ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:24 Uhr

Früher und heute
Als die Töchterschule aus ihren Nähten platzte

Die seltene Ansichtskarte zeigt den Anbau an der Schule. Nötig war der, weil sich die Schülerinnenzahlen so gut entwickelten.
Die seltene Ansichtskarte zeigt den Anbau an der Schule. Nötig war der, weil sich die Schülerinnenzahlen so gut entwickelten. FOTO: Sammlung Hans Krause
Cottbus. Stadthistorikern Dora Liersch erzählt die Geschichte der Cottbuser Töchterschule anhand einer Postkarte aus der Sammlung von Hans Krause. Von Daniel Schauff

Am 30. Januar 2017 stand in der Serie „Cottbus früher & heute“ in der LAUSITZER RUNDSCHAU der Anfang der Höheren Töchterschule mit dem ersten, privat gebauten Schulhaus in der damaligen Turnstraße, heute Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße. Damals hieß es: „Ein aufs Eleganteste eingerichtetes Schulhaus“. Am 20. Juni 2016 war bereits zuvor über die Entwicklung der Höheren Töchterschule unter der Überschrift „Eine Kaiserin als Namenspatronin“ ebenfalls in der RUNDSCHAU berichtet worden. Diesmal kann eine seltene, ältere Ansichtskarte vorgestellt werden. Sie ist eigentlich das Bindeglied zwischen dem ersten Schulausbau, eingeweiht 1874 in der Turnstraße 15, und dem letzten Teil, in der Promenade, eingeweiht 1912. Sie zeigt uns den ersten Teil des Schulgebäudes in der damaligen Promenade, heute Puschkinpromenade, das in den Jahren 1907/1908 erbaut wurde. Unter der umsichtigen Leitung des Direktors Otto Matzdorf (1899 bis 1924 an der Schule) entwickelte sich die Höhere Töchterschule hervorragend. Angeschlossen an diese Schule war ein Lehrerseminar (alles noch in dem Gebäude in der Turnstraße). Als 1906 für das Lehrerseminar noch sogenannte Seminarklassen einer Mädchengrundschule eingerichtet wurden, reichten die Räumlichkeiten im eigenen Gebäude nicht mehr aus.

In der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung vom 1. August 1906 referierte der Justizrat Dedolph über den geplanten Neubau einer Höheren  Mädchenschule (Augustaschule) nebst Lehrerinnenseminar: „Vor etwa einem halben Jahr hat die Stadt das Krügersche Grundstück an der Promenade (das in seinem nördlichen Teil an das Grundstück der Augustaschule anstößt) zum Zwecke der Erweiterung und demnächst zu einem Neubau der Augustaschule angekauft. Die Errichtung des geplanten Neubaus im ganzen Umfange dürfte nach Darlegung des Magistrats erst nach einer stattlichen Reihe von Jahren erfolgen. Vorläufig ist aber zur Entlastung des Gebäudes der Augustaschule nötig, einen besonderen Bau zu errichten, da die Schülerinnenzahl sich ständig vergrößert. Diese beträgt jetzt 340. Für den Grundstückserwerb sind 88 000 Mark und 5000 Mark für sonstige Kosten bewilligt, ferner 37 000 Mark als Baukosten für den geplanten Bau in Aussicht genommen ...“

Heute ist nur schwer zu erkennen, wie sich die Schule in Schritten entwickelt hat.
Heute ist nur schwer zu erkennen, wie sich die Schule in Schritten entwickelt hat. FOTO: Dora und Heinrich Liersch

Der Magistrat ließ einen Wettbewerb ausschreiben für den Teilbau in Anlehnung an den Gesamtbau. Den ersten Preis errang die Cottbuser Architekturfirma Hermann Pabel & Co., die auch den Zuschlag bekam.

Im April 1908, zum Schuljahresbeginn, konnten die neuen Räumlichkeiten in dem östlichen Teilneubau in Benutzung genommen werden. Die Ansichtskarte ist aus dieser Zeit.

Ein Vergleichsfoto zu heute lässt die Veränderungen, die Anpassungen erkennen. Nur wenig später erfolgte der größere westliche Anbau, von dem auf der Ansichtskarte noch nichts zu sehen ist. Er sollte zwar schon eher fertiggestellt sein, doch erst zum 5. Januar 1912 konnte er festlich eingeweiht werden.

Natürlich hat sich einiges in den letzten Jahrzehnten auch baulich verändert, besonders der ausgebaute Dachstuhl und die Schaffung eines Fahrstuhls.

Mehr über dieses Haus erfahren Sie in „Cottbus früher & heute“ vom 20. Juni 2016.