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Am buntesten treibt es das Damwild

Das Eichhörnchen im Cottbuser Goethepark trägt in diesen kühlen Tagen noch seinen etwas grauen Winterpelz und kann leicht mit dem Grauhörnchen verwechselt werden.
Das Eichhörnchen im Cottbuser Goethepark trägt in diesen kühlen Tagen noch seinen etwas grauen Winterpelz und kann leicht mit dem Grauhörnchen verwechselt werden. FOTO: Frank Hammerschmidt
Cottbus/Spree-Neiße. Gefleckte Wildschweine flitzen durch die Wälder um Cottbus und im Spree-Neiße-Kreis. Das Europäische Eichhörnchen bietet so viele Farbschläge an, dass es nicht immer einfach vom gefürchteten Grauhörnchen zu unterscheiden ist. Am buntesten aber treibt es das Damwild. Annett Igel-Allzeit

Über 80 Jahre alt ist der Kiekebuscher Dieter Bartusch, aber das habe er noch nicht gesehen: helle Wildschweine mit schwarzen Flecken. Nahe Forst kurz hinter Gosda, so erinnert er sich, flitzte vor ihm und seiner Frau eine Wildschweinrotte über die Straße. "Erst dachte ich, da sind einem Züchter ein paar Hausschweine ausgerissen", schildert Bartusch die Beobachtung. Nichts Neues für Oliver Schulze, Vorsitzender des Kreisjagdverbandes Spree-Neiße/Cottbus: "In einigen Wildschweinrotten treten tatsächlich immer mal wieder gescheckte Exemplare auf. Das hat für uns sogar einen gewissen Wiedererkennungseffekt. Es hilft uns, die Rotten in einem Gebiet zu unterscheiden", so Oliver Schulze. In den 70er-Jahren in der DDR hatte man nach einer Bestandsaufnahme von drei Prozent Schecken unter den Wildschweinen gesprochen.

Eine bessere Anpassung an die Natur wie beim Leoparden schließt Schulze aber aus. "Das macht keinen Sinn, denn tatsächlich fallen uns Jäger genau diese Exemplare besonders auf und kommen uns somit oft zuerst vor die Flinte." In der Lehre, so erinnert sich Schulze, wurde erklärt, dass es irgendwann in der Linie dieser Wildschweine mal ein Hausschwein gegeben haben muss und die Flecken gelegentlich wieder durchkommen. Als Hausschweine noch viel häufiger als Weideschweine gehalten wurden, konnte es zu solchen Kreuzungen kommen.

Am buntesten aber trieben es die Damhirsche, so Oliver Schulze. Und auch hier ist der Mensch nicht ganz unschuldig daran - die Zeit der Hirschparks soll die Farb anomalien gefördert haben. Je nach Region seien zwischen zehn und 30 Prozent der Damhirsche im Sommer nicht in einem hellen Rotbraun mit weißen Flecken und dunklem Aalstrich von Oberschenkel bis Hals gekleidet. Neben den berühmten weißen Hirschen - ganz selten sind es echte Albinos - wird auch rotes und hellbraunes Damwild ohne Aalstrich gesichtet. Die häufigste Farbvarietät sei schwarz.

Und "schwarze Schafe" gebe es auch beim Rehwild. "Im nördlichen Mitteldeutschland kommen diese schwarzen Rehe besonders häufig vor", sagt Schulze. Und das ist schon seit Jahrhunderten so: Denn bereits 1591 soll Landgraf Wilhelm von Hessen-Kassel vom Herzog Heinrich Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel in einem Brief um ein solches schwarzes Reh gebeten haben.

Auch einen Birkfuchs - einen Rotfuchs mit einem sehr hellen Pelz und ganz weißer Blume - hat Oliver Schulze auf seinen Streifzügen schon gesichtet.

Nicht vor die Flinte des Jägers kommt das Eichhörnchen. "Es gehört zu den besonders geschützten Arten", erklärt Schulze. Aber aufgrund der Debatte um das Amerikanische Grauhörnchen werden die Farbvariationen, die das Europäische Eichhörnchen bieten kann, plötzlich wichtig. Vertreibt robustere Grauhörnchen das Europäischen Eichhörnchen? Nach Beobachtungen in Großbritannien und Italien wird im Grauhörnchen eine "invasive gebietsfremde Art" gesehen, die das Europäische Eichhörnchen ganz ausrotten könnte. Und sie wird seit mindestens zwei Jahren auch in Cottbus beobachtet. Nur ist die Verwechslungsgefahr groß: Die Farbpalette der heimischen Eichhörnchen reicht vom hellen Braun über das kräftige Rot bis zum Grau. Die langen Ohrpuschel, die sie neben der kleineren Körpergröße von den Grauhörnchen unterscheiden, haben sie oft nur im Winter.

Den Wildscheinen zumindest hat der Sonderling in der Rotte doch geholfen. "Das weiß-schwarz gescheckte Fell habe ich als Autofahrer deutlich gesehen, obwohl es schon dunkel war", sagt Dieter Bartusch.