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| 02:33 Uhr

"Alle Wege führen nach Cottbus"

Dieter Perko (m.) hält nichts davon, eine neue Kreisreform zu erzwingen. Er setzt auf die interkommunale Zusammenarbeit wie hier mit dem Kolkwitzer Bürgermeister Fritz Handrow (r.) und der Peitzer Amtsdirektorin Elvira Hölzner.
Dieter Perko (m.) hält nichts davon, eine neue Kreisreform zu erzwingen. Er setzt auf die interkommunale Zusammenarbeit wie hier mit dem Kolkwitzer Bürgermeister Fritz Handrow (r.) und der Peitzer Amtsdirektorin Elvira Hölzner. FOTO: Ronald Ufer/rur1
Optimistisch blickt Dieter Perko (CDU), Bürgermeister der Großgemeinde Neuhausen/Spree, ins neue Jahr. Der Stausee als Urlaubsort ist nach dem Abschluss der Bauarbeiten an der Staumauer wieder gefragt. Und auch wenn die Gemeinde mit keinen großen Gewerbegebieten werben kann: Die Handwerker und Unternehmer haben gefüllte Auftragsbücher.

Herr Perko, die Kreisreform hängt erst einmal in der Warteschleife. Trotzdem hat sicher auch Sie der Riesenkreis im Vorschlag des Innenministers überrascht?
Ich war völlig erschrocken. So etwas hätte ich nie erwartet. Dass Spree-Neiße in Richtung Senftenberg mit dem Oberspreewaldkreis zusammengehen soll oder wir mit dem Dahme-Spreewald-Kreis eine Wirtschaftsregion bilden. Aber diese Riesenlösung ist gar nicht leitbildgerecht. Und aus meiner Sicht als Kommunalpolitiker finde ich es auch wichtig, dass Cottbus seinen Kreisfreiheit behält. Ob Arbeitsort, Schule, Einkauf, Kultur - für unsere Bürger in Neuhausen/Spree führen alle Wege nach Cottbus. Würde die Stadt ihre Kreisfreiheit verlieren, würde sich das, was sie dem Umland bieten kann, ändern. Diese Kreisreform ist politisch motiviert, ich sehe für sie keine wirtschaftlichen und sachlichen Gründe. Cottbus als Oberzentrum der Region muss gestärkt werden.

Um die kommunale Verwaltung zu effektivieren, arbeiten Sie mit Drebkau, Kolkwitz, Burg und Peitz zusammen. Das Rechnungsprüfungsamt, die gemeinsame Bußgeldstelle, die Abstimmung bei der Software-Nutzung …
Beim Standesamt erweist sich die Zusammenarbeit als besonders effektiv. 2014 haben wir den gemeinsamen Standesamtsbezirk mit dem Amt Burg, der Stadt Drebkau und Kolkwitz gebildet. Egal wie viele Trauungen wir im Jahr hatten, vorher musste jede Verwaltung mindestens zwei Standesbeamte beschäftigen, um auch die Vertretung abzusichern. Jetzt liegt der Hauptsitz des Standesamtes in Burg, wo ohnehin am häufigsten geheiratet wird, teilen wir uns vier, fünf Standesbeamte und sichern mit ihnen auch Öffnungszeiten zum gesamten Personenstandswesen bei uns in Neuhausen ab. In diesem Bereich gibt es ständig gesetzliche Änderungen. Und für die Weiterbildungen müssen die Standesbeamtinnen nach Bad Salzschlirf in Hessen fahren. Die Expertinnen und die Fahrtkosten können wir uns jetzt teilen.

Gibt es noch mehr Bereiche, wo sich die Zusammenarbeit lohnt?
Der Aufgabenkatalog ist noch nicht ausgeschöpft. Zur Baumschutzsatzung und zu Gewerbeangelegenheiten ist eine Zusammenarbeit gut vorstellbar. Sinn macht eine gemeinsame Vergabestelle für Bau- und Lieferleistungen, denn wir schreiben alle nach den selben Richtlinien EU-weit aus - das ist rein formell.

