In Ostrow verschwindet wieder ein Schornstein und damit ein Stück Industriegeschichte in Cottbus. Stadthistoriker Steffen Krestin bedauert dies: "Die Merkur-Brauerei ist eines der wenigen Zeugnisse für die lange Tradition des Bierbrauens in Cottbus seit dem 14. Jahrhundert."

Doch für die Immobilie gibt es offenbar keine andere Zukunft als den Abriss. Das versichert Gudrun Finger von der Gesellschaft zur Entwicklung und Sanierung von Altstandorten (Gesa). Das Unternehmen des Bundes ist seit dem Jahr 2012 im Besitz des einstigen Betriebsgeländes. Die Immobilie war nach einem langjährigen Rechtsstreit an die Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben gefallen und an die Gesa übertragen worden. "Das Grundstück ist in solch einem ruinösen Zustand, dass es nur mit hohen Risiken vermarktbar wäre", erklärt Gudrun Finger. Deshalb sei die Entscheidung für den Abriss gefallen.

Das gesamte Gelände soll beräumt werden. Die Kosten für Abriss und Entsorgung schätzt die Gesa auf rund 300 000 Euro. Die Arbeiten sollen im Februar beginnen und sind bis Oktober geplant. Dabei werden alle Gebäude und Anlagen auf dem Betriebsgelände abgetragen - inklusive der im Untergrund befindlichen Bauwerke. Die Gruben werden verfüllt. "Auch der weithin sichtbare 55 Meter hohe Heizhausschornstein wird fallen", erklärt die Unternehmenssprecherin. Auf dem Industriebau liegt demnach kein Denkmalschutz.

Mit dem Abriss verschwindet eine Brache am Rand der Innenstadt, die sogar Eingang ins Stadtentwicklungskonzept von Cottbus gefunden hat. Unter den Stichworten "Neuordnung, Nachnutzung, Entwicklung der Fabrikareale und Brachflächen" ist die Merkur-Brauerei aufgelistet. Genau das hat die Gesa vor. "Das Gelände soll durch die Beräumung so hergerichtet werden, dass es nach einem geplanten Verkauf auch höherwertig nutzbar ist", erklärt Gudrun Finger. Soll heißen: Es wäre auch eine Wohnbebauung möglich. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite stehen frisch sanierte Bürgerhäuser aus der Gründerzeit.

Die Brauerei brachte es einst auf eine Jahresproduktion von 80 000 Hektolitern Bier und 14 000 Hektolitern Limonade, Selters, Vita Cola und die Cola-Marke Chico. Das hat der Heimatforscher Hans-Hermann Krönert zusammengetragen. Die Merkur-Brauerei war die größte Cottbuser Brauerei des vergangenen Jahrhunderts, die seit 1918 als Vereins-Brauerei, ab 1925 als Kurmärkische und später als Merkur-Brauerei geführt wurde. Produziert wurde Cottbuser Vollbier, Cottbuser Pils und Deutsches Pilsner. Im Jahr 1992 kam das Aus für die Bierproduzenten in der Bautzener Straße.

Im Jahr 1385 wurde das Cottbuser Brautum erstmals urkundlich erwähnt.