ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 12:42 Uhr

Galerien, Café, Prima Wetter, Scandale
Alter Cottbuser Bahnhof wird neuer Hotspot für Kunst und Barkultur

 Wartesaal wird zur Galerie: Sven Krüger und Heiko Straehler-Pohl sind die Köpfe der Galerie Fünf und der Galerie Brandenburg, die im Großenhainer Bahnhof ihr neue Domizil gefunden haben. Ein Antiquariat, ein Café und Ateliers folgen in den nächsten Wochen.
Wartesaal wird zur Galerie: Sven Krüger und Heiko Straehler-Pohl sind die Köpfe der Galerie Fünf und der Galerie Brandenburg, die im Großenhainer Bahnhof ihr neue Domizil gefunden haben. Ein Antiquariat, ein Café und Ateliers folgen in den nächsten Wochen. FOTO: Michael Helbig
Cottbus. In ein altes Cottbuser Bahnhofsgebäude an der Wilhelm-Külz-Straße zieht mit Galerien und einem Café neues Leben ein. Die Freiluft-Bar Prima Wetter und das Scandale werden direkte Nachbarn. Von Peggy Kompalla

Selbst mancher alteingesessener Cottbuser ist ratlos, wenn er den Namen Großenhainer Bahnhof hört. Das Baudenkmal aus rotem Backstein in der Güterzufuhrstraße führte in den vergangenen Jahrzehnten ein verstecktes Dasein. Doch mit dem Neubau des Bahnhofstunnels steht der Bau aus dem Jahr 1873 plötzlich im Mittelpunkt. In dem Haus richten sich dieser Tage die Galerie Brandenburg und die Galerie Fünf ein. Demnächst folgen ein Antiquariat und ein Café. Künstler finden in dem Haus Ateliers und nebenan baut sich gerade die alternative Freiluft-Bar Prima Wetter eine Herberge.

Die vermeintliche Rückseite des Cottbuser Bahnhofs ist im Wandel begriffen. Den Anfang machte der neue Tunnel. Der endet direkt vor einem prächtigem Bau – dem Großenhainer Bahnhof. Die 2,20 Meter hohen Fenster sind am Freitagvormittag offen. Wer einen Blick hineinwirft, dem eröffnet sich ein eleganter Wartesaal mit mehr als sechs Meter hohen Stuck verzierten Wänden. An Extravaganz grenzende großformatige Bilder stehen auf dem Boden. Sie warten darauf, aufgehängt zu werden. Ein Gerüst steht in der Mitte des Saals.

Besonderes Licht, besonderes Ambiente

Die Maler kommen in der nächsten Woche und der Elektriker muss die großen Ringleuchten vom Cottbuser Lichtdesigner Stefan Restemeier an die Decke bekommen. Das wird eine Herausforderung. Sven Krüger streicht sich bei dem Gedanken mit der Hand übers Gesicht, die Finger gleiten durchs Haar. Aber dann ist der erste Galerie-Raum fast komplett. Auf der Rückseite steht ein Tisch. Rund herum laden plüschige Sessel zum gepflegten Niederlassen ein. Sven Krüger streicht über den samtenen Stoff. „Es soll zum Ambiente passen.“

Ambiente strahlen die Räume fast von allein aus. Das wissen die beiden Galeristen Sven Krüger und Heiko Straehler-Pohl. Die Männer stehen für die Galerie Fünf und die Galerie Brandenburg. Im Großenhainer Bahnhof finden die Sammlungen ihren neuen Stammsitz. Die Wände werden in den nächsten Tagen und Wochen bunt. „Das ist aber kein Museum“, betont Sven Krüger. Alle Werke stehen zum Verkauf. Große Leinwände gehören dazu, aber auch Fotografien, Grafiken, Skulpturen, Objekte und Installationen sollen in dem Haus ihren Platz finden. „Hier zeigen wir bekannte Künstler aus Cottbus, der Region und auch darüber hinaus“, erklärt Krüger.

Renaissance des Großenhainer Bahnhofs FOTO: Michael Helbig

Das Haus verströmt längst jetzt eine kreative Stimmung. Heiko Strae­hler-Pohl ergänzt: „Wir haben hier den Luxus ganz flexibel zu sein. Wir sind offen für alle Ideen.“ Vorträge, Filmvorführungen, Ausstellungen anderer Veranstalter. Die Liste ließe sich fortsetzen. Neben den Ausstellungsräumen im Wartesaal und im Vestibül, finden zudem zehn Künstler ihre Ateliers in dem Haus. Ihre Vorstellungen und Arbeiten werden in den nächsten Monaten im Bahnhof einziehen. Alle Räume sind vergeben.

„Das Haus muss öffentlich werden“, betont Krüger. Das kommt fast von allein. Ein Antiquariat wird derzeit eingerichtet. Der zweite Wartesaal wird zum Café umgebaut. Passend liegt es genau vis-à-vis des Bahnhofstunnels. Wer ein gepflegtes Bierchen oder einen Cocktail – vielleicht zu späterer Stunde – vorzieht, geht einfach nebenan ins Prima Wetter.

Gastspiel von Freiluft-Bar Prima Wetter

Noch schwitzen die Männer beim Aufbau. Chef Philipp Gärtner nennt noch keinen Eröffnungstermin. „Aber an den Wochenenden im Juni wollen wir aufmachen.“ Zwischen den Verladerampen der ehemaligen Güterabfuhr werden Sitzgelegenheiten gezimmert. Das Grundgerüst für eine Terrasse steht. Die Planken fehlen. Blümchen recken sich zwischen den Holzkonstruktionen. Madlen Groba kümmert sich um die Gestaltung der Anlage. Wer die Freiluft-Bar mit Material unterstützen will: Die Mannschaft freut sich über Spenden. Fahrradfelgen, Blumen, Töpfe und Pflanzkübel jeglicher Art werden als Deko gesucht. Farbe kann das Prima Wetter auch noch vertragen. „Alles außer braun“, scherzt Philipp Gärtner und meint es doch ernst.

Die Bahnhofskulisse wird für die Sommer-Bar allerdings auch nur eine Zwischenbelegung – allerdings die letzte nach dem Haus der Armee und der Gartensparte Abendfrieden. Im nächsten Jahr zieht das Prima Wetter ein paar Hundert Meter weiter in Richtung alter Spreewaldtunnel. Der Club Scandale bekommt dort ebenfalls ein neues Zuhause. Die letzte Party in der alten Unterkunft in der Villa an der Karl-Liebknecht-Straße steigt laut Chef am 21. Juni. Mit neuem Konzept und neuem Namen geht es am Bahnhof im nächsten Jahr weiter: Scandale Endstation.

Cottbus ist da noch lange nicht angelangt. Im Gegenteil: Es bewegt sich eine Menge am Bahnhof. Diese Stimmung schwappt langsam auch in die Stadt über.