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| 01:03 Uhr

Amt Burg Erntekönig im zweiten Anlauf

Das traditionelle Hahnrupfen am Sonntag war Höhepunkt des Wochenendes in Burg. Dieses Jahr kämpften am Burger Waldschlösschen neben Jungreitern auch die Altmeister noch einmal um den Kralstitel. Von Christian Kättlitz

Einige Plüschtiere, ein Paar Arbeitshandschuhe, Getränkeflaschen, Zigarettenschachteln, ein Paket Wäscheklammern und eine Flasche Shampoo. Das sind die Trostpreise, die die 14 Reiter der Burger Dorfjugend erhaschen, bevor der „Kokot“ , der sorbische Hahn, zu seinen Ehren kommt. Sechs der Reiter hatten bereits an früheren Hahnrupfen teilgenommen und haben sich nach einem Aufruf durch die Domowina-Jugend noch einmal ins Starterfeld eingereiht.
Bereits zum 110. Mal fand in diesem Jahr das traditionelle Erntefest der Burger Jugend statt. Bei dem weit verbreiteten Hahnrupfen wird ein toter Hahn kopfüber an ein Tor gehängt und mehrere Reiter, die sich normalerweise aus der Dorfjugend rekrutieren, müssen versuchen, den Kopf des Tieres zu ergreifen. Wer es schafft, kann sich mit dem Titel eines „Krals“ (König) schmücken. Die starke Verbundenheit mit der Tradition zeigt sich auch in Burg, so im obligatorischen Spielmannszug, den trachtentragenden Dorfschönheiten oder der zweisprachig, in Deutsch und Sorbisch, vorgetragenen Eröffnungsrede.
Dass das Hahnrupfen aber trotz aller Tradition ethisch nicht unumstritten ist, zeigt die Reaktion von Jana Teltschick, einer Besucherin aus dem Fränkischen: „Das Tier ist zwar bereits tot, aber in Zeiten von aktivem Tier- und Umweltschutz ist das trotzdem barbarisch. Es werden ja schließlich auch keine Hexen mehr verbrannt und das könnte man auch Tradition nennen.“ Mit dieser Meinung stand sie aber weitgehend allein da.
Ohnehin haben sich nur wenige Touristen zu dem Hahnrupfen verirrt. Dass die Wiese an der Waldschlösschenstraße aber trotzdem sehr gut besucht ist, liegt vor allem an der Dorfjugend sowie den Bewohnern der umliegenden Gemeinden. Das verleiht der Veranstaltung einen typischen Volksfestcharakter. So hört man zum Beispiel schon am Getränkestand fast nur das vertraute „Du“ . Und die Väter, die ihre reitenden Söhne anfeuern, sind über die ganze Wiese zu hören.
Bei der Siegerehrung kommt es zu einem Zwischenfall. Als sich herausstellt, dass der zunächst zum Kral gekürte Oliver Lehmann gar nicht den Kopf des Hahnes abgerissen hat, wird die Zeremonie abgebrochen und das Hahnrupfen fortgesetzt. Am Ende kann Marko Gollasch den Hahnenkopf erhaschen. Er erhält Siegerkranz und Pokal. Pech für ihn: Weil der Reiterball bereits am Samstag stattfand, fällt die traditionell dem Kral zustehende Wahl der Tanzpartnerin diesmal aus.