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| 18:59 Uhr

Cottbus
Vor 40 Jahren fährt Cottbus endlich in die Moderne

Der Entwurf für das neue Empfangsgebäude kommt von der ungarischen Firma UVATERV. Er wurde nach einem Rahmenentwurf des Architekten Horst Lüderitz vom Entwurfs- und Vermessungsbüro der Deutschen Reichsbahn projektiert.
Der Entwurf für das neue Empfangsgebäude kommt von der ungarischen Firma UVATERV. Er wurde nach einem Rahmenentwurf des Architekten Horst Lüderitz vom Entwurfs- und Vermessungsbüro der Deutschen Reichsbahn projektiert. FOTO: Freundeskreis der Eisenbahner
Cottbus. Am 5. Oktober 1978 wird das neue Empfangsgebäude am Bahnhof eröffnet. Es ist ein besonderes Ereignis für die junge Großstadt. Von Peggy Kompalla

Der Bahnhof der wichtigsten Stadt im Energiebezirk platzt in den 70er-Jahren aus allen Nähten. Ein Provisorium auf der Mittelinsel ersetzt das einst backsteinerne Gebäude, das im letzten Kriegsjahr zerstört wurde. Günter Wolff erinnert sich noch gut: „Das waren alles nur Baracken.“ Der 83-Jährige war damals der Leiter der Hauptabteilung Investition in der Reichsbahndirektion und damit verantwortlich für das Baugeschehen. Für eine aufstrebende, moderne Großstadt mit mehr als 100 000 Einwohnern ist die Zwischenlösung schon lange nicht mehr angemessen. Angesichts der Umstände wird in der Zeit von Auswärtigen gern gefrotzelt: „In Cottbus hält der Zug auf freier Strecke.“ Damit ist am 5. Oktober 1978 endgültig Schluss. An dem Tag wird das neue großzügige Empfangsgebäude am Cottbuser Bahnhof eröffnet. Die Architektur des Hauses steht für die Moderne der DDR, für eine aufstrebende, wachsende Stadt.

Die LAUSITZER RUNDSCHAU schreibt am 6. Oktober 1978: „Ohne Übertreibung: Dieses Gebäude gereicht Cottbus zur Ehre. Charakteristisch für sein Gesicht sind die blau-weißen Isocolor-Platten, die beide Giebel verkleiden. Wer das etwa 108 Meter lange und 38 Meter breite Empfangsgebäude betritt, der tritt auf Lausitzer Granit. . . . Wohin man hört – Worte der Anerkennung. Hier entstanden angenehme Bedingungen für die 30 000 Reisenden, die täglich den Bahnhof passieren, und beste Arbeits- und Lebensbedingungen für alle Beschäftigten.“

Tatsächlich wird 1978 nicht nur das neue Empfangsgebäude fertiggestellt, sondern die komplette Bahn-Infrastruktur ist damit auf neuestem Stand. Das betont Jan Urban. Er kennt sich mit der Geschichte des Cottbuser Bahnhofs bestens aus und gehört mit Günther Wolff zum Freundeskreis der ehemaligen Eisenbahner. Jan Urban betont, dass nicht nur die Werktätigen zur Arbeit gefahren werden, sondern zu DDR-Zeiten auch zwischen 80 und 84 Prozent des Güterverkehrs über die Schiene laufen. Deshalb umfasst der Bahnhofs-Neubau fünf Projekte: die Verlagerung der technischen Dienststellen, die neuen Reisezugreinigungs- und Abstellgruppen, den Neubau eines Hochdruckkesselhauses inklusive der Heiztrassen, den Neubau des Bahnhofspostamtes und den Neubau des Empfangsgebäudes sowie des Personentunnels.

