ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:33 Uhr

Als es für eine Autoreparatur noch Rouladen gab

Kurt Apel zeigt sein Meisterstück von 1949: ein Abzieher, mit dem Kugellager abgezogen werden konnten.
Kurt Apel zeigt sein Meisterstück von 1949: ein Abzieher, mit dem Kugellager abgezogen werden konnten. FOTO: Annett Igel-Allzeit
Cottbus. Der 96-jährige Madlower Kurt Apel hat mit acht Jahren Verspätung seinen Diamantenen Meisterbrief überreicht bekommen. Bevor er als Kraftfahrzeugmeister die Autos Cottbuser Handwerker reparierte, hatte er in Benau bei Sorau an Fahrrädern geschraubt. A. Igel-Allzeit

Schmunzelnd blättert Kurt Apel im Familienalbum. Schwarz-Weiß-Fotografien zeigen den F 8 Cabriolet vorm Haus und auf Usedom. "Unsere Jüngste fragte immer ungeduldig, wann wir denn ankommen. Aber mehr als 70 Kilometer pro Stunde waren damals nicht drin. Auf der Insel haben wir gezeltet", erzählt Kurt Apel. Veronika Martin von der Handwerkskammer hat ihm eine Urkunde mitgebracht. Am 26. Januar 1949 hat er nach zwei Tagen Prüfung in Babelsberg von der Handwerkskammer des Landes Brandenburg seinen Meisterbrief in die Hand gedrückt bekommen. Das ist 68 Jahre her. Weil die Handwerkskammer Cottbus davon vor acht Jahren nichts ahnte, holte Veronika Martin die Verleihung des Diamantenen Meisterbriefes in dieser Woche nach.

Kurt Apel wurde am 2. Januar 1921 geboren, er wuchs in Benau im heutigen Polen auf, lernte beim Onkel Fuhrwerke, Fahrräder und Autos zu reparieren. Mit 18 Lenzen machte er seinen Führerschein. "Ich holte die Milchkannen aus den Dörfern ab", erinnert sich Apel. Doch dann holte ihn der Zweite Weltkrieg ein. "Wie durch ein Wunder kam er gesund wieder", so Brigitte Liebich, eine seiner zwei Töchter.

Kurt Apel lernte in Leuthen Anna kennen, heiratete sie 1946, begann bei Bergner in Cottbus Autos zu reparieren - bis die private Autowerkstatt mit Tankstelle geschlossen und durch den KIB - den Kfz-Instandhaltungsbetrieb - an etwa gleicher Stelle ersetzt wurde und Apel auch dort Autos zur Reparatur annahm. In Madlow bauten sie sich ein Haus, schufen Platz für den Spargelanbau und die Hühner. Eine Werkstatt entstand am Haus - mit der Option, sich mal selbstständig zu machen, woraus aber nie etwas wurde. Bis die Herzprobleme kamen, arbeitete Apel im KIB.

Er fuhr Wartburg, träumte vom Mercedes, hatte ein Telefon, weil er mit Kollegen die Pannenhilfe sicherte. Viele Handwerker aus Cottbus kamen mit ihren kaputten Autos direkt zu ihm nach Hause. Fleischer Dachs zum Beispiel - "Im Gegenzug bekamen wir Rouladen", erzählt Brigitte Liebich. Auch Hans Kopf, Vater des heutigen Präsidenten der Industrie- und Handelskammer Peter Kopf, kam, weil es bei Apel schneller ging als im KIB. "Wenn der kleine Peter dabei war, lief er sofort zu unseren Hühnern, er wollte sie immer füttern", erinnert sich Apel. Vier Enkel hat er, drei Urenkel. Dass ihm kein Sohn vergönnt war, dem er die Werkstatt vererben konnte, grämt ihn noch. Aber auch die Töchter waren oft in die Werkstatt geeilt, wenn ein Motor anzuheben war. 36 Diamantene Meister ehrte die Handwerkskammer Cottbus 2016, 2017 rechnet Veronika Martin mit 49.