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| 18:59 Uhr

Start ins Wintersemester
Studieren ohne Studium

 Im Hörsaal der BTU sind auch Gasthörer willkommen, die das Angebot der Offenen Hochschule nutzen.
Im Hörsaal der BTU sind auch Gasthörer willkommen, die das Angebot der Offenen Hochschule nutzen. FOTO: dpa / Sebastian Gollnow
Cottbus. Wer an der Universität lernen will, muss kein Student sein – er kann auch Gasthörer werden und das umfassende Bildungsangebot der Offenen Hochschule an der BTU nutzen. Von Julia Siebrecht

Am 1. Oktober startet das neue Wintersemester an der BTU Cottbus-Senftenberg und bei den   angehenden Bachelor- und Masterstudenten laufen allmählich die Semestervorbereitungen an. Doch auch für alle anderen lohnt sich der Blick ins Vorlesungsverzeichnis. Denn das Programm der Offenen Hochschule „Wissen für alle“ bietet vielfältige Möglichkeiten der akademischen Weiterbildung – unabhängig von Alter, Bildungsgrad oder Berufsabschluss.

Auch im kommenden Wintersemester wartet die Brandenburgisch-Technische Universität erneut mit einem vielseitigen Programm auf. Es können Lehrveranstaltungen der technisch-naturwissenschaftlichen Fachrichtungen besucht werden wie Einführungsvorlesungen zur Informatik, Physik, Chemie und Medientechnik, als auch solche aus dem juristischen, philosophischen und sozialwissenschaftlichen Fachbereich. Der thematische Bogen reicht vom Rechnungswesen bis zur Jazzgeschichte, von der Bodenkunde bis zur Triebwerkskonstruktion, vom Staatsrecht bis zur Klimaethik. Technikbegeisterte können sich über die Grundlagen des Eisenbahnbaus informieren. Kulturinteressierte haben im kommenden Semester die Möglichkeit, die Kunst und Ästhetik des 20. Jahrhunderts zu studieren. Das Angebot richtet sich gleichermaßen an jene, die aus rein persönlichem Interesse die Lehrveranstaltungen besuchen, als auch an solche, die sich berufsbegleitend weiterführendes Wissen aneignen wollen.

Die Gasthörerschaft berechtigt nicht nur zur Teilnahme an universitären Lehrveranstaltungen. „Mit der Einschreibung erwirbt der Teilnehmer die Wissenskarte, durch die er zahlreiche, besondere Angebote unserer Kulturpartner erhält – darunter das Stadtmuseum, das Staatstheater und das Obenkino“, erläutert Thomas Hasenauer, Koordinator der Offenen Hochschule. Darüber hinaus können die Universitätsbibliothek frei genutzt und vergünstigte Sprachkurse in Anspruch genommen werden.

Neben den Vorlesungen besteht die Option, im Rahmen des Gasthörendenstudiums Seminare, Kurse und Workshops zu besuchen. Dort lernen die Teilnehmer unter anderem das kreative Schreiben oder können mit Literaturfreunden klassische Werke interpretieren. „Was die Konzeption des Programms angeht, ist es uns ein wichtiges Anliegen, den Gasthörern die Möglichkeit des sozialen Austauschs und Miteinanders zu bieten“, sagt Thomas Hasenauer vom Weiterbildungszentrum.

Nicht allein akademisches, sondern auch ganz lebenspraktisches Wissen wird im Programm der Offenen Hochschule vermittelt. So erfährt man beispielsweise, wie man eine Patientenverfügung richtig aufsetzt, wie man in Zeiten digitaler Haushaltsgeräte die Kontrolle über die eigenen Daten behält oder seine Smartphone-Nutzung optimieren kann. „Ein besonderes Highlight sind die Exkursionen“, sagt Heidemarie Morgenstern, ehrenamtliche Seniorenassistentin der Offenen Hochschule. „Im vergangenen Sommersemester haben wir uns die Produktionsabläufe in der Papierfabrik Spremberg angesehen.“ Für das kommende Semester ist unter anderem der Besuch der Sonderausstellung „Ostberlin – die halbe Hauptstadt“ im Ephraim-Palais geplant.

Ganz ohne Anmeldung und kostenfrei kann die öffentliche Vortragsreihe der Open BTU besucht werden. Dort werden jedes Semester Fachexperten eingeladen, die zu regionalen und gesellschaftsrelevanten Themen sprechen. Für das kommende Wintersemester stehen die komplexe Energiewende und Klimapolitik sowie klassische und neue Medien im Fokus. Redner sind unter anderem der deutsche Ökonom Hans-Werner Sinn, sowie der Chefredakteur der LAUSITZER RUNDSCHAU, Oliver Haustein-Teßmer.

Fester Bestandteil der Offenen Hochschule sind die schon über Jahre bestehenden Projektgruppen, die von älteren Gasthörenden selbst organisiert werden. Die Teilnehmer treffen sich zum Malen und graphischen Gestalten, zum Gedächtnistraining oder auch zum PC-Lehrgang. „Zu Beginn eines Semesters wird sich unter den Gruppenmitgliedern auf ein Projekt verständigt, das dann in den folgenden Monaten bis zum Semesterende umgesetzt wird“, sagt Horst-Dieter Tommack, Sprecher der Projekgruppe Homepage der Seniorenuniversität. Die Gruppe geht auf einen Computerkurs zurück, der im Wintersemester vor genau zehn Jahren an der BTU gehalten wurde. Anstatt dass jeder für sich eine Seite programmierte, seien ihre Gründungsmitglieder damals auf die Idee gekommen, eine gemeinsame Website zu entwickeln, mit dem Ziel, die Seniorenuniversität auch online zu präsentieren, so Tommack.

Niemand aus der ursprünglichen Gruppe besaß vor der Teilnahme an dem Lehrgang Vorkenntnisse im Programmieren und Editieren von Webseiten. Ein Jahr später, zum Wintersemester 2010/11, wurde die Homepage der Seniorenuniversität als HTML-Seite zum ersten Mal ins Netz gestellt. Seitdem ist viel passiert: Die von der Gruppe angestrebte Umstellung auf einen Datenbankzugriff wurde umgesetzt, sodass mittlerweile alle Angebote der Offenen Hochschule von Mitgliedern der Gruppe eingepflegt und laufend aktualisiert werden können. „Unsere Zugriffszahlen haben sich seit dem Relaunch der Homepage verzehnfacht“, berichtet Horst-Dieter Tommack.