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Als die Post in der Sprem „Königlich-Preußisch“ wurde

In loser Folge berichtet der Heimatforscher Heinz Petzold in der RUNDSCHAU aus der Cottbuser Stadtgeschichte. Am 1. Juli 1855 – vor 150 Jahre – erlebte Preußens Glanz und Gloria in Cottbus seine offizielle Wiederauferstehung. Repro: Sammlung Petzold

Die seit 1835 im „Wohnhause mit acht Mietern“ des Cottbuser Tuchhändlers Friedrich Lobedan in der Spremberger Straße 74, später 30, betriebene Abfertigung der Fahrpost, wurde in den Stand eines offiziellen Königlich-Preußischen Postamtes erhoben.
Damit war die Zeit des Maurermeisters Fritz Mund vorbei, der das mit seiner Pilastergliederung im Obergeschoss und Mansardenbereich um 1804 erbaute Haus erworben und als Privatunternehmer im Erdgeschoss eine Post-Passagierstube als „Köngl. Preuhs. Post Amt Kottbus 1835“ betrieb.
Mit der offiziellen Umwandlung der Unternehmerpost in ein Postamt der preußischen Post im Deutschen Bund unter dem Postdirektor Wiebe gewann der Adler, vorher eher eine Attrappe, wieder Repräsentanz. Zum 1. Juli 1855 mussten die beiden vasenartigen Gefäße auf dem Brüstungs aufsatz zugunsten zweier metallener Adler mit Blick auf die Spremberger Straße weichen. Die königstreuen Cottbuser sahen darin die Schande getilgt, die man ihnen 1807 angetan hatte, als der vom Cottbuser Bildhauer Reicher 1705 in Stein geschlagene schwarz gefärbte und mit „güldener Krone“ versehene preußische Adler am gewölbten Eingang des Luckauer Tores gegen das sächsische Wappen ausgetauscht worden war.
Die beiden preußischen Adler auf dem Postamt identifizierte die Cottbuser mit dem Königreich Preußen, zumal die neuen Postleistungen im nun voll gemieteten Haus des Maurermeisters Mund als „verlängerter Arm Berlins“ angesehen wurden. Dafür hatte schon der Vorgänger des Postdirektors Wiebe, der Postbeamte Pätsch, gesorgt, der erstmals ab 15. November 1850 Briefmarken abgab und die frankierten Briefe in einem „Brief-Kasten“ hinterlegen ließ.
Schon 1851 leerte ein Post-Unterbeamter regelmäßig die im Rathausflur und am Luckauer Tor angebrachten Briefkästen. Die Sortierung für Briefe und nun auch für Pakete erfolgte im Posthaus. Da für jeden Postcourse ein Abteil eingerichtet worden war und für zwei Cottbuser Briefträger um 1853 ein Extraraum betrieben wurde, waren die Räumlichkeiten bald zu eng. So musste die Passagierstube ausgelagert werden. Da das immer noch nicht ausreichte, baute der neue Eigentümer Gustav Matschenz bald einen Seitenflügel an, sodass die Post jährlich 900 Taler Miete entrichtete.