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| 10:35 Uhr

Spur der Gewalt
Gericht fällt Urteil zu Angriffen in Neu Schmellwitz

FOTO: LR / René Wappler
Cottbus. Angeklagter weist bereits eine lange Liste von Straftaten auf. Von Rene Wappler

Das Cottbuser Amtsgericht hat einen 36-jährigen Mann aus Neu Schmellwitz wegen Körperverletzung zu einer einjährigen Haftstrafe verurteilt, ausgesetzt zur Bewährung. Der Angeklagte Heiko L. hatte im Jahr 2018 zwei Männer aus Afghanistan in der Nähe der Zuschka angegriffen und beschimpft. Einen weiteren Mann verprügelte er in einem Schmellwitzer Imbiss.

Der Richter hielt es dem Angeklagten zugute, dass er gegenüber den beiden Männern aus Afghanistan vor einer Woche Reue gezeigt habe. Sie waren als Zeugen ins Amtsgericht gekommen, mussten jedoch nach seiner Entschuldigung nicht mehr aussagen.

In seiner Urteilsbegründung sagte der Richter zu Heiko L.: „Wir müssen in Deutschland auch Platz für andere Menschen haben.“ Der Angeklagte habe in seinen Straftaten „das Bild des hässlichen Menschen“ verkörpert. Auch der Rechtsanwalt des Beschuldigten hatte zuvor eingeräumt, dass eine „latente Fremdenfeindlichkeit neben Alkohol eine Rolle spielt“. In einer persönlichen Erklärung teilte Heiko L. mit, es treffe zu, dass es zu den Auseinandersetzungen kam. Den beiden afghanischen Männern habe er zugerufen, „was sie denn hier in Deutschland wollen, dass sie zurückkehren sollen“.

Lange Liste von Delikten

Dabei weist Heiko L. bereits eine lange Liste von Delikten auf. Zwölf Einträge finden sich im Bundeszentralregister. Dazu zählen gefährliche Körperverletzung, Sachbeschädigung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeauftragte und schwerer Hausfriedensbruch. So war er in den Jahren 1998 bis 2012 mehrmals vorbestraft.

Heiko L. erklärt dazu: „Ich muss sehen, dass ich nicht wieder irgendwelchen Mist mache.“ Derzeit arbeitet er als Dachdecker. Seinem Monatsgehalt von 1400 bis 1500 Euro stehen Gesamtschulden von mehr als 10 000 Euro gegenüber, wie er dem Richter erläutert. Den größten Anteil bilden nach seinen Worten Gerichtskosten.

Ein Zeuge leidet noch zwei Jahre später unter der Attacke des Angeklagten. Der 38-Jährige schilderte im Gerichtssaal, wie ihn Heiko L. in einem Imbiss angriff, ihn zu Boden riss, auf ihn sprang und ihm mehrmals mit der Faust auf das Ohr schlug. Wenige Minuten später soll ihm Heiko L. eine Tür des Lokals so heftig entgegengestoßen haben, dass sich der Zeuge dabei das Bein brach. Die Narben seien heute noch deutlich zu sehen. „Fußballspielen werde ich nie mehr können“, sagte der Zeuge. „Schnell laufen fällt auch aus.“ Er wisse immer noch nicht, warum ihn Heiko L. angegriffen habe.

Geldstrafe verhängt

Der Angeklagte begründete seine Attacke mit einem Streit um Geld. Demnach zockte er an einem Automaten, woraufhin der Zeuge zu ihm gesagt habe: „Wenn du gewinnst, kannst Du ja was ausgeben.“ Davon habe er sich provoziert gefühlt.

An den Zeugen soll er innerhalb der nächsten zwei Jahre 1000 Euro zahlen. Der Richter hält diese Summe trotz der bestehenden Schulden für angemessen. Auch die Kosten des Verfahrens hat Heiko L. zu tragen. Sein Anwalt versicherte, keine Rechtsmittel gegen das Urteil einzulegen.