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| 01:06 Uhr

Als Abschiedsgeschenk ein neuer Horizont

Er kennt fast alle Bäume der Stadt: Klaus Fussan vom Cottbuser Grünflächenamt ging jetzt nach mehr als 40 Jahren Arbeit in den Ruhestand. Zum Abschied schenkten ihm die Mitarbeiter einen Baum – eine „Ulmus fussaniana“ . Von René Wappler

„Was ist das beste Geschenk„“ , fragt Norbert Gafke, der Chef des Grünflächenamtes, als sich die Angestellten im Blechenpark versammelt haben. „Ein Baum, der zu dir passt. Ich hoffe, dass er länger lebt als alle, die wir hier stehen.“
Verblüfft entgegnet Fussan: „Das ist ja eine tolle Überraschung. So viel Wohlwollen ist schon fast peinlich, eigentlich zu viel des Guten.“
Neben dieser Bescheidenheit schätzt Gafke an seinem - inzwischen ehemaligen - Mitarbeiter: „Ehrlichkeit, Begeisterungsfähigkeit, Hartnäckigkeit, Zielstrebigkeit, Kompromissbereitschaft.“ Lauter Dinge, die Fussan nicht so gern hören mag. Er stapelt lieber tief - und freut sich auf die Zukunft. „Ich gehe gelassen in den Ruhestand.“ Und der glücklichste Moment seines Arbeitslebens“ „Diesen speziellen Moment gab es nicht. Eher die Möglichkeit, mich mit Bäumen beschäftigen zu können, für das Grün da zu sein. Mich fasziniert ihre Größe, Gestalt, Vielfalt und ökologische Wirkung. Die Ruhe, die sie ausstrahlen.“ Als wichtigsten Erfolg seines Berufslebens nennt er, „dass es uns gelungen ist, viele Straßen wieder zu bepflanzen, Einfluss zu nehmen, dass die Bäume keine Gefahr für Personen und Gegenstände hervorrufen können“ .
Besonders schöne Orte voller Bäume sind für Fussan die Puschkinpromenade und der Goethepark. 30 000 Bäume, sagt er, gebe es in Cottbus, 10 000 davon seien Straßenbäume, „ich kenne 98 Prozent davon“ . Eines bereitet dem Pflanzen-Fachmann allerdings Sorgen: „Der gedankenlose Umgang der Bevölkerung mit Abfällen. Dass sie alles stehen und liegen lassen, im Stadtzentrum oder der Puschkinpromenade, die wir fast jeden Tag säubern müssen.“ Für ihn wird es nun heißen: „Säubern mussten.“ Und erst mal freut er sich über das Geschenk der Kollegen, die „Ulmus fussaniana“ , die auch den Namen „Ulmus Neuer Horizont“ trägt. Und diesen neuen Horizont seines Lebens, da ist sich Klaus Fussan sicher, wird er in Ruhe, genießen, umgeben von viel Grün.

Hintergrund Die Bäume der Stadt
  Die städtischen Bedingungen - wie Lärm und Abgase - sorgen bei einem Drittel der insgesamt etwa 30 000 Cottbuser Bäume für Stress. Betroffen sind vor allem Bäume, die an Straßen stehen.
Es gibt in Cottbus mehr als 800 Bäume, die als Naturdenkmal gelten und damit einem besonderen Schutz unterliegen. Zu den Naturdenkmälern gehören eine 350 Jahre alte Eiche im Kahrener Park, nach aktuellen Untersuchungen der älteste Baum von Cottbus, sowie eine 46 Meter hohe Sumpfzypresse in den Madlower Schluchten - das höchste Gewächs der Stadt.