke

Betroffen ist auch Stefanie Klimke. Die gebürtige Gubenerin ist vor fünf Jahren nach Bayern gezogen, hat in einer Spedition gearbeitet und kommt nun wegen dieser Erzieher-Ausbildung zurück in ihre alte Heimat. Bei einem Praktikum habe sie ihr Herz für den Beruf entdeckt. „Überall werden Erzieher gesucht. Warum werden uns nun Steine in den Weg gelegt?“, fragt sie.

„Schon vor zwei Jahren wurde uns angekündigt, dass wir nicht mehr förderfähig sind“, erklärt Magritz. Daraufhin hat die Schulleiterin eigenen Angaben zufolge den gesamten Lehrplan für die dreijährige Ausbildung zum staatlich anerkannten Erzieher auf den Kopf gestellt, damit er auch den gesetzlichen Anforderungen entspricht.

70 Prozent der Ausbildung muss Unterricht in der Schule sein

Knackpunkt ist, dass die angehenden Erzieherinnen nur noch Aufstiegs-Bafög für Maßnahmen bekommen, bei denen 70 Prozent der Ausbildung durch Unterricht in der Schule abgedeckt sind. Der praktische Teil darf 30 Prozent nicht überschreiten. „Diese Quote wird in allen Klassen eingehalten und sogar überschritten“, betont Magritz. Damit habe das DEB alles Mögliche im Rahmen der rechtlichen Vorgaben getan, um den Schülern den Zugang zum Aufstiegs-Bafög aus schulischer Sicht zu sichern.

Der zuständige Fachbereich des Landkreises Spree-Neiße prüft eigenen Angaben zufolge jedes Schuljahr neu, ob die Voraussetzung für das Aufstiegs-Bafög erfüllt sind. Ein wichtiges Kriterium dabei ist offenbar die „Fortbildungsdichte“, die je nach Kalenderjahr und Lage der Feiertage variiert. Bei 39 Vollzeitwochen müssen mindestens 27,3 Unterrichtswochen stattfinden, damit die Quote von 70 Prozent erfüllt ist.

Als „nicht nachvollziehbar“ bezeichnet Magritz die Berechnungen in Spree-Neiße. Wochen, in denen zwei gesetzliche Feiertage liegen, werden komplett aus der Berechnung herausgenommen, wie sie kritisiert. Unverständlich sei auch, warum bislang nur Schüler mit Wohnsitz in Spree-Neiße Ablehnungsbescheide erhalten haben, Cottbuser hingegen nicht.

Mit 500 Schülern ist das Deutsche Erwachsenenbildungswerk eines der größten Bildungsträger in der Region. Hier werden Sozialassistenten, Heilpädagogen und vor allem staatlich anerkannte Erzieher ausgebildet. Zulassungsvoraussetzung für Letztere ist das Abitur oder eine im Vorfeld absolvierte Ausbildung beispielsweise als Sozialassistent.

Das Aufstiegs-Bafög wird von einem nicht unbedeutenden Teil der Schüler beantragt. Gefördert werden damit Fortbildungsabschlüsse wie Meister, Fachwirt, Techniker, Betriebswirt oder Erzieher, die über dem Niveau des Facharbeiters liegen. Im Gegensatz zum Schüler-Bafög können auch Menschen über 30 Jahre diese Förderung beantragen. In jedem Jahrgang gibt es zehn bis 20 Schüler mit Aufstiegs-Bafög, so Magritz. Viele Betroffene wollen bei Ablehnung in Widerspruch gehen, kündigt sie an.

Erzieher werden in Brandenburg  dringend gesucht

„Noch bevor wir die Zeugnisse übergeben, haben 70 Prozent der Absolventen einen Arbeitgeber“, berichtet Magritz. Lediglich zwei Wochen dauert es ihrer Erfahrung nach, bis eine staatlich anerkannte Erzieherin vermittelt ist. „Der Abschluss ist heute quasi eine Art Job-Garantie“, sagt die Schulleiterin.

Wie es mit der Ausbildung weitergeht, wisse sie allerdings nicht. Um möglichst lange förderfähig zu bleiben, hat das DEB die vorgeschriebenen Praxistage vorwiegend in das dritte Ausbildungsjahr verlegt. Das bedeutet für die angehenden Erzieher, dass sie sich im dritten Jahr eine andere Finanzierungsmöglichkeit suchen müssen.

Der Landkreis verweist auf eine weitere Fördermöglichkeit im Rahmen des Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetzes (AFBG): Die Kreditanstalt für Wiederaufbau bietet zinsgünstige Darlehen an, um die Lücke zwischen Zuschuss und Förderbetrag zu schließen.