Die Empfangshalle im August 1976 kurz vor dem Richtfest.
Die Empfangshalle im August 1976 kurz vor dem Richtfest. FOTO: Freundeskreis der Eisenbahner

Der Grundstein für das neue Bahnhofsgebäude wird am 30. Oktober 1974 gelegt. Am 31. August 1976 feiern die Cottbuser Richtfest. Das Empfangsgebäude mit der imposanten Halle wird dreigeschossig gebaut und unterkellert. In ihr finden sogar moderne Verkaufseinrichtungen für Reisebedarf, Blumen, Zeitungen sowie ein Mitropa-Restaurant und eine Selbstbedienungsgaststätte Platz. Zum Interieur gehören: acht Fahrkartenschalter, eine Reise-Auskunft, eine Gepäckabfertigung und Handgepäckaufbewahrung sowie eine Expressgutabfertigung und ein Betreuungsraum des DRK.

„Der Bau des Personentunnels hatte für die damalige Zeit baulich und architektonisch Besonderes zu bieten“, schreibt Jan Urban im Cottbuser Heimatkalender 2018. Er wurde in „mehrjähriger Vorbereitungszeit innerhalb von 31 Tagen in acht Bauabschnitten als Rohbau montiert“. Der Tunnel geht bereits im Dezember 1975 in Betrieb. Jetzt sind die Bahnsteige 1 bis 8 und der Spreewaldbahnhof auch von der Südseite erreichbar.

Vorbereitungen für den Neubau, im Hintergrund ist das Stellwerk 23 zu sehen.
Vorbereitungen für den Neubau, im Hintergrund ist das Stellwerk 23 zu sehen. FOTO: Freundeskreis der Eisenbahner

Die Eröffnung des Bahnhofsgebäudes ist auch im Rückblick ein bedeutendes Ereignis. Günther Wolff erklärt: „Cottbus hat damit ein herausragendes Gebäude erhalten, das ein Konzentrationspunkt ist. Zum einen brachte es Arbeit, zum anderen wurden von hier aus die Arbeitskräfte an die Industriestandorte befördert.“ Für Jan Urban ist es eine „Sternstunde für Cottbus, für die Reisenden, für die vielen Berufspendler und besonders auch für die Eisenbahner“.

Blick auf die Bahnhof-Baustelle von der Bahnhofstraße aus.
Blick auf die Bahnhof-Baustelle von der Bahnhofstraße aus. FOTO: Freundeskreis der Eisenbahner
Die Stahlkonstruktion für den Hausbahnsteig 1 steht.
Die Stahlkonstruktion für den Hausbahnsteig 1 steht. FOTO: Freundeskreis der Eisenbahner
Der neue Tunnel wird in 31 Tagen mit vorgefertigten Bauelementen errichtet.
Der neue Tunnel wird in 31 Tagen mit vorgefertigten Bauelementen errichtet. FOTO: Freundeskreis der Eisenbahner
1978 ist der Innenausbau der Empfangshalle in vollem Gang.
1978 ist der Innenausbau der Empfangshalle in vollem Gang. FOTO: Freundeskreis der Eisenbahner
Mehrere Kioske laden zum Einkauf ein.
Mehrere Kioske laden zum Einkauf ein. FOTO: Freundeskreis der Eisenbahner
Entwurf Bahnhof Cottbus, nicht umgesetzt
Entwurf Bahnhof Cottbus, nicht umgesetzt FOTO: Freundeskreis der Eisenbahner
Der alte Cottbuser Bahnhof wird 1945 zerstört und später nur durch Baracken auf der Mittelinsel ersetzt.
Der alte Cottbuser Bahnhof wird 1945 zerstört und später nur durch Baracken auf der Mittelinsel ersetzt. FOTO: Freundeskreis der Eisenbahner
Die LAUSITZER RUNDSCHAU 
berichtet am 6. Oktober 1978 von der Eröffnung des Empfangs-
gebäudes auf der Titelseite.
Die LAUSITZER RUNDSCHAU berichtet am 6. Oktober 1978 von der Eröffnung des Empfangs- gebäudes auf der Titelseite. FOTO: Lausitzer Rundschau / Lausitzer Rundschau / Peggy Kompalla
Provisorischer Bahnhof Cottbus auf der Mittelinsel
Provisorischer Bahnhof Cottbus auf der Mittelinsel FOTO: Freundeskreis der Eisenbahner