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| 16:47 Uhr

Umwelt
Die Neugeburt alter Smartphones

 Andreas Holtz-Hofmann vom Eine-Welt-Laden zeigt die Sammelbox für Althandys.
Andreas Holtz-Hofmann vom Eine-Welt-Laden zeigt die Sammelbox für Althandys. FOTO: LR / Nils Ohl
Cottbus. Gebrauchte Handys und Smartphones werden in Cottbus von der Grünen Liga gesammelt und umweltgerecht aufbereitetet. Anlaufstellen sind der Eine-Welt-Laden und der Kost-Nix-Laden. Die Aufbereitung erfolgt in Köln. Von Nils Ohl

Es ist ein unscheinbarer brauner Behälter und doch soll er mithelfen, die Welt ein bisschen besser zu machen. „Hierdrin sammeln wir alte Handys“, erklärt Andreas Holtz-Hoffman vom Vorstand des Eine-Welt-Ladens Cottbus.

Der Anstoß dazu kam von der Grünen Liga. Die hat in den vergangenen Jahren ein deutschlandweites Netzwerk an Sammelstellen aufgebaut. Hier kann man sein altes Handy oder Smartphone abgeben, statt es einfach in den Müll zu werfen oder in einer Schublade zu vergessen.

Das System funktioniert so, dass die in den Sammelstellen abgegebenen Handys von der Grünen Liga abgeholt und zu deren technischem Partner „Mobile-Box“ mit Sitz in Köln gebracht werden. Dort wird entschieden, welche Handys technisch und optisch so aufbereitet werden können, dass man sie als nachhaltige Geräte wieder verkaufen kann. Während der Aufbereitung werden auch alle eventuell noch vorhandenen persönlichen Daten des ehemaligen Besitzers entfernt. Die für eine Aufbereitung nicht mehr geeigneten Geräte gehen zu einem zertifizierten Recyclingbetrieb.

Für jedes Gerät erhält die Grüne Liga eine kleine Spende von Mobile-Box für ihre Projekte. „Die Spanne geht von einigen Cent für Recyclinggeräte bis zu zwei Euro für wieder aufbereitete Handys“, sagt René Schuster vom Bundesvorstand der Grünen Liga.

Deren Sammelstellen-Netz sei leider nicht besonders dicht. In Cottbus gehört neben dem Eine-Welt-Laden (Straße der Jugend 94) noch der Kost-Nix-Laden (Deffkestraße 11) dazu. „Wir würden gern noch mehr Sammelboxen aufstellen“, sagt Schuster. Die nächsten Boxen in der Region seien erst wieder in Berlin oder Dresden zu finden. „Man kann uns die alten Handys auch per Post schicken“, weist Schuster hin. „Wer in Cottbus wohnt, braucht das natürlich nicht.“

„So ein Handy ist wertvoller Rohstoff“, begründet Andreas Holtz-Hofmann, warum der Cottbuser Eine-Welt-Laden sich an der Aktion beteiligt. „Elektrogeräte sind zwar sonst nicht ganz unsere Kompetenz. Aber wenn man weiß, unter welchen Bedingungen – teilweise mit Kinderarbeit und ohne Arbeitsschutz – die seltenen Erden und Metalle abgebaut werden, und dass zum Teil davon auch Kriege bezahlt werden, da ist jedes Gramm sinnvoll, das nicht zu schlechten Arbeitsbedingungen oder zur Kriegsfinanzierung beiträgt.“ Dazu komme noch der ökologische Gedanke: Rohstoffe, die sich recyceln lassen, müssen nicht der Natur entnommen werden. Das entspricht dem vom Eine-Welt-Laden vertretenen Prinzip des fairen Handels.

Die Umweltschäden durch den Abbau seltener Rohstoffe zu verringern, ist ebenfalls ein wesentliches Motiv der Grünen Liga. „Mit dem Vertrieb der neu aufbereiteten Handys haben wir dann nichts mehr zu tun“, so René Schuster. Diese könnten auf einschlägigen Plattformen im Internet bestellt werden. Wobei circa zehn bis 20 Prozent der abgegebenen Handys als Alternative zur Neuproduktion wieder  aufbereitet werden können, 80 bis 90 Prozent gehen direkt ins Recycling.

René Schuster hat noch zwei praktische Tipps: „Die Ladekabel können mit abgegeben werden. Das ist zwar keine Spende, aber sie werden fachgerecht entsorgt. Und obwohl Mobile-Box die persönlichen Daten löscht, nimmt man am besten Sim- und Speicherkarte vor der Abgabe selbst raus.“

 Und wie groß sind die recycelten Mengen? Angesichts Tausender, wenn nicht gar Hunderttausender Handys und Smartphones, die im Raum Cottbus in Benutzung sind, hat der braune Eimer im Eine-Welt-Laden eine sehr bescheidene Größe. „Wir wissen, dass das Potenzial an ungenutzten Handys in irgendwelchen Schubladen noch groß ist, aber in Cottbus bewegen wir uns mit unseren Sammelstellen pro Jahr erst im Hunderter-Bereich“, sagt René Schuster. Bei Mobil-Box gehen laut eigener Website deutschlandweit jährlich rund 80 000 gebrauchte Handys ein.