Obwohl diesem 900-Jahr-Jubiläum jeder geschichtliche Nachweis fehlte, entschloss man sich zu dieser Jubiläumsfeier. So verfasste dazu Karl Christian Stäber in seiner "Lieder-Chronik der Stadt Kottbus" (1845) unter dem Titel "Das 900-jährige Jubelfest der Stadt Kottbus" ein zwölf Verse umfassendes Gedicht, in dem es heißt: "So steht sie da, die Stadt, im Schmuck der Jahre, ein Denkmal längst entflohener Zeit, und dennoch jugendlich im Silberhaare, Ein treues Bild der Unvergänglichkeit: Mütterlich, wie sie die Väter gepflegt, all ihre Kinder sie heut noch trägt." Dabei hatte die gerade 8000 Einwohner zählende Stadt genügend Erschwernisse zu bewältigen, so eine große Überschwemmung im Februar, die den Bau eines Spreewehres erforderlich machte. Ende Mai folgten ein heftiger Sturm mit Gebäudeschäden und eine Cholera-Epidemie in der Lausitz, die vor Cottbus nicht Halt machte. 900 Jahre Cottbus wurden dennoch gefeiert, zumal bei der Schützengilde schon Preisschießen auf die Jubiläums-Scheibe zur Gründung der Stadt ausgetragen wurden, die der Cottbuser Tuchmachersohn und Maler Carl Heinrich Vester angefertigt hatte. Ein Abraham Hosemann aus Lauban, der 1761 als Schumachersohn geboren wurde, schrieb als gewinnsüchtiger "Historiker" diverse Stadtgründungserzählungen auf – auch für Cottbus. Danach soll der deutsche Kaiser Heinrich I. um 930 im Ergebnis eine siegreichen Schlacht gegen die Ungarn in Cottbus eine Burg angelegt haben. Spuren Heinrichs im Kampf um seine Vorherrschaft finden sich in den Burgen um den Harz – jedoch nicht an der Spree. Erst nach der Schlacht bei Lenzen mit der Vernichtung des Slawenheeres, führt der König 932 sein Heer in die Lausitz und besiegt die Lusitzer bei Lebusa. Damit begann er die deutsche Ostkolonisation des Mittelalters. Doch Cottbus ließ sich mit seiner 900-Jahrfeier nicht beirren und läutete mit allen Glocken am Vorabend die Jubelfeier ein. Mit der Stadtkapelle und der Schützengilde erfolgte ein Zapfenstreich. Ein schwülwarmes Sommerwetter soll den 3. August verschönt haben, als am Mittag Oberbürgermeister Johann Chr. Krenkel vor dem Rathaus festliche Worte an die Anwesenden richtete. Gemeinsam bewegte sich ein Festumzug der Bürgerschaft durch die Innenstadt vorbei an geschmückten Häusern. Frohsinn und gute Stimmung herrschten bei allen. Warum auch nicht? War doch jeder stolz, in einer 900-jährigen Stadt zu leben. Im Jahre 1930 erschien zwar eine Beilage zum Cottbuser Anzeiger mit dem Titel "Das 1000-jährige Cottbus". Auf eine Jubiläumsfeier verzichtete die Stadt allerdings, da die Darstellungen von Hosemann als Fälschung erkannt worden waren.