Die Maltechnik, bei der in Wachs gebundene Farbpigmente heiß auf den Untergrund aufgetragen werden, scheint erst seit wenigen Jahrzehnten bekannt zu sein. "Ein Irrtum", wird Gudrun Rink nicht müde zu beteuern. "Ihre Ursprünge liegen mehr als 3000 Jahre zurück." Leonardo da Vinci habe die Enkaustik für seine berühmten Deckengemälde genutzt. Mehr noch: Schon die alten Griechen, Römer und Ägypter haben sie mit Hilfe von Feuerschalen praktiziert.

Ihr wäre das zu unbequem und gefährlich, räumt Gudrun Rink scherzhaft ein. Ihre Hauptwerkzeuge sind ein Maleisen, das an ein Bügeleisen erinnert, und ein beheizbarer Mal-Pen. Damit bringt die Cottbuserin, die im Stadtteil Willmersdorf zu Hause ist, in Bienenwachs gebundene Farbpigmente auf Leinen, Papier oder Glas auf.

Ihre erste Begegnung mit der ungewöhnlichen Technik hatte die frühere Bibliothekarin im Jahr 2007 beim Besuch einer Ausstellung in der Schlosskirchpassage. Zwei Jahre zuvor war die heute 75-Jährige in den Ruhestand gegangen. Seitdem auf der Suche nach einer erfüllenden Betätigung, stellte sie fest: "Enkaustik - das ist es." Ersten Anleitungen beim Materialkauf folgte ein intensives Selbststudium, das die Möglichkeiten der Autodidaktin zusehends erweiterte.

Über das Anliegen ihrer aktuellen Ausstellung sagt sie: "Ich wollte die Vielfalt der Enkaustik darstellen." Das ist gelungen. Dem Betrachter bieten sich berührende Naturdarstellungen, die vor allem durch die Leuchtkraft der Farben bestechen. Dass die Arbeit mit Wachsfarben und Maleisen meist schneller zum Ergebnis führt als die traditionelle Malerei, kommt der vor Energie sprühenden Seniorin sehr gelegen. "Ich bin ein ungeduldiger Mensch, ich möchte schnell ein Ergebnis sehen", gibt Gudrun Rink zu.

Ihre Anregungen holt sie sich entweder unmittelbar aus der Natur oder von Fotos. Es kann passieren, dass ein Foto der Willmersdorfer Kirche, Dahlienbilder eines abgelaufenen Kalenders oder Steine von der Riviera zum Material für Collagen werden. Am häufigsten finden sich auf Gudrun Rinks Bildern Bäume. Im Muskauer Park hat sie manche Baumgruppe entdeckt, deren Abbild sie einfach aufs Papier bringen musste. Urwüchsige Eichen finden sich darunter und ihre geliebten Weiden. Warum sie die besonders mag? "Sie sind knorrig und ihre Wipfel gleichzeitig so filigran."

Die Ausstellung im Lesecafé der Stadt- und Regionalbibliothek, Berliner Straße 13/14, läuft bis zum 1. April. Am Sonnabend, 19. März, ab 11 Uhr, können Besucher Gudrun Rink bei einer Enkaustic-Demonstration in der Bibliothek erleben.