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Amt Peitz Begeisterte Zuschauer feiern Hahnrupf-Tieftaucher

Der bekannte sorbische Brauch des Hahnrupfens hat in der Niederlausitz eine lange Tradition: Junge Männer reiten auf ihren Pferden durch ein mit Eichenlaub geschmücktes Tor und versuchen dabei dem daran hängenden toten Hahn, Kopf und Flügel abzurupfen, um sich die Krone des Erntekönigs zu sichern. Das war schon immer so. Auch in Bärenbrück – bis zu diesem Jahr. Von Nico Nickel

Schon der erste Blick auf den Festplatz am Samstag in Bärenbrück, verriet, dass diesmal das Hahnrupfen nicht den üblichen Standards folgen würde. Denn statt dem üblichen Acker unter dem Tor befand sich dort eine 30 Meter lange und anderthalb Meter tiefe Grube gefüllt mit Wasser. Darüber hinweg führte nur ein schmaler Steg, gerade einmal einen halben Meter breit. Wie sollte da bloß ein Pferd drüber?
Die Fragezeichen in einigen Gesichtern der fast 200 Zuschauer verschwanden aber sofort mit dem Einmarsch der Teilnehmer, die nicht auf den Rücken stolzer Pferde ein ritten, sondern auf den Sätteln von nicht weniger stolzen Drahteseln.
„Es wird immer schwieriger und teurer die Pferde für das Hahnrupfen zu organisieren, da ja im Gegensatz zu früher kaum noch jemand ein eigenes Pferd zur Verfügung hat“ , erklärt Ortsbürgermeister Wilfried Neuber den Grund für die Neuerung. „Wir sind da ja nicht die Einzigen. Auch in anderen Orten hat man mittlerweile auf Fahrräder umgesattelt“ , so Neuber weiter. Die Bärenbrücker hätten kein Problem damit, ein wenig von der Tradition abzuweichen, fügte Neuber noch hinzu, zumal nächstes Jahr der Hahn wieder traditionell gerupft werden soll. Der Applaus und die gute Stimmung unter den Gästen sprachen auf jeden Fall für sich.
Um aber nicht einfach nur mit den Fahrrädern durch das Tor durchzufahren, suchte die Bärenbrücker Jugend noch nach einer Idee, um das Hahnrupfen etwas spannender und schwieriger zu machen. Da kam die Idee mit der Wassergrube, die aber nicht auf dem eigenen Mist gewachsen sei, sondern in Groß Lieskow, wo es diese unkoventionelle Art des Hahnrupfens vor vielen Jahren mal gegeben hatte.
Schon die ersten wackeligen Überquerungen des schmalen Steges durch die sieben wagemutigen und sicherlich nicht wasserscheuen „Reiter“ sorgten für so maches „Oooohhh“ und „Aaaahhh“ bei den mitfiebernden Zuschauern. Doch gerade einmal eine Minute nachdem der erste Drahtesel-Lenker den Steg unbeschadet überquert hatte, verlor einer der Mitstreiter beim Griff nach den am Tor hängenden kleinen Preisen das Gleichgewicht und tauchte als Erster unter dem Gejauchze des begeisterten Publikums kopfüber in das kühle Nass. Nach und nach folgten abwechselnd auch die anderen mit mehr oder weniger gekonnten Abgängen und Haltungsnoten. Zehn Tauchgänge und mehr pro Mitstreiter waren keine Seltenheit.

Nur einer blieb trocken
Den Kopf des Hahnes und damit die Krone des ersten Erntekönigs sicherte sich David Greschke. Im letzten Jahr, beim traditionellen Hahnrupfen war er schon zweiter König geworden. „Es hat total viel Spaß gemacht“ , sagte der Sieger im Anschluss. „Und das, obwohl überhaupt keine Zeit zum Üben war.“ Die beiden Flügel und somit die Ehren des zweiten und dritten Erntekönigs ergatterten sich Robert Böschow und André Besk. Robert Böschow war übrigens der Einzige, der nicht einmal ungewollt tauchen ging.
Auch die Ernteköniginnen wurden diesmal nicht wie sonst üblich beim Froschkarren ermittelt, sondern mussten ihre Pfannkuch-Abbeiß-Qualitäten unter Beweis stellen. Zweimal mussten sie ein kurze Strecke laufen und dann versuchen ein Stück von einem an einer Schnur aufgehängten Pfannkuchen abzubeißen. Am schnellsten war Nancy Stecklina, die erste Erntekönigin vor Monic Schimitz und Susanne Darbo wurde.