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| 17:16 Uhr

„Am besten gleich rausreißen“
Allergiker-Schreck Ambrosia wuchert am künftigen Cottbuser Ostsee

 Sieglinde Sack (links) und Isabell Hiekel haben Ambrosia-Fundstellen am Merzdorfer Aussichtsturm untersucht.
Sieglinde Sack (links) und Isabell Hiekel haben Ambrosia-Fundstellen am Merzdorfer Aussichtsturm untersucht. FOTO: LR / René Wappler
Cottbus. Eine Cottbuser Naturschützerin hat im geplanten Erholungsgebiet rund um den künftigen Ostsee mehrere Standorte der gefürchteten Pflanze gefunden.

Ambrosia-Pflanzen breiten sich am Gebiet für den Cottbuser Ostsee aus. Die Cottbuser Naturschützerin Sieglinde Sack hat genauer untersucht, wo das Kraut aus dem Boden sprießt, um das viele Allergiker einen Bogen schlagen. Sie traf sich am Montag mit der bündnisgrünen Umweltpolitikerin Isabell Hiekel am Merzdorfer Aussichtsturm. Dabei übergab sie ihr eine Liste mit Fundstellen am künftigen Gewässer.

Montag, 13 Uhr. Nach einem Fußweg von einer Minute bleiben die beiden Frauen zum ersten Mal stehen. Die schmale Asphaltstraße zieht sich vom Aussichtsturm parallel zur Kaimauer durch das Gelände. Sieglinde Sack deutet auf die Pflanzen, die den Weg säumen.

„Hier sehen wir schon ein Beispiel“, sagt sie zu Isabell Hiekel. „An manchen Stellen ist alles voll mit Ambrosia.“

Von Husten bis Asthma

Seit mehr als 20 Jahren engagiert sich Sieglinde Sack als Hobbybotanikerin, wie sie selbst berichtet. Den künftigen Ostsee hat sie mehrmals besucht. Dabei fielen ihr die vielen Exemplare der Pflanze auf, die als Allergieauslöser gefürchtet ist.

Zu den Symptomen zählen nach Angaben des Landesamtes für Umwelt „tränende Augen, Heuschnupfen, Kopfschmerzen oder Husten bis hin zum Asthma“. Eine Berührung könne bei sensibilisierten Menschen zu Hautausschlägen, Nesselsucht oder roten, juckenden Quaddeln führen.

Die bündnisgrüne Politikerin Isabell Hiekel lässt sich von Sieglinde Sack weitere Fundstellen zeigen. Darüber hinaus hat die Hobbybotanikerin mehrere Standorte in der Region schriftlich dokumentiert. Die Ambrosia artemisifolia wächst demnach unter anderem am Rand der Dissenchener Hauptstraße und am Radweg aus Schliechow, der südlich am Ostsee vorbeiführt.

Isabell Hiekel sagt: „Das ist natürlich ein großes Problem, wenn man hier ein Erholungsgebiet entwickeln will.“

Kostenloses Programm verfügbar

Nach den Worten von Sieglinde Sack sprießt das Allergiekraut vor allem, wenn billiges Saatgut zum Einsatz kam. Sie berichtet von einem Sonnenblumenfeld in Leuthen, auf dem die Exemplare der Ambrosia wucherten. „Ein Stück weiter war nichts dergleichen zu sehen“, sagt sie. „Damit war mir völlig klar, dass es eingesät ist.“

Das Land Brandenburg hat gemeinsam mit dem Institut für Meteorologie an der Freien Universität Berlin ein kostenloses Programm namens „Ambrosia Scout“ ins Internet gestellt. Es informiert darüber, dass die Pflanze bis zu zwei Meter hoch werden kann, dass ihr Stängel rund und behaart ist, dass die Blätter auf der Ober- und Unterseite grün gefärbt sind und sich somit deutlich vom silbrig-weißen Beifuß unterscheiden. Das Programm sammelt alle gemeldeten Fundorte. In Cottbus zählen dazu bislang die Kochstraße, die Joliot-Curie-Straße, die Madlower Chaussee und der Merzdorfer Aussichtsturm.

Die Ratschläge der Fachleute zum Umgang mit der Ambrosia decken sich mit den Erfahrungen, die Sieglinde Sack gesammelt hat. „Eigentlich hilft es nur, sie ganz herauszureißen“, sagt sie. „Am besten noch vor der Blüte, und dann ab damit in den Müll, bloß nicht auf den Dünger.“ Der „Ambrosia Scout“ empfiehlt, beim Entfernen Handschuhe zu tragen. Allergiker sollten sich wiederum ganz von dieser Aufgabe fernhalten.

Bericht im Landtag

Dr. Ulrich Widders vom Brandenburger Gesundheitsministerium berichtete im Mai im Potsdamer Landtag, „ein regional verschärftes Vorkommen“ der Pflanze sei in Cottbus, Drebkau und Vetschau zu beobachten. Ein Landesprogramm solle eine rechtliche Grundlage schaffen, um die Ambrosia zu bekämpfen.

Allerdings müssen sich dazu noch die Fachressorts einigen, wie Isabell Hiekel bei ihrem Besuch am Merzdorfer Aussichtsturm zu bedenken gibt. Sie betrachtet den „Ambrosia Scout“ als eine nützliche Investition, die betroffenen Einwohnern helfen könne.

Auch die im Jahr 2018 neu geschaffene Stelle eines Ambrosia-Beauftragten für das Land Brandenburg sei ein richtiger Schritt. Diese Aufgabe hat der Diplom-Agraringenieur Martin Hoffmann übernommen. Er verfolgt das Ziel, den Ambrosiabefall deutlich zu reduzieren, eine weitere Ausbreitung zu verhindern und damit gesundheitliche Gefahren abzuwenden.