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| 18:03 Uhr

Internationaler Austausch zu Kohleregionen
Andere Länder, gleiche Wünsche

Deutsche, russische und ukrainische Jugendliche diskutierten in Cottbus über Visionen für die Kohleregionen, aus denen sie stammen.
Deutsche, russische und ukrainische Jugendliche diskutierten in Cottbus über Visionen für die Kohleregionen, aus denen sie stammen. FOTO: GLEB VEREMENKO
Cottbus. Deutsche, Russen und Ukrainer entwerfen Visionen für Kohleregionen und stoßen auf unterschiedliche Herausforderungen. Von Josephine Japke

„Die Probleme, die ihr hier in der Lausitz mit eurer Kohleregion habt, sind Luxuspobleme, verglichen mit unseren. Ihr ahnt gar nicht wie gut es euch geht“, sagt die 25-jährige Evgeniia aus dem sibirischen Kuzbass in Richtung der jungen Lausitzer. Im Rahmen einer internationalen Begegnung sprechen deutsche, russische und ukrainische junge Menschen über ihr Leben in Kohleregionen, Ängste, Wünsche und Zukunftsvisionen.

Die Unterschiede könnten dabei nicht größer sein. Denn während in Sibirien, so erklärt Evgeniia, der Kohleabbau stark zunimmt und eine ganze Region von sich abhängig macht, ist die Produktion in der Ostukraine beinahe zum Stillstand gekommen. „Der Konflikt mit Russland hat unsere Energieförderung stark geschwächt. Davon ist nicht nur die Kohleförderung betroffen, sondern auch alle anderen Unternehmen“, erklärt Tetiana (32) aus der Donbass-Region bei Donezk.

Auch in der Westukraine nahe Lviv, wo derzeit mehr als 10 000 Menschen im Kohleabbau arbeiten, sollen fünf von zehn Minen geschlossen werden. „Eine Alternative“, sagt Maksym, „wo die Menschen dann arbeiten sollen, gibt es noch nicht.“ Umweltverschmutzung, Gefahren für die Minenarbeiter, Arbeitslosigkeit und Armut gehören zu den Problemen, mit denen sich junge Russen und Ukrainer ständig auseinandersetzen müssen. Umso märchenhafter sehen sie deshalb die Lausitz. Grüne Wälder, blaue Seen, Wind- und Solarenergie und Jobs lassen die deutsche Region gar zu einer „Inspiration für ihr Heimatland“ werden.

Christiane Schwausch (35) aus dem Kreis Görlitz sieht das ganze skeptischer und sagt: „Auch wir haben hier unsere Probleme. Es gibt hier kaum Perspektiven für junge Leute, weder im Beruf, noch kulturell, weshalb viele wegziehen.“ Sperrgebiete rund um Seen und in Wäldern, Verockerung und verlassene Landstriche seien während des insgesamt sechstägigen Aufenthalts der internationalen Gäste nicht besichtigt worden.

Der Verein für Deutsch-Russischen Austausch hat die Begegnung der etwa 15 Teilnehmer aus drei Ländern organisiert. „Es ist wichtig, dass junge Menschen mit verschiedenen Hintergründen aber aus ähnlichen Regionen miteinander ins Gespräch kommen. So können sie gemeinsam andere Denkweisen und Visionen für ihre Heimat entwickeln“, erklärt Mariia Kryvokhyzhyna (26), die das Projekt betreut.

Für Tony (31) aus Hoyerswerda geht das Konzept voll auf. „Hier kommen Leute miteinander ins Gespräch, lernen sich kennen und schätzen und helfen sich gegenseitig, die sich sonst in einem Konflikt vielleicht gegenüber stehen würden“, sagt er.

An diesem Nachmittag im Cottbuser St. Johanneshaus wird deutlich, dass die jungen Menschen vor Zukunftswünschen nur so strotzen. Ganz oben auf der Wunschliste für ihre Heimat stehen mehr Arbeitsplätze, die gut bezahlt sind und Möglichkeiten zum Aufstieg bieten, attraktive Studiums- und Ausbildungsplätze und die Förderung umweltfreundlicher Energien.

„Unsere Aufgabe ist es, den Leuten zu zeigen, dass die Region, in der sie leben, durchaus attraktiv ist, wenn sie selbst etwas dafür tun“, fasst Tetiana diesen Austausch zusammen.