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Am Ufer der rauschenden Spree

Die Karte zeigt die Wehrbrücke zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Die Karte zeigt die Wehrbrücke zu Beginn des 20. Jahrhunderts. FOTO: Sammlung Krause
Cottbus. Heimatforscherin Dora Liersch erzählt die Geschichte der Partie an der Wehrbrücke (kleines Spreewehr), basierend auf einer Ansichtskarte, die aus der Sammlung von Hans Krause stammt. Dora Liersch / dli9

Diese Ansichtskarte ist relativ selten. Der Cottbuser von heute hat gewiss Schwierigkeiten, den Standort des Fotografen von damals zu lokalisieren. Rechts eine wunderschöne Baumreihe, die um 1901 gepflanzt wurde. Es sind weißblühende Rosskastanien. Die gesamte Anlage war seinerzeit von den Mitgliedern des Cottbuser Verschönerungsvereins angelegt und auch finanziert worden. Wir befinden uns am Mühlgraben, zwischen der heutigen Franz-Mehring-Straße und der Querverbindung von Ostrower Steg und kleinem Spreewehr, dem in den 1950er Jahren gestalteten Frühlingsgarten.

Einige wenige Kastanienbäume stehen heute noch, allerdings zwischendurch kräftig in ihren Kronen zurückgestutzt. Die Bäume links und in der Bildmitte dürften heute die mächtigen Schatten spendenden Buchen sein unter denen noch eines der Holzhäuser, die zur Mitte der 1950er Jahren für die damalige Blumenschau "Grünen und Blühen an der Spree" errichtet worden waren. Den breiten Wiesenstreifen gibt es heute nicht mehr, dafür einen zusätzlichen Uferweg westlich der Spree von der Franz-Mehring-Straße zum kleinen Spreewehr. Von ihm hat man den Blick auf das kleine Spreewehr.

Zur frühen Geschichte dieses Spreewehrs gibt es nur wenige Angaben. Auf dem ältesten Cottbuser Stadtplan von Seyfried Handtschky aus dem Jahre 1720 ist das Wehr schon eingezeichnet. Sicher ist es um vieles älter, denn um Mühlen mit Wasserkraft zu betreiben, und davon gab es mehrere am Mühlgraben, braucht man eine zuverlässige und gleichbleibende Wasserkraft, die nur mit Anstau von Wasser gewährleistet werden kann. Hinweise auf ein Wehr gibt es aus der Zeit um 1435. Aber auch der Stadthistoriker, Arzt und Bürgermeister von Cottbus, Dr. Johann Friedrich Beuch, erwähnt dieses Spreewehr 1556. Im 18. Jahrhundert reichte die Wasserkraft sogar zum Betreiben einer Schneidemühle. Die Spree eignete sich zum Holz flößen. Die heutigen Grundstücke Ostrower Damm 1 bis 3 liegen teilweise auf einer Insel. Sie trug früher den Namen des Besitzers und nannte sich Klingmüllersche Holzinsel, aber auch der einfache Begriff "Holzhof" war gebräuchlich. Das geflößte Holz wurde dort am kleinen Inselgraben für die weitere Verwendung abgefangen. Zur Schneidemühle am kleinen Spreewehr war es dann nicht weit. In einem Bericht vom 19. April 1785 heißt es zu einem Spreehochwasser: "... brach die angeschwollene Spree oberhalb des Steges (des Spreewehrs) durch. Das Wasser ging über die Hospitalhutung beim Schützenhause vorbei und der Mühlgraben ward ganz trocken ..." Die Schneidemühle wurde sechs Jahre später, 1791, abgebrochen und im Jahre 1796 wieder aufgebaut. Ein Gemälde und mehrere Stadtansichten zeigen das Wehr und auch die Schneidemühle in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Wie lange die Schneidemühle gestanden hat, ist nicht genau bekannt. Das kleine Spreewehr ist 1852 erneuert worden. Man nimmt an, dass es eine Holzkonstruktion war, die auf einer Pfahlgründung erbaut wurde. In den Rechnungen der Stadt- und Kämmereikasse werden regelmäßig Brücken- und Wehrbauten, die repariert wurden, genannt.

Nicht immer ist ersichtlich, um welches Bauwerk es sich dabei handelte. Gewiss ist in all den Jahren auch am kleinen Spreewehr immer wieder einiges verbessert worden. Im Jahre 1945 ist die Wehrbrücke zerstört worden. Wieder betriebsfähig war dann die Wehrbrücke 1948. Jedenfalls standen die Jahreszahlen 1947 bis 1948 am Bauwerk. Wahrscheinlich sind auf dem noch vorhandenen Unterbau neue Wehrpfeiler gemauert und der Einbau von Verschlusseinrichtungen für das Wehr betriebsfähig gemacht worden. Im Vorfeld zur Planung der Bundesgartenschau 1995 in Cottbus wurde eine gezielte Bauzustandsanalyse der wasserwirtschaftlichen Anlage veranlasst, deren Ergebnis katastrophal war. Schließlich ist so ein richtig funktionierendes Wehr wichtig für den Wasserhaushalt für die vielen Grünanlagen, auch des entstehenden Bugageländes, des Biotopverbundes Spreeaue. Außerdem ist die Spree im Raum Cottbus die Bemessungsgrundlage für Ausbaumaßnahmen und bei Hochwasser. Von Mai 1994 bis April 1995 konnte ein komplettes neues Wehr in zwei Bauabschnitten errichtet werden. Ohne Einschränkungen der Leistung wurden die vier Wehröffnungen von zwölf auf neun Meter verringert. Die Wehrverschlüsse sind Doppelschütze mit getrennten Antrieben. Das Wehr ist elektrifiziert worden, besitzt zusätzlich einen Nothandantrieb.

Ferner gibt es für das Personal einen separaten 1,50 Meter breiten Bedienungssteg. Die Wehrbrücke ist für Fußgänger und Radfahrer freigegeben. Sie ist vier Meter breit und 43 Meter lang. Für Paddelbootfahrer gibt es je einen Anlegesteg im Ober- und Unterwasser des Wehres, um das Bauwerk zu umgehen. Ferner ist innerhalb des Wehres eine Fischaufstiegstreppe integriert und eine Fischotterröhre an der westlichen Seite. Am 20. April 1995 fand die Einweihung des neuen "Kleinen Spreewehrs" statt.