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| 19:07 Uhr

Ambrosia plagt die Niederlausitz
Ein Feld voller Ambrosia

 Ambrosia, so weit das Auge reicht: In Steinitz bei Drebkau ist ein ganzes Feld mit der Allergien auslösenden Pflanze überwuchert.
Ambrosia, so weit das Auge reicht: In Steinitz bei Drebkau ist ein ganzes Feld mit der Allergien auslösenden Pflanze überwuchert. FOTO: LR / Liesa Hellmann
Drebkau. In Drebkau wächst die Allergien auslösende Pflanze überall. Betroffene Kommunen machen auf das Problem aufmerksam. Von Liesa Hellmann

Tränende Augen, Atmennot, verstopfte Nase – „ein Waldspaziergang geht für mich nur mit Luftnot“. So beschreibt die Drebkauerin Nicole die Symptome, die die Pollen der Pflanze Ambrosia bei ihr auslösen. Nicole möchte nicht mit ihrem vollen Namen in der Zeitung genannt werden. Zwar ist die Ambrosia-Allergie kein selbst verschuldetes Leiden, sie möchte dennoch nicht als Beispielfall in der Öffentlichkeit stehen. Denn die Pflanze belastet sie, schränkt sie im täglichen Leben ein.

Ein sorgloser Sommerspaziergang mit ihrem Hund an den Feldern und Wiesen hinter ihrem Haus entlang, ist ihr nicht möglich. Medikamente gegen allergische Reaktionen hat sie immer dabei, der Hund muss gebadet werden, bevor er ins Haus darf, denn sonst trägt er die Pollen mit nach drinnen. „Ich hatte schon Lähmungserscheinungen wegen der Pflanze“, erzählt die Frau. Das schlimmste Symptom sei die Angst: „Man weiß nie wie weit es geht.“

Das Land muss helfen

In Drebkau treffe sie überall auf Ambrosia: an Straßenrändern, Gehwegen, auf dem Spielplatz. „Drebkau kann das nicht allein schaffen“, sagt sie. „Die Stadt braucht Hilfe vom Land.“

Das sieht Bürgermeister Paul Köhne (CDU) genauso. Finanzielle Unterstützung vom Land sei nötig, um Geräte anzuschaffen, mit denen die Ambrosia-Pflanze noch vor der Blüte abgemäht werden kann. Seit dem Jahr 2008 ist Ambrosia ein Problem in Drebkau, seit 2010 misst eine Pollenfalle die Belastung durch Ambrosiapollen in der Stadt. Bereits zehn Pollen pro Kubikmeter Luft können  bei sensibilisierten Menschen wie Nicole allergische Symptome auslösen, heißt es auf den Seiten des Umweltbundesamtes. In der Drebkauer Pollenfalle wurden am 13. August dieses Jahres 38 Pollen pro Kubikmeter Luft gemessen, zwei Tage zuvor waren es 98.

Im März dieses Jahres hatten die Bürgermeister von Drebkau, Vetschau, Forst, Calau, Welzow und Spremberg sowie der Gemeinden Kolkwitz, Schenkendöbern, Neuhausen und des Amtes Altdöbern ein Positionspapier an den Brandenburger Landtag überreicht. Bei einem von Ambrosia überwucherten Feld am Ortsrand von Steinitz treffen sie sich am Donnerstagnachmittag für ein öffentlichkeitswirksames Foto: „Landluft statt Ambrosiaduft“, steht auf dem Plakat.

Lottomittel gegen Ambrosia

Dass die Aktion nicht zufällig kurz vor den Landtagswahlen stattfindet, gibt Paul Köhne unumwunden zu: „Wir haben das natürlich bewusst gemacht.“ Es solle aber nicht dabei  bleiben. Die Kommunen seien an einem Austausch interessiert, betont Drebkaus Bürgermeister.

Ebenfalls vor Ort ist Jens-Uwe Schade, Pressesprecher des Ministeriums für Ländliche Entwicklung (LELF). „Wir sehen alle, dass noch viel zu tun bleibt“, sagt er. Es sei aber bereits viel unternommen worden. So sei eine Broschüre zur Aufklärung für Landwirte erschienen und Lottomittel zur Bekämpfung der Pflanze in Drebkau ausgegeben worden.

Pflanze läßt sich nicht mehr vollständig entfernen

„Die Probleme mit der Pflanze lassen sich leider nicht allein durch den Pflanzenschutz oder Anbaustrategien in der Landwirtschaft lösen“, so Schade. „Wo Kommunen beziehungsweise Private den Flächenzugriff haben, sind diese auch in der Verantwortung.“ Im Oktober vergangenen Jahres hat im Ministerium zudem ein Ambrosia-Beauftragter die Arbeit aufgenommen, an den sich Kommunen und Betroffene wenden können. Er koordiniert die Projekte der beteiligten Ministerien.

Nicole hat die Hoffnung bereits verloren, dass sich die Ambrosia-Situation in Drebkau nachhaltig ändern wird. Fest steht: Vollends entfernen kann man die Pflanze nicht mehr. Ziel ist es, sie zumindest so weit es geht zurückzudrängen.

 Mehr finanzielle Unterstützung im Kampf gegen Ambrosia wünschen sich die Vorsteher mehrer Städte und Gemeinden im Landkreis Spree-Neiße und Spreewald.
Mehr finanzielle Unterstützung im Kampf gegen Ambrosia wünschen sich die Vorsteher mehrer Städte und Gemeinden im Landkreis Spree-Neiße und Spreewald. FOTO: LR / Liesa Hellmann