2016 hatten die Wasserfestspiele ein Jubiläum. Aber das war nicht das einzige Ereignis, zu dem die Großgemeinde einladen konnte.
Wir erlebten eine richtige Kulturwelle im Vorjahr. Unsere Wasserfestspiele finden immer mehr Zuspruch. Teilnehmer aus Sachsen, Brandenburg, Berlin, Schleswig-Holstein traten zu den 10. Wasserfestspielen an. Und unsere polnischen Partner aus Zary und Zielona Gora sind auch immer dabei. Während am Freitag 16 Teams für das Nachtrennen auf der Starterliste standen, waren es für Samstag sogar 37 Mannschaften. Aber auch das Rahmenprogramm, bei dem ja die Jugendfeuerwehr und der Reiterhof Drieschnitz mithalfen, wird immer attraktiver. Aber dass auch die Folklorelawine zum ersten Mal durch Neuhausen/Spree rollte, hat uns gutgetan. Selbst als am Nachmittag das Unwetter das Tanzen auf dem Festgelände beendete, haben wir hier am Amtsgebäude noch einmal das Beste daraus gemacht. Die Stimmung war prima. Aber groß bauen oder sanieren konnten wir Vorjahr nicht. Erwartete und beantragte Fördermittel blieben aus.

Was sorgte für den Engpass?
Wir haben rund 700 000 Euro Gewerbesteuern zurückzahlen müssen, deshalb lief das Haushaltsjahr 2016 nur auf Sparflamme. Wir haben die Sanitäranlagen in der Kita Komptendorf und in der Grundschule Laubsdorf saniert und im Wegenetz einzelne Abschnitte geschafft. Dazu gehörten auch ein Stück Gehweg in Roggosen und das Radwanderwegnetz zum Beispiel zwischen Bagenz und Kahsel sowie im Bereich des Stausees.

Was ist für dieses Jahr geplant?
Die größte Ausgabe wird den Bereich Feuerwehr betreffen. Die Sergener Ortsfeuerwehr soll für insgesamt 404 000 Euro ein neues Einsatzfahrzeug bekommen - 304 000 Euro fließen als Fördermittel und 100 000 als Eigenmittel der Gemeinde. Auch fürs Dorfgemeinschaftshaus im Ortsteil Frauendorf und fürs Vereinsheim in Komptendorf sind im Jahr 2017 Ausgaben im sechsstelligen Bereich geplant. Aber der Haushalt ist noch nicht beschlossen. Bis zu den Ausschüssen im Februar und der Gemeindevertretersitzung am 2. März. sind die Fachbereiche in der Verwaltung, die Gemeindevertreter und auch die Ortsteile aufgerufen, den Entwurf nach Einsparungsmöglichkeiten zu durchforsten. Das Einfrieren der jetzigen Kreisumlage auf 43,4 Prozent hat uns geholfen, das Defizit im ersten Neuhausener Haushaltsentwurf für 2017 von 520 000 auf 480 000 Euro zu senken. Aber das maximale Defizit von rund 200 000 Euro, wie wir es im Haushaltssicherungskonzept für dieses Jahr anvisiert haben, ist damit noch nicht erreicht.

Die noch beste Einnahmequelle, so Ihr Kämmerer Torsten Schwieg im Dezember, sei immer noch die Gewerbesteuer. Wie geht es der Wirtschaft in der Großgemeinde?
Seit der letzten Gemeindegebietsreform haben wir keine großen Gewerbegebiete mehr. Wir sind landwirtschaftlich geprägt, haben einige touristische Anbieter, aber auch viele Handwerker von Tischlern über Fliesenleger, Dachdeckern bis Schlossern. Sie leisten eine so gute Arbeit, dass sie recht gut nachgefragt sind und volle Auftragsbücher haben. Und einige wachsen sogar. Für einen Holzunternehmer, der international agiert, suchen wir gerade eine räumliche Erweiterungsmöglichkeit. Und am Flugplatz laufen Gespräche für eine Neuansiedlung.

Mit Dieter Perko sprach

Annett Igel-Allzeit