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Altlast und neue Last

Das ist schon eine bittere Pille. Was ließe sich in Cottbus alles mit 10,5 Millionen Euro anfangen. Stattdessen wird das schöne Geld für die Entgiftung einer alten Industriefläche geopfert. Aber es bleibt keine Wahl. Unterm Boden tickt eine chemische Zeitbombe.

Das Grundwasser trägt das Gift aus dem einstigen Firmengelände hinaus.
In Cottbus wird wie vielerorts ein später Tribut an die Industriegesellschaft fällig. Als nach dem Krieg die Schornsteine wieder rauchten, fragte niemand danach, ob industrielle Abfälle, Abgase oder Chemikalien die Natur schädigen könnten. Ab den 70er-Jahren hätte man es besser wissen müssen. Aber nichts geschah. Die Cottbuser SPD-Landtagsabgeordnete Heidemarie Konzack erinnert sich an den Potsdamer Chemiehandel: „Da lagen immer massenweise Fässer. Aber dass so schludrig gearbeitet wurde, hatte ich mir nicht vorgestellt.“
Bei einer Ausgabe im zweistelligen Millio-
nen-Euro-Bereich ist die Frage erlaubt: Was würde eigentlich geschehen, wenn man einfach alles so ließe, wie es ist? Vielleicht über längere Zeit nichts. Aber kein Mensch mit einer schweren Krankheit würde auf die Behandlung verzichten, weil die Krankheit noch nicht ausgebrochen ist.
Der Beginn der Entgiftung bedeutet für Cottbus mehr Lebensqualität, selbst wenn dies nicht in irgendeiner Weise deutlich spürbar wird. Vielleicht sieht man das in ein paar Jahren, wenn auf dem verkehrsgünstig und zentral gelegenen Altlastenstandort das erste Volksfest gefeiert wird.