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Als die Ebert- noch Wallstraße hieß

Aus der ehemaligen Wallstraße mit ihrer historischen Bausubstanz ...
Aus der ehemaligen Wallstraße mit ihrer historischen Bausubstanz ... FOTO: Sammlung Hans Krause
Cottbus. Die Cottbuser Heimatforscherin Dora Liersch erkundet die Historie der Wallstraße. Sie kommentiert eine historische Postkarte aus der Sammlung von Hans Krause. Dora Liersch / dli9

Diese "Gruss aus Cottbus"-Karte zeigt die Wallstraße mit einem Blick von Nord nach Süd. Die drei rechts dargestellten Häuser gibt es heute noch. Es sind nunmehr von rechts nach links gesehen die Friedrich-Ebert-Straße 13 und 12, das Eckhaus gehört heute zur Petersilienstraße. Alle Gebäude nach der Einmündung der Petersilienstraße in die heutige Friedrich-Ebert-Straße stehen nicht mehr.

Für die Errichtung eines modernen Stadtzentrums in den 1960er/70er Jahren wurden diese Grundstücke gebraucht. In der RUNDSCHAU vom 6. Oktober 2015 wurde innerhalb dieser Postkartenserie unter der Überschrift "Stadthalle verdrängt schmucke Häuser" schon einmal berichtet. Diesmal soll das markante Eckhaus der Wallstraße 11 mit den Ziergiebeln und dem Türmchen mit auffallendem Ziergitter im Mittelpunkt stehen. Die Wallstraße hieß zwischen 1925 und 1933 Friedrich-Ebert-Straße, danach wieder Wallstraße und erhielt 1946 den Namen nach dem ersten Deutschen Reichspräsidenten Friedrich Ebert zurück.

Die Häuser der Wallstraße 10 und 11 sind um 1884 erbaut worden. Selbstverständlich gab es schon viel eher eine Bebauung an dieser Straße, die zu den nördlich gelegenen Dörfern führte und außerhalb von Cottbus auf Brunschwiger Gebiet lag. Die Altbauten wurden zu Gunsten der Neubebauung zum Teil beseitigt. Eigentümer beider Häuser war seinerzeit der Bäckermeister Julius Krüger.

Das Haus Nummer 10 war sechs Achsen breit, mit Ladeneinbauten, viergeschossig, im mittleren Bereich mit Erkern und in der obersten Etage mit einem Balkon geschmückt. Kräftige Stuckelemente betonten besonders die Fenster. Eine schlichte Attika mit kleinem Ziergiebel in der Mitte bildete den Flachdachabschluss. Aufwendiger war das Eckgebäude, die Nummer 11. Es war ebenfalls viergeschossig, aber mit Satteldach und großem Ziergiebel zur Wallstraße. Besonders auffällig war die turmähnliche Eckbebauung. Im Erdgeschoss war der Eingang zu einem Eckladen, darüber ein hervorgezogener Erker, auf den sich in den beiden oberen Etagen abgerundete Erker aufsetzten. Ein auffallendes rundes Türmchen bekrönte das Ganze.

Julius Krüger verkaufte um 1900 die Wallstraße 10. Bäckermeister Gotthelf Friedrich betrieb die Bäckerei nach Krügers Tod weiter und konnte später auch das Grundstück erwerben. Neben der Bäckerei gab es viele Jahrzehnte den Lebensmittelladen mit Wein- und Zigarrenabteilung von Hermann Benthin.

Das Haus Nummer 11 blieb noch einige Jahre weiter in seinem und später seiner Erben Besitz. Ab den 1920er Jahren wechseln die Hauseigentümer mehrmals, mal ist es die Beamtengenossenschaft, dann die Firma Gesch & Reuschel. Im Hause betreiben 1940 Hugo Grünwald sein Lebensmittelgeschäft mit Feinkostabteilung und Felix Schmidt seinen Friseurladen. Ältere Cottbuser erinnern sich vielleicht noch an die letzten Geschäftsinhaber in den 1960er Jahren in den beiden Gebäuden: die Reparaturwerkstatt für elektrische Haushaltsgeräte Withold Majewski, die Bäckerei von Georg Friedrich, die Evangelische Buchhandlung von Edelgard Handreg und an den Blumenladen im Eckhaus. Beide Gebäude wurden am 19. Juli 1969 gesprengt.

Das Eckhaus, das zur Petersilienstraße gehört, wie auch die heutigen Gebäude der Friedrich-Ebert-Straße 12 und 13, stammen in ihren Urformen noch aus den 1870er Jahren. Während das Eckgebäude viele Jahrzehnte der Kaufmannsfamilie Muschka (Lebensmittel) gehörte und heute das Zuhause eines italienischen Restaurants ist, sehen die anderen beiden Gebäude stark verändert aus. Die Nummer 12 gehörte einst dem Klempnermeister Kircher.

Viele Jahre war Edelgard Handreg mit der Evangelischen Buchhandlung im Hause, das heute nicht mehr wiederzuerkennen ist. Im Haus Nummer 13, das dem Buchbindermeister Gerke gehörte und welches 1940 noch die Witwe Margarete Stock besaß, während Käthe Stock als Inhaberin die Papierhandlung Gerke als Nachfolgerin betrieb. Viele Jahre war der Korbwarenhersteller Siegfried Block im Hause tätig. Er konnte nicht nur gebräuchliche Korbwaren herstellen, sondern auch Stühle mit kaputten Flechtsitzen und -lehnen wieder in Ordnung bringen.

Alle Teile der Serie zum Nachlesen:

www.lr-online.de/historischelausitz