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| 01:10 Uhr

Amt Peitz Wenn der Bagger das Licht ausknipst

Bauleiterin Sandra Strauch blättert verzweifelt in den Unterlagen, denn viele der Pläne sind fehlerhaft.
Bauleiterin Sandra Strauch blättert verzweifelt in den Unterlagen, denn viele der Pläne sind fehlerhaft. FOTO: Barbara Remus
170 Winterlinden, vier rotblühende Rosskastanien und 350 Quadratmeter Strauchwerk werden derzeit hauptsächlich entlang der Taueraner Ortsdurchfahrt gepflanzt. Sie sind Ersatz für die 114 Linden, die vor fünf Jahren dem Neubau der Straße weichen mussten. Die jetzige Neupflanzungsaktion ist spannend, und das im doppelten Sinne. Von Barbara Remus

Was lange währt, wird endlich gut, meint das Sprichwort. Doch die Realität in Tauer sieht gegenwärtig noch etwas anders aus. Bereits vor zwei Jahren sollte entlang der Ortsdurchfahrt die Ersatzpflanzung für die 114 alten Linden erfolgen, die im Jahr 2000 wegen des Straßenneubaus gefällt worden waren. Das musste vom damaligen Brandenburgischen Straßenbauamt verschoben werden.
Doch zu Beginn dieses Monats begann die Pflanzaktion - mit Überraschungen für das ausführende Unternehmen aus Doberlug-Kirchhain. Denn nicht lange, nachdem der Bagger die ersten Griffe verrichtet hatte, fielen im Dorf Straßenlampen und Telefonanschlüsse aus. „Seitdem gab es so acht bis zehn Kabeltreffer“ , schätzt Baggerführer Marc Oberleder. Erst war die Nordseite der Straße betroffen, jetzt ist es die Südseite. Bauleiterin Sandra Strauch schaut verzweifelt in ihre Planungsunterlagen: „Die sagen aus, dass auf der Nordseite in den Banketten keine Medien liegen, und auf der Südseite der Straße sollen sie inaktiv sein. Aber beides stimmt nicht. Unter den Grünstreifen auf beiden Seiten der Straße liegen aktive Strom- und Telefonleitungen.“ Ein herbeigerufener Mitarbeiter der Telekom habe zwar anhand alter Unterlagen festgestellt, dass noch von früher Leitungen unter den jetzigen Grünstreifen liegen. Aber dass sie in Betrieb sind, habe er auch nicht gewusst. Das war von Gabriele Püschel, Inhaberin des Doberlug-Kirchhainer Garten- und Landschaftsarchitekturbetriebes, zu erfahren. Als ihr Unternehmen den Zuschlag für die Bepflanzung in Tauer erhielt, wurden die Medienträger um die Bauzeichnungen gebeten. Nach diesen arbeiten derzeit die Leute vor Ort. Und sie treffen in etwa 50 Zentimetern Tiefe auf die alten Leitungen. Für die kräftigen Linden müssen etwa 100 mal 100 mal 80 Zentimeter große Pflanzgruben ausgehoben werden.
Für Frank-Dieter Manteufel, Bereichsleiter Planung und Entwurf im jetzigen Landesbetrieb Straßenwesen, Niederlassung Cottbus, sind Probleme, wie sie die Doberlug-Kirchhainer in Tauer antreffen, nicht neu. Auf vielen Baustellen laufe es ähnlich ab. "Wenn es nach uns ginge, könnten sämtliche Medien in einem Kabelkanal verlegt werden. Aber das wollen die Unternehmen nicht. Früher waren die Medien in koordinierten Leitungsverbundplänen verzeichnet. Jetzt hat jedes Unternehmen seine eigenen Unterlagen. Manchmal sind sie unvollständig. Im Fall Tauer werden wir uns noch einmal mit den Leitungsträgern zusammensetzen", sagt Manteufel. Die Chefin des Garten- und Landschaftsarchitekturbetriebes, die solche Fehl-Pläne ebenfalls von anderen Baustellen kennt, hofft, dass es nützt.
Aufgrund der unbekannten alten, aber noch aktiven Kabel können auch nicht alle 170 Winterlinden entlang der Straße gepflanzt werden. Elf bekommen deshalb in Absprache mit Tauers Bürgermeister Dieter Sommer entlang von Feldwegen in Dorfnähe ihren Platz. Entlang des "Jasmine" genannten Feldweges im Dorf wurden bereits Obstbäume als Lindenersatz gepflanzt. Am Sportplatz, in Nähe des Feuerwehrgebäudes sowie am Dreiecksplatz, an der Ortsausfahrt in Richtung Jänschwalde, erfolgten Ersatzpflanzungen mit Bäumen und unterschiedlichen Sträuchern. In der Summe sind es 260 Bäume, die an Stelle der gefällten Linden und wegen der Flächenversiegelungen künftig Sauerstoff produzieren sollen.